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Experten mahnen zur Vorsicht bei Studienkrediten

08.06.2012 | 11:42 Uhr
Experten mahnen zur Vorsicht bei Studienkrediten
Ein Studium lohnt sich, auch wenn oft die Hörsäle überfüllt sind. Ob sich hingegen ein Studienkredit lohnt, bedarf einer gründlichen Prüfung. Foto: Bernd Lauter / WAZ FotoPool

Essen.   Schulden für ein Studium, kann sich das lohnen? Wer auf der Suche nach Studienkrediten ist, der wird schnell fündig. Aber die Angebote unterscheiden sich zum Teil erheblich. Experten haben nun die Studienkredite unter die Lupe genommen. Wichtigste Botschaft: Wer den Kredit nicht unbedingt braucht, sollte verzichten.

Schulden für ein Studium, kann sich das lohnen? Wer auf der Suche nach Studienkrediten ist, der wird schnell fündig. Die Angebote unterscheiden sich zum Teil erheblich, da blickt kaum einer durch. Das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) hat die Studienkredite unter die Lupe genommen. Die wichtigste Botschft: Wer den Kredit nicht unbedingt braucht, der sollte darauf verzichten.

Flotte Werbe-Sprüche und smarte Berater können so manchen Studi, in dessen Kasse Ebbe herscht, beeindrucken. Eine Unterschrift, und schon sprudelt der Geldsegen. Auf Pump natürlich, irgendwann muss geliehenes Geld wieder zurückgezahlt werden, zum Teil mit satten Zinsen. Daher der beste Rat gleich vorweg: Ein Studienkredit sollte immer nur dann in Betracht kommen, wenn alle anderen Möglicheiten ohne Rückzahlungsverpflichtung oder mit geringer Rückzahlung ausgeschöpft sind. Das heißt: Jobben, Stipendien, Bafög, Unterstützung durch die Eltern, Rückgriff auf Erspartes, Oma höflich um Hilfe bitten, Briefmarkensammlung verkaufen etc. Auch ein studienfachnaher Nebenjob muss nicht nur eine Belastung sein, sondern kann sogar ein „Plus“ für den Berufseinstieg bedeuten. Also in diesem Fall: lieber jobben als sich verschulden.

Das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE), hinter dem die Bertelsmann-Stiftung steht, gibt folgenden Rat: So wenig Kredit aufnehmen wie möglich, aber immer so viel wie für ein reibungsloses Studium erforderlich. Natürlich kann man auf ein Studium verzichten, wenn einem die Kosten zu hoch erscheinen. Aber das will gut überlegt sein. Denn ein abgeschlossenes Studium, das zeigen viele Studien, ist nach wie vor in den allermeisten Fällen ein Garant für eine gute berufliche Zukunft. Das gilt übrigens auch für die Kultur- und Geisteswissenschaften.

Ganz klar die Nummer 1 bei der Nachfrage: KfW-Studienkredit

Der Markt wird von den staatlichen Kreditangeboten beherrscht. Sage und schreibe 92 Prozent der neu abgeschlossenen Studienkredit-Verträge entfielen im Jahr 2011 auf staatliche Angebote: den KfW-Studienkredit, den Bildungskredit des Bundesverwaltungsamtes und die Studienbeitragsdarlehensangebote in Niedersachsen und Bayern. Nach der Abschaffung der Studiengebühren in NRW und in anderen Ländern sind die Studienbeitragsdarlehensangebote für viele einfach uninteressant geworden.

