Abiturienten droht neues Chaos vor dem Studienstart
30.01.2009 | 11:28 Uhr 2009-01-30T11:28:00+0100
Essen. Im Herbst droht ein neues Chaos bei der Studienplatzvergabe. Denn erneut konnten sich Politik, ZVS und Hochschulen nicht auf ein Zulassungsverfahren einigen. Daher werden sich wieder viele Studenten erst lange nach Semesterbeginn einschreiben können. 500 Euro sind damit in den Sand gesetzt.
Manche Studenten erfuhren erst im November, zuweilen sogar erst im Dezember, an welcher Uni sie landen. Dabei beginnt ein Studium schon im Oktober. So war das erste Semester bereits verloren, 500 Euro Studiengebühren inklusive. Das war im Herbst 2008. Es sieht alles danach aus, dass sich dieses Chaos 2009 wiederholen wird.
Schuld daran ist das Durcheinander bei der Studienplatzvergabe. Bundesweit sind mehr als die Hälfte der rund 11.000 Studiengänge mit örtlichen Zulassungsbeschränkungen (NC, Numerus clausus) versehen, in NRW sind es derzeit 37 Prozent.
52.000 Bewerbungen für 5000 Studienplätze
Da ein Studienbewerber nicht wissen kann, ob er an seiner Wunsch-Uni seinen Studienplatz erhält, bewirbt er sich sicherheitshalber an vielen Hochschulen für mehrere Studiengänge. So zählte zum Beispiel die Ruhr-Uni Bochum im letzten Wintersemester rund 52.000 Bewerbungen von etwa 24.000 Personen – für knapp 5000 Studienplätze.
Verschärft wurde die Lage durch die Möglichkeit, sich online für einen Studienplatz zu bewerben, was vom heimischen PC wenig Mühe macht, sowie durch die gewachsene Zahl von NC-Fächern.
Unbesetzte Plätze durch Mehrfachbewerbungen
Am Ende erhält ein Bewerber womöglich gleich mehrere Zusagen, er schreibt sich aber nur an einer Uni ein. Folge der Mehrfachbewerbungen ist ein immenser Verwaltungsaufwand und, weit schlimmer: Es bleiben Studienplätze unbesetzt. Das ist deshalb unerwünscht, weil es mehr Studierwillige gibt als Studienplätze. Die frei gebliebenen Plätze müssen in einem zeitraubenden Nachrückverfahren zugeteilt werden, was Wochen dauern kann.
Um das Dilemma aus der Welt zu schaffen, soll die Dortmunder Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) in eine Service-Agentur umgewandelt werden. Sie soll die Plätze zentral zuweisen und verhindern, dass Bewerber an mehreren Unis zugleich zugelassen werden.
Kultusminister, Hochschulen und die ZVS hatten sich bereits auf ein „Kompromissmodell” verständigt. Doch das Verfahren kann auch im Wintersemester 2009/2010 nicht starten, bestätigen ZVS und Hochschulrektorenkonferenz (HRK).
ZVS und Hochschulen beschuldigen sich gegenseitig
Beide Seiten weisen sich dafür die Schuld zu. Die ZVS habe kein geeignetes technisches System auf die Beine gestellt, kritisiert die HRK. Die Hochschulen hätten mit immer neuen Änderungswünschen die Sache verzögert, entgegnet die ZVS.
Die bietet den Hochschulen nun erneut ein Übergangsverfahren mit gegenseitigem Datenabgleich an. Das System funktioniert aber nur dann richtig gut, wenn sich viele Hochschulen beteiligen; im vergangenen Jahr waren es nur vier Universitäten und acht Fachhochschulen.
Die Suppe müssen nun die angehenden Studenten auslöffeln. Auch das NRW-Wissenschaftsministerium ist mit dieser Situation unglücklich. „Es wäre sinnvoller, wenn sich alle Hochschulen an dem Verfahren beteiligen würden”, sagte ein Sprecher des Ministeriums. Wer erst im November eine Zusage erhalte, habe faktisch bereits ein Semester verloren. Es bleibe zu hoffen, dass bis zum Wintersemester 2010/11 das Verfahren steht.
Abgeschreckt vom Studium
Experten befürchten, dass diese Querelen junge Leute von einem Studium abschrecken könnten. Studierendenvertreter kennen die Probleme: „Wenn jemand sich schweren Herzens, nur um überhaupt einen Studienplatz zu bekommen, auf ein anderes Fach am anderen Ende der Republik einschreibt, dann aber Monate später doch noch die gewünscht Zusage eintrifft, währt die Freude nur kurz”, weiß Florian Keller vom Studentischen Dachverband FZS.
Denn ein womöglich anstehender Umzug ist teuer, Studiengebühren fallen an, und der entgangene Stoff der ersten Wochen muss nachgeholt werden. Kein guter Start ins Studium.
Diskussion: Wirrwarr an Unis bei der Studienplatz-Vergabe – wie könnte man das besser regeln?
15:19
Tja, die StudienbewerberInnen sollten sich mal bei der Landesregierung bedanken. Die hat nämlich für viele Studiengänge die verpflichtende Teilnahme am ZVS-Verfahren mit garantierter Einschreibung im August/September abgeschafft.
