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Auch im Internet gilt: den Verstand nicht ausschalten

05.08.2007 | 18:49 Uhr

Vermeintlich lustige Auftritte auf dem Studentenportal studivz.de können sich zum Karrierekiller entwickeln. Hier finden Chefs pikante Privatfotos, peinliche Pinnwanddialoge und üble Lästereien. Eine junge Auszubildende kassierte dafür jetzt eine Abmahnun

Manuela P. (alle Namen von der Redaktion geändert) aus Essen feiert gerne Partys mit ihren Freunden. Auf ihrer persönlichen Seite auf dem Online-Portal hat sie zahlreiche Fotos hinterlegt, die ihre Vorlieben für Alkohol und gestreckte Mittelfinger dokumentieren. Ihren Job bei einem Kreditinstitut bezeichnet sie als stinklangweilig. "Ich gucke stundenlang Fernsehen oder quatsche Kunden unnütze Geschäfte auf, die sie sowieso nicht brauchen", beschreibt die 21-Jährige ihren Arbeitsablauf in ihrer Bankfiliale, die Manuela P. mit Namen, Ort und Straße angibt. Ihr Chef wurde schnell auf die Seite aufmerksam - Manuela P. erhielt eine Abmahnung.

Ähnlich Peinliches passierte Tobias M. aus Velbert. Während eines Bewerbungsgesprächs spielte der Personalleiter auf die studivz-Seite an. Dort rief Tobias M. nämlich zum Geschlechtsverkehr zur Wahrung des Weltfriedens auf. Den Job bekam ein anderer.

"Grundsätzlich geht es den Arbeitgeber nichts an, was der Angestellte privat macht", sagt Professor Rolf Wank vom Institut für Arbeitsrecht der Ruhr-Uni-Bochum. "Doch sobald ein Arbeitgeber öffentlich herabgesetzt oder beleidigt wird, ist dies ein Abmahnungsgrund." 2,5 Millionen studivz-Nutzer seien eine Öffentlichkeit, egal ob Studenten oder nicht.

"Vielen Nutzern ist noch nicht klar, dass es auch im Internet Spielregeln gibt. Diese Regeln sind in unserem Verhaltenskodex und den Geschäftsbedingungen klar festgesetzt", sagt Julian Artope?, Sprecher bei studivz.de. Dass sich Arbeitgeber bei studivz.de registrieren, um Angestellte auszuspionieren, sei ein Problem, weil der Studentenstatus nicht kontrollierbar sei. "Nutzer müssen sich einfach darüber bewusst werden, dass studivz eine öffentliche Plattform ist."

Georg Schulte von der Industrie- und Handelskammer Dortmund: "Wir appellieren bei Auszubildenden an den gesunden Menschenverstand, sich im Internet nicht derart bloßzustellen."

Von Britta Krane

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