Camerons Tories gewinnen absolute Mehrheit in Großbritannien

Premierminister David Cameron kann künftig mit seiner Konservativen Partei allein regieren: Die Tories gewannen bei der Wahl zum britischen Unterhaus die absolute Mehrheit.
Premierminister David Cameron kann künftig mit seiner Konservativen Partei allein regieren: Die Tories gewannen bei der Wahl zum britischen Unterhaus die absolute Mehrheit.
Was wir bereits wissen
Die Konservative Partei hat bei der Wahl zum britischen Unterhaus die absolute Mehrheit gewonnen. Premierminister David Cameron wird mit den Tories allein regieren können.

London.. Die Konservative Partei von Premierminister David Cameron hat die für eine Alleinregierung nötige absolute Mehrheit im britischen Unterhaus gewonnen. Die Tories erreichten am Vormittag die Schwelle von 325 der 650 zu vergebenden Mandate. Die vier Sitze der nordirischen Sinn-Fein-Partei bleiben traditionell unbesetzt. "Dies ist der süßeste Sieg von allen", rief Cameron am Vormittag den Mitgliedern seines Wahlkampfteams zu.

Meinungsumfragen hatten ihm deutlich weniger Sitze und sogar die mögliche Ablösung als Regierungschef vorausgesagt. Cameron will am Mittag gemeinsam mit seiner Frau Samantha das britische Staatsoberhaupt, Königin Elizabeth II., im Buckingham-Palast besuchen und danach eine öffentliche Erklärung abgeben.

David Cameron betont Einheit Großbritanniens

Premierminister Cameron hat nach seinem Wahlsieg die Einheit Großbritanniens betont. "Wir werden als Partei einer Nation regieren", sagte er am Freitag, nachdem er Queen Elizabeth im Buckingham Palace um den Auftrag zur Regierungsbildung gebeten hatte.

Großbritannien Den britischen Regionalparlamenten in Schottland, Wales und Nordirland sicherte er mehr Einflussmöglichkeiten zu und versprach erneut ein Referendum über den Verbleib Großbritanniens in der Europäischen Union.

Labour-Chef Miliband trat am Freitag zurück

Aus der Abstimmung am Donnerstag gingen die oppositionelle Labour-Partei von Herausforderer Ed Miliband, die bisher mitregierenden Liberaldemokraten und die Rechtspopulisten von UKIP als Verlierer hervor. Miliband übernahm am Freitag die Verantwortung für die Wahlniederlage der Sozialdemokraten und trat als Vorsitzender der Labour-Partei zurück. UKIP-Chef Nigel Farage und der liberale Parteichef Nick Clegg traten von ihren Ämtern zurück, der gleiche Schritt wird im Laufe des Tages von Miliband erwartet.

Zu den Gewinnern zählten die schottischen Nationalisten. Die nur in Schottland angetretene Unabhängigkeitspartei SNP errang im nördlichen Teil Großbritanniens 56 der 59 dort zu vergebenden Sitze.

David Cameron: Zweite Amtszeit trotz Image-Problemen

Premierminister David Cameron ist seit 2005 Parteichef und seit 2010 Hausherr in der Downing Street Nummer 10. Seither hat der 48-Jährige sich schwergetan, den richtigen Weg zwischen Hardlinern in seiner eigenen Konservativen Partei, dem liberalen Koalitionspartner und übergeordneten Interessen zu finden.

Porträt Als Erfolge seiner ersten Amtszeit gelten zwar die Einführung der Homo-Ehe, ein Wirtschaftswachstum von 2,6 Prozent und eine deutliche Absenkung der Arbeitslosigkeit. Doch allen hemdsärmeligen Bemühungen zum Trotz hat er es bislang nicht geschafft, sein hochnäsiges Oberklasse-Image abzuschütteln. Von vielen Briten wird er nach wie vor über seine Herkunft definiert: Cameron besuchte das Internat Eton und die Universität Oxford.

Cameron will nach dieser Amtszeit abtreten

Er ist ein Karrierepolitiker. Er begann in der Presseabteilung der Downing Street, als Margaret Thatcher Premierministerin war, diente später auch im Team von Thatchers Nachfolger John Major. Cameron ist verheiratet und bekam mit seiner Frau vier Kinder. Der erstgeborene und schwerbehinderte Sohn Ivan starb im Jahr 2009.

Schon vor der Wahl hatte der 48-Jährige gesagt, er stehe nur noch für eine Amtszeit zur Verfügung. Der Politikwissenschaftler Tony Travers von der London School of Economics and Political Science (LSE) mutmaßt, Cameron könnte möglicherweise schon vor dem Ende seiner Amtszeit Platz machen für jemanden, der in seine Fußstapfen tritt. (dpa)