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Auf den Spuren eines Moleküls

29.12.2008 | 20:04 Uhr

Essen. Zusammenarbeit von Wissenschaftlern des Uniklinikums und der Berliner Charite zeigt großen Erfolg. Durchbruch bei der Erforschung von Lungenerkrankungen.

Die "chronisch obstruktive Lungenerkrankung" - kurz COPD genannt - zählt zu den Volkskrankheiten. "Allein in Essen sind rund 60 000 Menschen betroffen", erklärt Dr. Bernhard B. Singer, Laborleiter am Institut für Anatomie im Uniklinikum. Dem Wissenschaftler und seinem Team ist in zusammen mit Experten der Berliner Charite jetzt ein Durchbruch bei der Erforschung dieser lebensgefährlichen Erkrankung gelungen.

Die COPD ist eine Systemerkrankung, die nicht nur die Lunge betrifft, sondern Auswirkungen auf den gesamten Körper hat. Hauptursache ist meist das Rauchen. Betroffene leiden infolge verengter Bronchien vor allem unter Atemnot und Hustenanfällen. Nach einer Prognose der WHO wird COPD im Jahr 2020 weltweit die dritthäufigste Todesursache sein. Anlass genug für das interdisziplinäre Team um Grundlagenforscher Dr. Bernhard Singer und der Medizinerin Dr. Hortense Slevogt von der Berliner Charite den Ursachen der Erkrankung nachzuspüren.

Schlüsselrollen spielen dabei "CEACAM" - ein signalweiterleitendes Molekül, dass die zellulären Funktionen reguliert - und die sogenannten Moraxellen. "Moraxellen sind Bakterien, die etwa 80 Prozent der Menschen in sich tragen, ohne das es gesundheitliche Folgen hat", so Singer. "Belasten aber Rauchen oder Feinstaub sowie Stress den Organismus, so kann es zu einer chronischen Entzündung kommen, die das Lungengewebe zerstört."

Die Forschungsergebnisse zeigen, dass es dazu kommt, weil das Molekül CEACAM den natürlichen Abwehrmechanismus des Körpers lahm legt. Es dockt an das Bakterium an und hindert so bestimmte Rezeptoren, dieses als Feind zu erkennen und zu bekämpfen. "Ein intaktes Immunsystem wird mit solchen Fehlprozessen fertig", so Singer. "Ist es aber durch äußere Faktoren wie Rauchen und Stress geschwächt, laufen die zellulären Prozesse aus dem Ruder."

Das Forscherteam sucht nun nach Möglichkeiten, die Ankopplung von CEACAM an das Bakterium zu verhindern. Langfristiges Ziel ist eine gezielte und lokale Medikation zu entwickeln, um der COPD zu begegnen. Die Ergebnisse der erfolgreichen Forschungsarbeit wurden in der November-Ausgabe der renommierten Zeitschrift "Nature Immunology" veröffentlicht sowie im "Paper des Monats" der Berliner Charite gewürdigt.

Von Andrea Kleemann

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