Nun machen die Hochschulen nicht das freiwillig, was das Land gerne hätte...
Die ZVS selbst ist wirklich nicht schuld, wenn alle Hochschulen alleine agieren, um vielleicht noch einen Tag früher zuzulassen als ihre Konkurrenten.
Die BewerberInnen haben das Nachsehen und müssen sich an allen Hochschulen - statt einmal bei der ZVS - bewerben.
09:20
Wenn man sieht wie sich die Ministerien immer mehr aufblähen brauch man sich nicht wundern das für den Rest kaum noch Gelder da sind. Ich bin an einer Ruhrgebietsuni und wenn ich seh wie sich der Verwaltungsapparat immer mehr aufbläht dort,weiß man auch wo die Studiengebühren bleiben. Ich hab nichts von einer Verbesserung bemerkt und wenn mal neue Chipinseln gebaut werden dauert das so unendlich lange bis da mal was passiert. Da laufen dann zig Planungsleute rum und sind am diskutieren was für eine Farbe dort an die Wand kommen soll. Aber jeder will ja was zu sagen haben dort und deshalb dauert so ein Bauvorhaben Streichen eines Raumes und einrichten auch schonmal 1 jahr und länger.
Hab ich schon oft genung erlebt. Und das wir kein Einzelfall sein. Und das ist nur die bauliche Seite.
17:20
Einiges liegt aber auch an der Abi Note. Mit einem guten Schnitt hat man kaum Probleme an der Wunschuni angenommen zu werden. Bisher.
Mittlerweile verfolgen auch einige deutsche Universitäten ein eher angelsächsisches Auswahlverfahren, bei dem ausserschulische Aktivitäten hoch gewertet werden. Dadurch wird es natürlich schwerer zu kalkulieren ob man einen Platz bekommt.
00:07
Geldscheffeln können die Verantwortlichen sehr gut aber für das Geld arbeiten bekommen sie nicht hin. Warum gehe ich eigentlich studieren und bezahle für jedes Semester einen haufen Geld? Sollte ich nicht lieber einen Job in der Politik oder bei der ZVS suchen, dort werde ich wenigstens für dummes Geschwätz und für Unfähigkeit bezahlt.
15:05
Welch´ eine Verschwendung von Steuergeldern! Welche Verschwendung von wissenschaftlichem Nachwuchs! In welche Konflikte treibt man die Studenten! Welch´ rücksichtsloses, unmenschliches Verhalten ihnen gegenüber! Das ist ein Skandal allerersten Ranges! Und ein Aufschrei gegen die deutsche Kleinstaaterei! Sofort muss ein Hochschulzulassungsgesetz erlassen werden! Oder wie lange soll dieser Skandal noch andauern? Was treiben die verantwortlichen Politiker den lieben langen Tag? Alle sind zum sofortigen Handeln aufgerufen!
13:35
Das Problem gibt es exakt so seit mindestens zwanzig Jahren.
Was ist das für ein verkorkstes System, und wir nehmen es hin.
12:34
Sollte nicht verstärkt was für die Bildung getan werden? Höhrt man doch dauernt zumindest vor den Wahlen oder?, ach ja, PISA!
Wahrscheinlich sollte die Bildung erst einmal in den entsprechenden Ministerien und den o.g. Institutionen Einzug halten!
@9 diamoner
Vollkommen richtig, aber das mit der Demokratie würde ich mir noch mal überlegen. Haben wir die wirklich? Alle 4 Jahre mal wählen gehen soll nicht wirklich Demokratie ausdrücken! Demokratie sieht anders aus, siehe Schweiz!
10:28
Den Bericht kann ich bestätigen: 2008 gabe es Mehrfachbewerbungen an der Unis, zeitgleich Mehrfachbewerbungen für eine FSJ-Stelle plus Bewerbung für eine Lehre (Bank); alles, bloß nicht auf der Straße stehen. Diejenigen aus meinem Umfeld, die uneingeschränkt zufrieden waren mit Anmeldung und Studienstart, haben sich an holländischen Unis beworben und sind auch dort gelandet.
09:58
Liebe Mitbürger, erkennt bitte, dass die Politik nicht an einer ernsthaften Lösung für den Fachkräftemangel interessiert ist. Stattdessen werden Milliarden in kaputte Geld- und Wirtschaftssysteme gepumpt.
HIER LÄUFT WAS FALSCH !!!
Dies ist einzig und alleine durch demokratische Wahlen zu korrigieren. Jeder hat es selbst in der Hand.
07:44
Es ist wirklich schade! Auf der einen Seite beschweren sich die Führungskräfte Deutschlands darüber, dass Deutschland verdummen würde und auf der anderen Seite haben die Menschen, die sich dann doch die Arbeit und Mühe machen das Abitur zu bestehen immer weniger Zukunftsperspektiven durch diese niedrige Anzahl an Studienplätzen und durch die Unfähigkeit u.a. der ZVS. Durch soetwas geht der Anreiz doch komplett verloren das Abitur zu machen. Warum mich 13 Jahre abrackern um hinterher dann doch ohne Studienplatz dazustehen? Da mach ich doch lieber meinen guten Haupt- oder Realschulabschluss und bekomm so auch meine Ausbildung!