Die Wiedergeburt der ZVS
11.08.2008 | 15:43 Uhr 2008-08-11T15:43:00+0200Düsseldorf. An den Unis herrscht Chaos bei der Vergabe von Studienplätzen. Deshalb stellt die Landesregierung die Weichen für eine umfangreiche Reform der Behörde. Sie wird in eine „Servicestelle” umgewandelt und soll bei der Koordination helfen.
Was ist die Dortmunder Zentralstelle für die bundesweite Vergabe von Studienplätzen (ZVS) noch vor wenigen Jahren von Politikern und Wissenschaftlern abgemeiert worden: Sie wurde beschimpft als „Relikt aus der Planwirtschaft”. Am Ende durfte sie noch wenige Numerus-Clausus-Fächer betreuen, wie etwa Biologie, Pharmazie oder Medizin.
Doch die ZVS erlebt jetzt eine erstaunliche Wiederauferstehung: Die schwarz-gelbe Landesregierung wird am Dienstag im Kabinett ein Eckpunkte-Papier von Hochschulminister Andreas Pinkwart (FDP) verabschieden, dass die Weichen für eine umfangreiche, mit allen Ländern abgesprochene Reform der ZVS stellt – und die Behörde mit ihren derzeit 120 Beschäftigten als neuartige Stiftung in eine „Servicestelle” umwandelt. Sie soll ab Herbst 2009 auch alle örtlich beschränkten Fächer in Deutschland als Vermittlerin zwischen Universitäten und Studienanfängern betreuen und den Studenten zudem als „nationales Bildungsportal” für Studienberatung dienen.
„Die hohe Zahl an Bewerbern auf die örtlichen NC-Fächer sind von den Hochschulen nur schwierig zu handhaben”, begründet Pinkwart die Reform. Tatsächlich stöhnen die Hochschulen Jahr für Jahr über ein wachsendes Bewerberchaos – seit 2003 dürfen die Hochschulen in Deutschland, wie lange von ihnen gewünscht, 60 Prozent ihrer Studenten selbst aussuchen. Um ganz sicher einen Studienplatz zu ergattern, bewerben sich Abiturienten an vielen Studienorten zugleich – jede Uni hat eigene Aufnahmekriterien, eigene Bewerbungsfristen, so dass niemand so recht weiß, ob, wann und wo er sein Studienfach sicher hat.
So kämpft allein die Uni Bonn derzeit mit 20 000 Bewerbern auf 2500 Studienplätzen. An der Uni Bochum bewarb sich ein Abiturient auf sämtliche Fächer. Obwohl Universitäten wie Fluggesellschaften „überbuchen” und mehr Zulassungen versenden als Studienplätze zu vergeben sind, bleiben am Ende Plätze frei, weil so viele Studenten sich doch für eine andere Uni entschieden haben. Die Uni entscheidet
Die „neue ZVS” soll diesen Missstand beseitigen. Pinkwart hofft, dass dann künftig Studenten wie Hochschulen spätestens bis Mitte September wissen, an welcher Uni wie viele Studenten in welchen Fach anfangen – so wie früher. Allerdings soll die „neue ZVS” keine Studienplätze direkt zuweisen, sondern eine Vermittlungsrolle erfüllen.
Dabei werden die Aufnahmekriterien jede Hochschule strikt beachtet. Pinkwart hofft, dass bei jedem lokalen Numerus-Clausus-Fach alle Hochschulen in Deutschland teilnehmen, damit die „neue ZVS” effizient ihre Rolle wahrnehmen kann.
Doch die Entscheidung liegt bei jeder Uni selbst – eine Verpflichtung lehnten die Länder ab. Die angestrebte ZVS-Reform hat sich schon mehrfach verzögert, jetzt soll es aber ab 2009 klappen.
> Diskussion: Sollte die ZVS wiederbelebt werden?
08:39
Wiso? Ob das erträumte Fachgebiet passt, kann doch die Hochschule durch geeignete Prüfungen in den ersten zwei Semestern herausfinden. Das dauert ein Jahr und somit auch nicht länger als die Vorbereitung auf einen Hochschul-Zulassungstest. Nur wenige Studiengänge sind überlaufen. Und für die gibt es schon seit Jahrzehnten zentrale Zulassungstests (z.B. Medizin) der ZVS. Wenn man das jetzt wieder einführt, hat man die alte ZVS. Dafür braucht man weder einen neuen Namen (Servicestelle) noch den Pinky.
17:26
Ein Abitur noch dazu das Turboabi kann niemals Aussagen über fachspezifische Eignungen treffen.
Von daher macht es Sinn für beide Seiten, das durch entsprechende Test im Vorfeld geprüft wird ob das erträumte Fachgebiet passt.
Die Oberstufen sollte sich wieder darauf konzentrieren Grundlagen wissenschaftlichen Denkens zu lehren und Verständnis für Bereiche abseits des eigenen Traumfachs zu schulen.
12:05
PInky will das federführend machen? Der doch nicht. Der hat die ganze Misere doch zu verantworten. So wird wieder der Bock zum Gärtner gemacht. Servicestelle? Da kommt nichts raus. Das steht jetzt schon fest. Das Abitur als allgemeine Hochschulreife muss seinen Stellenwert behalten. Das sichert dann nämlich in den Schulen die Qualität. Irgendwelche Testsysteme, ob von ZVS oder privaten Zertifizierern, die auf das Abitur draufgesattelt werden, sind doch nur doppelter Aufwand. Das ist das Gegenteil von Effizienz und es benachteiligt diejenigen, die sich das Coaching dafür nicht leisten können.
10:55
Das beste Bildungssystem dürfte dasjenige sein, in dem die Eltern als erste ihren Kindern Sozialverhalten beibringen und ihre Fähigkeiten zu lernen entwickeln. Wenn dann noch das unselige dreigliedrige Schulsystem, das auf altem Ständerecht beruht, abgeschafft würde, hätten auch die in Deutschland lebenden Kinder allerbeste Entwicklungschancen.
10:06
vantast, hättest du den Bericht gelesen wäre dir aufgefallen, das jede Uni entscheiden kann, ob sie sich der ZVS anschließt oder nicht. So bleibt der Wettbewerbsgedanke erhalten, aber die für beide Seiten kostenintensiven Auswahlverfahren können reduziert und koordiniert werden.
Da steckt viel Musik drin. Beispielsweise statt einer Auswahl nach zufälligen Schulnoten, können bei so einer Bündelung fachspezifische Prüfungen entwickelt werden. Denn was nützt dem zukünftigen Medizinstudenten der Einser Schnitt, wenn seine motorischen Fähigkeiten unzureichend entwickelt sind.
07:28
Ich lese immer „Servicestelle” das hat im unserm Lande noch nie funktioniert, siehe ARG
17:42
Schade, daß doch wieder Planwirtschaft eingeführt wird, dabei haben wir doch im Osten gesehen, wohin es führt, wenn zuviel geplant wird. Insofern ist es auch gut, daß jedes Bundesland für die eigenen Schulen und Hochschulen zuständig ist. Durch diesen Wettbewerb der Bildungsanstalten entsteht automatisch beste Qualität, wie wir z.B. bei PISA gesehen haben. Und bei den Hochschulen ist es ähnlich.