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Aus der Not geboren: Neue Profs über Gebühren

27.11.2008 | 10:32 Uhr

Essen. Universitäten diskutieren den Appell von NRW-Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP), dem Beispiel der Kölner Hochschule zu folgen. Diese will 50 neue Professoren berufen und mit Studiengebühren finanzieren. Eine aus der Not geborene und auch umstrittene Idee.

Neue Professoren mit Studiengebühren bezahlen? Für viele Studenten bedeutet die Antwort auf diese Frage eine Wahl zwischen Pest und Cholera. Einerseits lehnen sie Studiengebühren mehrheitlich ab und finden die Vorstellung schwer erträglich, dass ihr Geld in den Lohntüten der Professoren landet. Andererseits leiden sie unter dem in NRW besonders schlechten Verhältnis von Hochschullehrern zu Studenten. Da sind zusätzliche Professoren willkommen.

Die Universität Köln will in den kommenden Jahren 50 neue Professoren berufen und diese lebenslang mit Studiengebühren finanzieren. Diese Idee ist auch aus der Not geboren: „Wir haben ein unglaublich schlechtes Betreuungsverhältnis”, sagt Uni-Sprecher Patrick Honecker der WAZ. In manchen Fächern, etwa in der Medizin oder den Sozialwissenschaften, müssten sich 180 Studenten einen Professor teilen. Das vom Wissenschaftsrat angemahnte Verhältnis liegt bei 1 : 60. „Die Uni München hat bei etwa gleicher Studentenzahl 200 Professoren mehr”, so Honecker. Da sei eine Aufstockung der Stellen auch eine Frage der Konkurrenzfähigkeit. Rund 25 Millionen Euro kassiert die Kölner Uni von ihren Studenten pro Jahr. Für die 50 geplanten Stellen werde mit zehn Millionen Euro kalkuliert.

„Von der Sache her falsch”

Da Studienbeiträge keine Landesmittel sind und rechtlich als sogenannte Drittmittel gewertet werden, müssen die Hochschulen für die neuen Stellen keine zusätzlichen Studierenden aufnehmen. Das heißt: Die Professorenstellen verbessern direkt das Betreuungsverhältnis. Bislang haben die Hochschulen aus den Studiengebühren meist nur befristete Dozenten im Mittelbau, Tutoren, Bücher und technische Ausrüstung bezahlt. Kritiker bemängeln seit längerem, dass irgendwann jeder Hörsaal mit einem Beamer ausgestattet sei, Professoren aber weiterhin fehlen würden.

Andere Universitäten des Landes sind in einer ähnlichen Lage wie die Kölner. Der Appell von Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP), dem Kölner Beispiel doch bitte zu folgen, findet daher immer stärker Gehör. So will die Uni Bonn sieben neue Professoren berufen, die Fachhochschule Bielefeld plant vier neue Stellen. Im Ruhrgebiet ist man noch nicht soweit, aber: „Auch bei uns gibt es Überlegungen, neue Professorenstellen aus Studienbeiträgen zu finanzieren”, sagt Josef König, Sprecher der Ruhr-Universität Bochum. Ähnlich ist die Lage an der Uni Duisburg-Essen: „Wir haben das vor”, sagt Sprecherin Beate Kostka, allerdings in weit geringerem Umfang als in Köln. Konkrete Planungen gebe es bisher aber noch nicht.

Nicht nur unter Studenten ist die Praxis umstritten. Die Finanzierung von Lehre und Forschung müsse Staatsaufgabe bleiben, meinen SPD und Grüne. „Dafür Studiengebühren zu verwenden, ist von der Sache her falsch”, sagt Marc-Jan Eumann, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Fraktion im Landtag.

„Eine öffentliche Aufgabe”

Eumann warnte die Hochschulen davor, langfristig mit Studiengebühren zu rechnen – siehe Hessen. Bei einem Sieg der Opposition bei den Landtagswahlen 2010 würden die Gebühren wieder abgeschafft. Eumann: „Die Hochschulen sind gut beraten, die Gebühren nicht auf ewig einzupreisen.”

Ähnlich sieht es Kai Gehring, Hochschulexperte der Grünen: „Wir brauchen mehr Studienplätze und Professoren. Dies muss aber eine öffentliche Aufgabe sein.” Der Staat dürfe sich nicht aus der finanziellen Verantwortung für die Hochschulbildung stehlen und dafür Studenten und Eltern zur Kasse bitten.

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Christopher Onkelbach

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Kommentare
25.11.2008
01:45
Aus der Not geboren: Neue Profs über Gebühren
von Nils | #7

In Siegen werden die Studiengebühren im Fachbereich Chemie u.a. zu diesen drei Zwecken genutzt:
1. Kostenlose Kopien.
2. Brauereibesichtigung für lau.
3. Einen Tag auf der Kartbahn für lau.

Man glaubt es nicht, aber es ist in der Tat so. Aber der Begriff den Studenten zu Gute kommen ist ja sehr dehnbar.

24.11.2008
15:05
Aus der Not geboren: Neue Profs über Gebühren
von anhalter81 | #6

Und mal wieder ist zu lesen das die Universitäten und FH zu viel Geld von den Studierenden bekommen...naja, hauptsache erstmal die Kohle einsacken und bloß nicht senken!!!! Totaler Unsinn was hier mit den Studierenden gemacht wird

24.11.2008
13:39
Aus der Not geboren: Neue Profs über Gebühren
von hajori | #5

Alle Politiker werden nicht müde uns immer wieder zu erklären, daß eine gute Ausbildung unser größtes kapital ist!
Darin sollte investiert werden!
Nur wenn es darauf ankommt, ist zwar Geld für marode Banken, kaputte Automobilbauer, gescheiterte Zocker (H. Merkle mit seinem Milliardenverlust) da, für die Bildung nicht!
Dafür sollen die Studenten bitte schön mal selbst bezahlen! Und dann Ihr Studium schnell durchziehen, damit sie als dann gut verdienende Steuerzahler den Lebensstandart unserer Politiker und Wirtschaftsführer sichern helfen!

24.11.2008
13:34
Aus der Not geboren: Neue Profs über Gebühren
von IQgleichDurchschnitt | #4

Wozu werden deise gebühren überhaupt erhoben, wenn keine Uni weiß, was sie damit machen soll ?

Pro Abschaffung dieser Elite-fördernden Regelung !!!

24.11.2008
13:29
Aus der Not geboren: Neue Profs über Gebühren
von giovannibabibi | #3

Kostenpflichtige Ausbildung, Studiengebühren sind ein Armutszeugnis, eine Bankrotterklärung für dieses von der Politik herruntergewirtschaftete Gemeinwesen.
Hauptsache, die Parteisulche haben ihre Einkünfte und Versorgung unter Dach und Fach.

23.11.2008
22:02
Aus der Not geboren: Neue Profs über Gebühren
von trpqü | #2

KAISERS ZEITEN KOMMEN WIEDER

Jetzt fehlen noch Lehrgeld und Schulgeld! Und nur noch befristete Verträge für Lehrer.
Natürlich, um auch dort die Qualität zu verbessern...

Und dann gehts ab in die Kaiserzeit.
Echt krank.

23.11.2008
20:38
Aus der Not geboren: Neue Profs über Gebühren
von hetam | #1

Das Modell ist nicht gut konzipiert. Im Grunde müßten alle diese Professoren befristete Verträge erhalten, da man nicht weiß, wie hoch die Einnahmen aus Studiengebühren im nächsten Semester sind. Die Besten werden sich dann sofort weiter auf feste Professorenstellen bewerben.

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