Das Studium als Hürdenlauf
04.05.2009 | 07:20 Uhr 2009-05-04T07:20:00+0200Hagen. Seit der Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge werden Studenten nicht selten nach dem Bachelorabschluss ausgebremst, weil dann neue Zulassungsbeschränkungen kommen. Auch angehende Lehrer könnten davon bald betroffen sein. Für die Gewerkschaft GEW ist das ein Unding.
Um möglichst gute Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt zu haben, sind junge Menschen wohl beraten, eine bestmögliche Ausbildung anzustreben. Doch seit der Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge werden Studenten nicht selten nach dem Bachelorabschluss ausgebremst. Das könnte bald auch die Lehramtsstudierenden treffen.
In Fächern wie Medizin oder Psychologie kennt man den Numerus Clausus, die Zulassungsbeschränkung, um überhaupt das Studium beginnen zu können. Doch viele Universitäten schalten seit der Neuordnung zwischen Bachelorabschluss und Masterstudiengang ebenfalls eine Einschreibungsvoraussetzung. Das kann ein Notenschlüssel oder auch ein Eignungstest sein, oder beides. Im Sommer nun könnte nach Angaben des nordrhein-westfälischen Wissenschaftsministeriums auch die Umstellung des Lehramtsstudiums auf das Bachelor- und Mastersystem beschlossen und ab 2011 umgesetzt werden. Damit könnten dann auch die Lehramtsstudenten vor Einschreibehürden zum Master stehen.
Beschränkungen generell möglich
Generell seien die Hochschulen dazu berechtigt, solche Beschränkungen zu setzen, wie Ralf-Michael Weimar vom Wissenschaftsministerium sagt. „Der Bachelorabschluss ist ein erster berufsqualifizierender Abschluss”, der Master hingegen ein eigener Studiengang, der einen qualifizierten Bachelorabschluss erfordert. Im Wintersemster 07/08 waren nach Angaben des Ministeriums von den 462 784 Studierenden an den 61 Hochschulen in NRW 138 795 in Bachelor- und 15 103 in Master-Studiengängen eingeschrieben. Wieviele Studenten an Einschreibehürden scheitern, erfasst die Statistik nicht.
Doch klar ist: „Einen Automatismus gibt es nicht”, wie Ullrich Georgi von der Universität Siegen sagt. Dort waren zum Wintersemester 08/09 exakt 12 077 Sudenten eingeschrieben, 34 Prozent davon in einem Bachelor- und 6 Prozent in einem Masterstudiengang. Derzeit müssen Studierende dort nur im Fach Informatik eine Note von 2,5 oder besser erreichen, um zu einem Masterstudiengang zugelassen zu werden. In individuellen Beratungsgesprächen werden jedoch die Einzelfälle geprüft.
Auch an der Universität Duisburg-Essen werden im Anschluss an viele der rund 50 Bachelorstudiengänge Einschreibungsvoraussetzungen gesetzt. Nach Angaben der Hochschule beträgt die Übergangsquote zum Master dort seit dem ersten Bachelor-Absolventen im Jahr 2001 44,6 Prozent.
„Der Bachelor ist ein erster qualifizierender Abschluss.” Ralf-Michael Weimar
An der Universität Paderborn sagt Bastian Filaretow, Dezernent für Studien- und Prüfungsangelegenheiten und Qualitätsmanagement, zu den Einschreibungsvorausstzungen für den Master, es gehe nicht darum, Studenten „herauszubekommen, sondern darum Qualität zu erhalten.” Im vergangenen Jahr waren an der Universität rund 5000 Studenten in Bachelor- und rund 800 in Masterstudiengängen eingeschrieben.
Der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sind die Einschreibungsvoraussetzungen zum Master ein Dorn im Augen. „Weder Quote noch Note dürfen die Zulassung zum Masterstudium beschränken”, sagt Sprecher Berthold Paschert. Die Umstellung der geplanten Lehrerausbildung begrüßt die GEW allerdings, denn damit würden alle Lehramtsstudiengänge gleichwertig aufgebaut.
Modellprojekt an der TU Dortmund
Glücklich können sich derweil die Lehramtsstudenten an der TU Dortmund schätzen: Dort läuft seit dem Wintersemester 05/06 ein Modellprojekt, bei dem der Studiengang bereits auf das Bachelor- und Mastersystem umgestellt worden ist. „Die Universität stellt sicher, dass alle Studenten mit einem Bachelorabschluss den Master anschließen können”, sagt Andreas Stich, Dezernent für Hochschulplanung und Controlling. Ob das aber so bleiben wird, sei offen, so Stich weiter. In anderen Studienfächern gibt es auch an der TU Einschreibungsvoraussetzungen in Form von Noten zwischen 2,3 und 2,5.
Die Universitäten Duisburg-Essen und Paderborn werden ihre Lehrerausbildung voraussichtlich ab 2011 umstellen. Ob es dann Einschreibungsvoraussetzungen für den Master geben wird, ist noch nicht entschieden.
05:07
der 1/2 Auszubildende und der 3/4 Meister,
wie lange soll das Experiment noch gehen?
08:56
In Frankreich streiken die Studierenden seid 3 Monaten gemeinsam gegen solche Zustände ; was uns die Presse hier leider weitgehend vorendhält . lest mal dies:
/www.heise.de/tp/r4/artikel/30/30218/1.html
dann wisst ihr mehr
08:21
Meine Güte, dann haben wir bald also noch mehr Schmalspurlehrer.
