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Fernuni sieht sich am Scheideweg

25.03.2010 | 19:31 Uhr
Fernuni sieht sich am Scheideweg

Düsseldorf/Hagen.Die Fernuniversität Hagen fordert angesichts stark ansteigender Studentenzahlen aus ganz Deutschland eine stärkere Finanzierungsbeteiligung des Bundes. WAZ-Geschäftsführer Bodo Hombach hat in einer Rede diese Forderung vehement unterstützt.

Die mit 67 000 Studenten inzwischen bundesweit größte Hochschule stehe „am Scheideweg“, erklärte Rektor Helmut Hoyer. Weiteres Wachstum sei nur möglich, wenn sich der Bund und andere Bundesländer stärker an der in dieser Form einzigartigen Universität beteiligten.

Bislang wird der Haushalt der Hagener Einrichtung in Höhe von jährlich 80 Millionen Euro zu mehr als zwei Dritteln vom Land NRW getragen. Dabei stammt nur noch ein Drittel der Studentenschaft aus Nordrhein-Westfalen. „Die Förderung der Fernuniversität ist eine nationale Bildungsaufgabe“, erklärte Bodo Hombach, Geschäftsführer der WAZ-Mediengruppe und Mitglied des Hagener Hochschulrates. Die Verzahnung von Studium und Beruf sei hier ebenso wie der Praxisbezug der Lehre vorbildlich organisiert. Zudem biete der Technologie-Sprung der neuen Medien „ein riesiges Kapital, das man bildungspolitisch nutzen muss“, so Hombach. „Ich verstehe nicht, wieso man gegenüber der Politik für die Fernuniversität werben muss. Und das in einer Zeit, wo diese gezwungen ist, aus wenig Geld das Beste zu machen. Kostet doch ein gleichwertiger Abschluss an der Fernuniversität sehr viel weniger als ein Abschluss an einer Präsenz-Universität. Und finanzieren doch seit 25 Jahren die Fernstudenten 25 % ihres Studiums selbst, indem sie sich am bestellten Lehrmaterial beteiligen.

Vor allem Berufstätige nutzen das Angebot der Fernuniversität. Rund 80 Prozent der Studenten qualifizieren sich parallel zu ihrem Job weiter und sind im Durchschnitt 29 Jahre alt. „Weiterbildung wird immer wichtiger: Jeder Zweite beendet sein Berufsleben nicht mehr mit der Tätigkeit, die er einmal gelernt hat“, so Hoyer. Er sieht einen Bedarf von rund 100 000 Studienplätzen an der Hagener Hochschule. Allerdings arbeite man mit 86 Professoren bei rund 2000 Absolventen pro Jahr bereits an der Kapazitätsgrenze. „Es wäre skandalös, wenn Ressourcen und Chancen der Fernuni nicht genutzt würden“, so Hombach. Die Frage künftiger Unterstützung soll auch bei einer Veranstaltung „Wirtschaft trifft Fernuniversität“ am Donnerstag in Düsseldorf zur Sprache kommen.

Die Umstellung der Studienordnungen auf Bachelor- und Master-Abschlüsse hat den Trend zur Fernuniversität offenbar befördert. Die stärkere Strukturierung der Studieninhalte und die Möglichkeit, einen Master-Titel zeitversetzt berufsbegleitend zu erwerben, ließen die Studentenzahlen pro Semester um etwa zehn Prozent steigen, so Hoyer. In Hagen werden keine Studiengebühren erhoben. Es fallen aber bis zu 450 Euro Materialkosten pro Semester an.

Tobias Blasius

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