Ein Studium zahlt sich oft finanziell nicht mehr aus
15.08.2012 | 17:55 Uhr 2012-08-15T17:55:00+0200
Essen. Ein Studium zahlt sich im späteren Berufsleben nicht unbedingt aus: Vor allem Geisteswissenschaftler schneiden nach dem Studium schlechter ab als Handwerker, die nach kürzerer Ausbildung im Beruf Fuß gefasst haben. Das muss nicht das Ende der Karriere sein, weiß der Kölner Bildungsforscher Axel Plünnecke vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW).
Abitur und danach an die Uni oder Mittlere Reife und anschließend eine Ausbildung? Nächste Woche startet das neue Schuljahr und tausende Schüler in NRW fragen sich, welchen Weg sie einschlagen sollen, um Karriere zu machen. Das geht auch ohne Abitur, sagt Axel Plünnecke, Bildungsexperte vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW): „Wer in den nächsten Jahren einen vernünftigen Realschulabschluss vorlegt, hat beste Chancen, einen Ausbildungsplatz zu bekommen und anschließend über Zusatz-Qualifikationen aufzusteigen.“
Seine Studie sowie die Ergebnisse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und des Hochschulinformationssystems (HIS) belegen, dass sich das Studium am Ende nicht immer auszahlt.
Insbesondere Geisteswissenschaftler stehen häufig schlechter da als beispielsweise Versicherungskaufleute und Elektrotechniker ohne Abitur. Ein gut ausgebildeter Handwerker verdient mit einem durchschnittlichen Jahresgehalt von 42.000 Euro mehr als das am schlechtesten verdienende Viertel der Akademiker (39.000 Euro).
Akademiker-Quote bleibt bescheiden
Dies steht dem entgegen, was Politiker und Wissenschaftler seit Jahren fordern: mehr Menschen zu einem Hochschulabschluss zu bringen. Das Land brauche mehr Akademiker, um im internationalen Vergleich wettbewerbsfähig zu bleiben, lautet das Credo nicht erst seit der ersten Pisa-Studie.
Viele Schüler werden quasi zu einer akademischen Karriere getrieben. Aktuelle Studien zeigen, dass sich das finanziell nicht notwendigerweise auszahlt. Sollte daher auf ein Studium verzichtet werden? Nein, solange es für die Studienwahl gute Gründe gibt.
Zwar hat sich die Quote der Hochschulabsolventen eines Jahrgangs von 14 (1995) auf aktuell 29 Prozent erhöht. Im Vergleich mit dem Durchschnitt anderer Industrienationen (39 Prozent) liegt Deutschland dennoch weit hinten.
Facharbeiter werden knapp

Ein Studie belegt: Handwerker verdienen oft mehr als Geisteswissenschaftler . Würden Sie Ihren Kindern heute noch zu einem Studium raten?
Diese Schieflage ist für Ulla Burchardt, bildungspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Anlass, einen „nationalen Bildungsrat“ zu fordern: „Wir haben zu viele Zuständigkeiten in Bund und Ländern.“ Wissenschaftler, Politiker, Elternvertreter und Lehrer sollten zusammen eine nationale Strategie für Bildung entwerfen.
Verbänden und Forschern greift die Fokussierung auf die Produktion von Akademikern ohnehin zu kurz. Insbesondere vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels. „In den kommenden Jahren nimmt die Zahl der in Rente gehenden Facharbeiter zu. Hier fehlt schon jetzt der Nachwuchs“, sagt Axel Plünnecke. Allein im Handwerk sind aktuell bundesweit noch 23 000 Ausbildungsstellen unbesetzt.
09:22
@Ronstadt 31,32
Hmmm, das ist schon ungewöhnlich. Duale Ausbildung und Zweifachstudium, dann keine Stelle. Ich kenne Sie nicht, aber evtl. liegt es an Ihrer Selbsteinschätzung.
Die Diskrepanz zwischen dieser und den realen Gegebenheiten scheint meiner Erfahrung nach bei jungen Bewerbern immer größer zu werden. Ich hatte schon Uni-frische sich mit "Hey Leute" vorstellende Dipl.-Ings. vorm Tisch sitzen, die mich sofort geduzt haben, vor Selbstvertrauen strotzten, gleich 60K haben wollten aber sich während des Studiums NULL Minuten mit praktischer Arbeit beschäftigt hatten ... Wir melden uns !