03:30
Während meines Studiums habe ich die Änderung mitbekommen. Einerseits hat mich der Bachelor aufgefangen, andererseits ist es absolut irre, was da durch Hochschulrahmengesetz und das Rumgehampel der jeweiligen Landesbildungsminister vorgegeben wurde. Unterm Strich: Diplom innerhalb der Bachelor-Studienzeit, der Master verbaut (an der FH Bochum seinerzeit 2,0 plus persönliche Bewerbung).
Die Angleichung in dieser Form ist der Irrsinn schlechthin. Ich wäre lieber an dem Abschluss gescheitert, als dass ich den Studenten der Zukunft diesen Schwachsinn gönne. Die Gleichgültigkeit der Dozenten (Professoren = Beamte = Gleichgültige), die Unfähigkeit/Unkenntnis der Verwaltungsaffen (Angestellte = Quasibeamte = s.o.) und das Rumgehampel der Regierung (alles Leute, die ohne Studiengebühren, ohne Abschlusswechsel, etc.) sorgen dafür, dass jeder Student heutzutage eine Arbeitsbelastung hat, die jeden Arbeitsbestimmungen spottet.
Ein Beispiel: Aufgrund eines negativen BaFög-Bescheids gezwungen, zu arbeiten, hatte ich 22 Stunden/Woche Uni; 20 h / Woche arbeiten. Nicht enthalten sind die Zeiten für Vorbereitung und Nachsorge der Vorlesung (yep, soll es geben bei Studenten) sowie die Bearbeitung von Hausarbeiten sowei Vorträgen.
Vorsichtig geschätzt also 50 Stunden die Woche. Der erste, der getz kommt mit Lehrjahre sind keine Herrenjahre, gehört die Zunge an den Gaumen genagelt. Früher waren Studiengänge nur den Besserverdienenden möglich, und auf dieser Spur sind wir heute noch.
Die Argumentation der Politik, dass solche Systeme in der EU üblich sind, zeigt nur, dass Politiker in diesem Fall genau so unfähig sind wie im Falle der PISA-Studie. Ok, studieren in GB ist teurer als in der BRD - aber es gibt dort auch weitaus mehr Stipendien, o.ä.
Mein Studium, dass ich zuletzt nur mit Studienkredit (dank der Studiengebühren) bewältigen konnte, ist das Papier des Zeugnisses nicht wert.
Ach ja - die Studiengebühren an der FH Bochum wurden zunächst für ein neues Corporate Design (die heißt getz BO und ist rot und nicht mehr blau) verheizt, danach für ein neues Foyer und eine neue Cafete. Zuletzt für mehr Tutorien, Bücher und PCs.
Den neuen Studenten wünsche ich alles Glück und ein dickes Fell!
20:29
Für Physiker kein Problem ;)
20:27
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15:14
#4
...damit der Kreis derer, die Studieren können noch weiter eingeschränkt werden kann.
Wozu denkst du sind Studiengebühren, Nummerus Clausus (NC) etc. da?
Um mehr Leute zum Studieren zu ermuntern?
Ganz abgesehen davon liegt das Kernproblem darin, dass das Studium unter oben genannten Bedingungen für manchen kaum mehr zu bewältigen ist und zwar unabhängig von Begabung, IQ oder Vorabqualifikation.
Auch ein Studententag hat nur 24 Stunden
14:00
Warum braucht man eigentlich für ein BA-Studium an einer Uni (dieser Abschluss wird ja gerne öffentlich als Äquivalent zum früheren FH-Diplom dargestellt) ein reguläres Abitur? Warum reicht dafür nicht die FH-Zugangsberechtigung?
12:41
Dumm nur, dass durch den Zeitdruck, der in den neuen Bachelor-Studiengängen jetzt aufgebaut wurde, die Ausübung eines Nebenjobs immer schwieriger wird.
Eine weitere Zugangshürde für Kinder aus normal- und geringverdienenden Familien! Ein Schelm wer böses dabei denkt (oder es wagt Politiker an ihren eigenen Aussagen wie Bildung ist unser höchstes Gut zu messen!)
11:48
Sehr aufschlussreicher Beitrag vom ZDF:
Deutschlands ineffizientes Bildungssystem:
Selbstständigkeit unerwünscht
http://www.youtube.com/watch?v=Wut63I-6IZo&feature=channel_page
ANSCHAUEN LOHNT SICH
Anmerkung: Studieren in Deutschland für die große Masse, also weder Hartz 4 noch Vorstandssohn:
1 - 2 Nebenjobs, Studiengebühren, Zweitwohnung, fehlende Übergangsregelungen Bachelor - Diplom, 7 - 10 Prüfungen pro Semester, neoliberale Profs etc pp, mind. 30% Prüfungsdurchfallsquote gewollt, nachlesen!!
Die Eltern verdienen zuviel um Bafög zu bekommen aber zu wenig um Ihren Kindern ein Studium zu finanzieren!
Soviel ist vom humboldschen Bildungsideal übrig geblieben..... sehr traurig, dass viele diese Fehlentwicklungen gar nicht mehr wahrnehmen oder nach merkelscher Logik interpretieren so nach dem Motto Nutzen Sie die Studiengebühren als Chance