Auch in der Krise werben Unternehmen um Nachwuchs
09.04.2009 | 08:28 Uhr 2009-04-09T08:28:00+0200Soest. Kekse, Schokolade, Gummibärchen, Riegel gefüllt mit Kokoscreme, Erdnüssen und Karamell - die Industrie gibt dem Nachwuchs auch in Krisenzeiten Zucker. 80 Firmen haben sich Mittwoch am Karrieretag in Soest beteiligt.
Insgesamt 80 Firmen aus ganz Deutschland haben sich Mittwoch am Karrieretag in Soest beteiligt und auf der Bewerbermesse der Fachhochschule Südwestfalen Süßigkeiten, Kugelschreiber und viele Informationen verteilt. Trotz Krise hat kaum einer der Aussteller abgesagt, sagt der Organisator Professor Reinhard Spörer.
Mehrere hundert Stellen wird das Lippstädter Unternehmen Hella möglicherweise abbauen müssen, wenn die Wirtschaftsflaute weiter anhält. Trotzdem ist der Automobilzulieferer in Soest ebenfalls dabei.
Ein frischer Geist
„Natürlich können wir es in der aktuellen Situation nicht vertreten, neue Leute anzuwerben”, sagt Birgit Zander von der Hella-Personalabteilung. „Wir wollen aber den Kontakt zur Hochschule halten, um den frischen Geist zu wahren”, fügt sie hinzu. Gesucht werden bei Hella zumindest Praktikanten und Studenten, die ihre Abschlussarbeit bei dem Lippstädter Unternehmen schreiben möchten.
So will man bei Hella die Verbindung zu den Studenten halten, schließlich wird man über kurz oder lang Ingenieure brauchen. „Wenn wir uns jetzt von unseren Wissensträgern trennen, haben wir schlechte Karten, wenn die Konjunktur wieder anzieht”, sagt Zander. „Unternehmen, die derzeit nicht aufpassen, haben es in Zukunft schwer”, fügt sie hinzu.
Aus Fehlern gelernt
John Deere, Landmaschinen-Hersteller aus Bruchsal, ist auf der Suche nach zwei Maschinenbauingenieuren für den technischen Kundendienst. Bei dem Traktor-Produzenten ist die Krise ebenfalls zu spüren, wenn auch nicht so schmerzhaft wie in der Autoindustrie. „In schlechten Zeiten sind die Anforderungen der Kunden an Qualität und Service höher als in guten”, sagt Christoph Fierkes. „Weitsichtig” suche man daher bei John Deere auch in dieser schwierigen Lage Personal, um für die Kunden interessant zu bleiben.
Zudem will sich John Deere bei den Studenten bekannt machen, um in Zukunft Stellen besetzen zu können, wenn Mitarbeiter in den Ruhestand gehen oder das Unternehmen verlassen. „Eine überzogene Zurückhaltung der Unternehmen in Krisensituationen wie zurzeit führt dazu, dass in 10 bis 15 Jahren in den Belegschaften eine ganze Mitarbeitergeneration fehlt”, warnt Christoph Fierkes.
Deutschlands Ingenieure sind alt
Tatsächlich sind Deutschlands Ingenieure alt. Viele gehen in den kommenden Jahren in Rente, wie Christopher Schneider vom Verband deutscher Ingenieure (VDI) erklärt. Er rechnet vor: Mit 171 000 Beschäftigten ist die Gruppe der über 50-Jährigen unter den Ingenieuren deutlich höher als die der unter 35-Jährigen. Diese Kluft wird größer. Den etwa 80 000 offenen Stellen standen Ende des Jahres 2008 in den Ingenieurwissenschaften nur 45 000 abgelegte Prüfungen gegenüber.
Dennoch treten die Unternehmen auf der Messe sehr „vorsichtig” auf, sagt Adam Cichon. Der Maschinenbauer hat sein Studium bereits im vergangenen Jahr abgeschlossen, eine Stelle gefunden - und gleich wieder verloren: Personalabbau aufgrund der Auftragsflaute. Cichons Eindruck von der Messe: „Viele wollen mit Einstellungen abwarten, wie sich die Krise entwickelt.”
18:27
Wenn man 80 000 Stellen offen lassen kann, gehts doch.
Wozu dann die Eile?
Die wollen doch alle gar nicht arbeiten gelassen werden.