20:13
„M. E. fehlt ein Konzept..., welches aufzeigt, wie jene Arbeitsplätze künftig besetzt werden sollen, die (heute!?) kein Studium erfordern...
Aber parallel läuft auch die Diskussion darüber, ob Erzieher- oder Altenpflegeberufe „akademisiert“ werden sollen.
Wertet man in Bezug auf die heutigen dualen Berufsbilder die Ausbildungsgänge auf, verursacht man „Zurückbleibende“ oder unzufriedene „Akademiker“, da diese auf solchen Stellen sich als Absolventen in Zukunft unter Wert eingesetzt und vermutlich auch bezahlt fühlen.“
Der aktuelle Artikel paßt hierzu:
Daß gefragte Fachkräfte ohne Studium besser bezahlt werden (Hoffentlich ist es so!) als Absolventen in Fächern, die ihnen zwar geistige Leistungen abverlangten, aber nicht praktisch verwertbar sind, halte ich für vertretbar angesichts einer Diskussion, die eine akademische „Aus“bildung als Wert für sich darstellt.
Das Wort Bildung wähle ich in diesem Zusammenhang nicht: Ausbildung und Bildung sind nicht immer deckungsgleich.
18:03
18
Leider kann ich Ihnen nicht zustimmen. Mein Sohn hat nach seiner Lehre im Metallbau und seinen Zivildienst mit 21 seinen Meisterbrief erhalten. Auf Bewerbungen kamen nur Absagen, obwohl er s ich auch als Facharbeiter beworben hatte. Später beim Arbeitsamt erhielt er Vermittlungsvorschläge als Helfer in Abbruchfirmen. Bekam Termine für das Bewerbungstraining und Unterlagen über die Arbeiten im Metallberuf !!!!!!! Nun studiert er Maschinenbau . Eigentlich müsste er ja gute Chancen haben wenn das Studium fertig ist. Aber wenn ich schon das Wort Facharbeitermangel höre, krieg ich die Krise. Warum bekommen unsere Jugendlichen keine Chance? Warum gibt sich kein Arbeitgeber die Mühe den Menschen mal kennenzulernen? Warum wird kein Fleiss belohnt? Warum schaut man nicht auf handwerkliches Geschick? Abgesehen von den Kosten der Meisterschule und des Studiums, was soll man noch investieren, um einen festen Job zu bekommen?
17:01
ich habe gern studiert und möchte das nicht missen. Wer nur den finanziellen Nutzen aufrechnet, studiert auch nicht brauchbar, sondern macht nur Scheine. Solche Asis nehmen interessierten Studis die Plätze weg.
16:30
Das ist typisch Deutsches Schubkasten denken - ich wähle ein Beruf doch nicht wegen des Geldes , sondern wegen der Leidenschaft , alles andere wäre ja dumm
15:29
Meine ganze Situation und die vieler anderer hat Joachim Karpa im 2012-08-16 IKZ-Leitartikel „Akademiker im Abseits: Lernen lohnt sich nicht mehr“ auf den Punkt gebracht: „Es lohnt sich nicht, fleißig und gebildet zu sein. Warum? Finanziell zahlt es sich nicht aus. […] Immer mehr junge Uni-Absolventen, vom Juristen bis zum Sozialpädagogen, hängen in der Warteschleife, stellen ihr Wissen und ihre Arbeitskraft in Praktika nahezu kostenlos zur Verfügung. Befristete Arbeitsverträge sorgen für berufliche und private Unsicherheit. Und Demütigungen bei den Arbeitsagenturen sollten nicht unerwähnt bleiben. Junge Frauen und Männer kommen mit hochwertigen Bildungsabschlüssen auf den Arbeitsmarkt, werden aber als überqualifiziert ins Abseits gestellt.“ Das ist die bittere Wahrheit für junge Akademiker, die arbeiten wollen, aber keine Gelegenheit dazu bekommen.
