Ein spritziger Nebenjob
28.08.2008 | 09:31 Uhr 2008-08-28T09:31:00+0200Duisburg. Björn Ochs verdient seinen Lebensunterhalt als Rafting-Guide. Auf der Erft ist das aber nur die weichgespülte Variante der Wildwasser-Fahrten. Als Politikwissenschaftler kann er die Menschenkenntnis gebrauchen.
Rund 68 Prozent aller Studenten an den Ruhr-Unis müssen neben den Vorlesungen und Seminaren arbeiten. So steht es in der 18. Sozialerhebung der Studentenwerke. Studiengebühren wollen bezahlt, Hobbys finanziert werden. Björn Ochs hat wohl den mit Abstand spritzigsten Nebenjob ergattert. Der 27-Jährige verdient seine Brötchen als Rafting-Guide. Woche für Woche stürzt er sich mit einem Helm, Weste, Schlauchboot und bis zu zehn Wagemütigen die Erft hinunter und paddelt anschließend über den Rhein. "Naja, das ist eher die softe Variante, man kann den Actionfaktor nicht mit einer Tour in der Eifel vergleichen", beschreibt er die Wildwasser-Fahrten. Fest steht: Der Duisburger bereitet anderen eine vergnügliche Freizeit - und jongliert dafür zwischen zwei Jobs, der Uni und seinen eigenen Feierabendbeschäftigungen hin und her.
"Ich bin gerne draußen, dort kann ich mich am besten entspannen", sagt der Skater und Mountainbike-Fahrer. Seit dieser Saison ist er fast jedes Wochenende unterwegs, führt mit Managern moderne Schnitzeljagden durch, klettert oder lässt ganze Junggesellenabschiede baden gehen. Mit Schulungen und praktischen Seminaren wurde der Outdoor-Guide auf seinen Job vorbereitet. Mit politischen Theorien und Verwaltungswissenschaften, die ihn bei seinem Hauptberuf "Student" beschäftigen, hat das zugegebenermaßen wenig zu tun. Und auch bei seiner zweiten Nebenbeschäftigung als Studentische Hilfskraft geht's weitaus ruhiger zu. Andererseits lernt er, sich immer wieder auf neue Menschen einzustellen. Und manchmal macht es ihm sogar Spaß, hochrangige Manager durch den Wald zu scheuchen. "Wenn die mal einen Tag ohne Handy auskommen müssen, finden die das sogar gut."
Björn Ochs' Interesse für Politik wurde beim G8-Gipfel in Genua geweckt, außerdem hat er vor der Uni eine Ausbildung bei der Stadtverwaltung in seiner Heimat Karlsruhe gemacht. "Aber danach wusste ich, dass da auf jeden Fall mehr kommen muss. Duisburg hatte einfach das beste Angebot und die Stadt finde ich spannend", erklärt er, warum er sich gegen Heidelberg und andere Uni-Standorte entschieden hat.
Was er nach seinem Studium machen möchte, weiß der angehende Politikwissenschaftler noch nicht so genau. Vielleicht wird er im Ausland als Rafting-Guide arbeiten und noch ein bisschen reisen. Oder etwas im Bereich Journalismus machen. Björn Ochs folgt seinem Leitspruch, den er sich auf den Innenarm tätowiert hat: "Die Zeiten ändern sich und wir ändern uns in ihnen."
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