Sehr attraktiv - wenn man denn einen bekommt – sind die meist zinslosen (!) kurzfristigen Abschlussdarlehen der Studentenwerke. Dafür braucht man in der Regel eine Empfehlung und muss die eigene Bedürftigkeit belegen. Sonstige Anbieter (Banken, lokale Sparkassen, Volksbanken, Bildungsfonds etc. verbuchen nur vier Prozent der Vertragsabschlüsse im vergangenen Jahr. Grund: Fast alle regionalen Angebote wurden in den letzten Jahren eingestellt. „Die meisten lokalen Banken vermitteln nur noch den KfW-Studienkredit“, sagt Ulrich Müller, der Leiter der CHE-Studie. „Dabei zeigen Angebote wie die der Sparkassen Essen, Leipzig oder Herford, dass sinnvoll konzipierte regionale Modelle durchaus auf starke Nachfrage stoßen können.“

Laut Studie ein Riesen-Nachteil: Obwohl insgesamt eine Vielfalt an Angeboten existiert, decken die bestehenden Studienkreditangebote in der Regel nicht den Finanzbedarf von Weiterbildungsstudierenden (Zweitstudium, weiterbildende Master). Ulrich Müller: „Von den meisten Auszahlungssummen lässt sich ein marktüblicher MBA kaum finanzieren. Nahezu alle Banken gehen noch vom Standardbild des Vollzeitstudenten in der 11-Quadratmeter-Bude aus. Was ist mit dem Weiterbildungsstudenten, der neben Beruf und Familie einen MBA anstrebt und dafür hohe Studiengebühren tragen muss oder sogar ein, zwei Jahre aus dem Job aussteigt?“ Eine Ausnahme bilde der Bildungsfonds von CareerConcept. Das Angebot von Festo/CareerConcept für Studierende der Ingenieurwissenschaften oder technikaffiner Studiengänge ermöglicht im Weiterbildungsbereich sogar monatliche Auszahlungen bis 2.500 €.

Studentenwerke helfen und informieren

In vier von fünf Kategorien der Studie konnten die folgenden Angebote Spitzenergebnisse erzielen: Bildungskredit des Bundesverwaltungsamtes, der DKB-Studenten-Bildungsfonds, die Sparkasse Herford mit ihrem Studentenkredit und das Studienabschlussdarlehen der Studentischen Darlehenskasse Berlin.

Die Zinsen unterscheiden sich zum Teil erheblich. So bieten viele Studentenwerke im Rahmen ihrer Studienabschlusshilfe wie gesagt einen Zinssatz von 0 Prozent in der Auszahlungsphase. Der Bildungskredit des Bundesverwaltungsamtes kommt auf zwei Prozent Zinsen in der Auszahlungsphase, das bayerische Staatsministerium bleibt mit seinem Studienbeitragsdarlehen unter drei Prozent Zinssatz. Diverse Sparkassen und banken bieten einen Zinssatz von vier, fünf oder gar sechs Prozent.

Auf jeden Fall sollten Interessierte möglichst viele Angebote und die jeweils tagesaktuellen Konditionen gründlichst prüfen. Die genannten Zinsen beziehen sich auf den Stand Mai 2012. Also nicht nur auf den netten Berater in der Bank nebenan hören! In einem letzten Schritt, so das CHE, sollte man sich von den „im Rennen verbliebenen“ Anbietern ein konkretes verbindliches Angebot erstellen lassen. Die Studentenwerke sind gute Ansprechpartner in Geldfragen. Noch ein Tipp: Keine teuren Extras, zum Beispiel zusätzliche Versicherungen, akzeptieren, wenn sie nicht unbedingt nötig sind.

Matthias Korfmann

Kommentare
10.06.2012
14:01
Experten mahnen zur Vorsicht bei Studienkrediten
von lass_mal_laufen | #1

Was bitte schön haben das Wort Experten und das CHE mit einander gemein? Wie schon im Artikel geschrieben steckt hinter dem CHE die Bertelsmann Stiftung. Und das die Bertrelsmannstiftung nichts anderes als eine riesige Lobbyorganisation ist, sollte mittlerweile jeder wissen. Empfehlungen bzw. "Studien" dieser -meiner Meinung- gesellschaftsfernen Organisation sollten als sehr gefährlich eingestuft werden. Das CHE wie auch die Bertelsmannstiftung sind alles andere als philantrop. In dieser Vereinigung ist das höchste Ziel, eine andere Gesellschaftordnung zu schaffen. Und das wird zwischen den Zeilen diese Artikels -auch, wenn er wohl von der WAZ formuliert wurde- wieder einmal klar!

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