15:17
Warum kriege ich keinen Job trotz dualer Ausbildung und Zweifachstudium nach über 150 Bewerbungen? Eine definitive Antwort habe ich nicht. Arbeitgeber sind nicht verpflichtet den Absagegrund mitzuteilen. Telefonisches Nachfragen bei den beworbenen Firmen ergibt nur die Standardantwort d.h. die Ausrede, dass aufgrund der Vielzahl eingegangenen Bewerbungen eine Vorauswahl getroffen werde musste.
Warum kriege ich keinen Job? Meine Vermutung: Überqualifizierte Unerfahrenheit. Mit diesem Begriff meine ich folgendes: Für einfache Tätigkeiten bin ich überqualifiziert, für höherwertige Tätigkeiten fehlt mir die Berufserfahrung. Beispiel: Als Sachbearbeiter Finanzbuchhaltung bin aufgrund meines Bachelor BWL-Studiums überqualifiziert, als Bilanzbuchhalter fehlt mir die mehrjährige Berufserfahrung.
Eine ausführliche Darstellung zum Thema findet sich im Mendener.net-Blogeintrag „Überqualifizierte Unerfahrenheit“ unter: http://www.mendener.net/2012/07/31/uberqualifizierte-unerfahrenheit/
Als jemand, der selbst viele Absagen verschickt: Die aktuelle Rechtssprechung erlaubt es faktisch nicht, dem Bewerber die Gründe ehrlich zu sagen. Er könnte sie dann nämlich per Gerichtsurteil nachträglich widerlegen wollen, was kein Arbeitgeber will.
wenn man die Gründe widerlegen kann, ist deine Absage unbegründet. Schonmal drüber nachgedacht? Achnee, Personaler denken ja nicht...
muss ich bazonk1000 Recht geben!
Wenn sich auf eine Stelle 50 Bewerber melden muss man notgedrungen 49 Menschen absagen.
Wieviele Leute sich mit dieser Absage nicht zufrieden geben und dann womöglich klagen, kann man in diesem Stadium unmöglich einschätzen.
Erschwerend kommt hinzu, dass es sich bei der Bewertung eines Bewerbers auch oft um subjektive Einschätzungen handelt. Eine Note in Mathe kann man vergleichen, aber bewerten Sie mal objektiv die soziale Kompetenz eines Menschen oder das Konfliktpotential mit zukünftigen Kollegen.
Da wird man unausweichlich vom ersten Eindruck beeinflusst.
Manchmal ist die Stelle vielleicht auch vergeben, bevor der Stapel mit "R" dran ist.
Um Ärger zu vermeiden wird die Entscheidung in keinem Fall begründet!
Ein gesetzlicher Zwang zur Begründung würde zwangsweise dazu führen die Bewerber anzulügen oder bspw. Bewerbungsdienstleister (Headhunter) stärken.
Die aktuelle Gesetzgebung schützt somit Bewerber nicht, sondern benachteiligt sie.
Weil die Unternehmen einen anderen Bewerber besser fanden... Punkt.
Ob ein anderer nun besser oder schlechter qualifiziert ist kannst Du eh nicht beurteilen und das UNternehmen auch nciht nach 2 Stunden Vorstellungsgespräch. Dennoch scheinen andere einen besseren Eindruck zu hinterlassen. Solange die Gehaltsfoderungen nicht total überzogen sind, sind seriöse Unternehmen auch bereit etwas tiefer in die Tasche zu greifen, um ihren Wunschkandidaten zu bekommen.
15:14
Das Einzige, was wir den Chinesen noch voraus hatten war die Freiheit und die Fähigkeit autonome, selbstdenkende Menschen zu erziehen. Das wurde verspielt.
15:13
Das DIW jammerte jüngst noch über zuwenige Ingenieure. Nun also Werbung für auf den Punkt ausgebildeter Facharbeiter und Meister. Immer wie`s passt.
Was spicht gegen einen Facharbeiter mit Abitur? Entlarvend wird hier "Bildung und Ausbildung" nur noch unter Kapitalverwertungs- und Amortisationszielen gesehen.
Es ist wahrscheinlich hoffnungslos altmodisch von einer Gesellschaft umfassend gebildeter - und arbeitender - Menschen zu träumen.
14:55
Ein Handwerker mit 42.000€ Brutto/jahr bzw. 3.500€ Brutto/Monat hat dann aber auch schon Meister Status und der will auch bezahlt werden.
Ich kenne keinen Gesellen, der so viel verdient!