Bundeswehr vertraut dem G 36 nicht mehr

Berlin..  Das Schreiben ist kurz, zwei Seiten. Zwischen den Zeilen: Viel Kränkung, verletzte Ehre. Seit mehr als 50 Jahren sei man „zuverlässiger Partner“ der Bundeswehr, seit fast 20 Jahren sei das Gewehr G 36 in über 35 Staaten im Einsatz – so beginnt eine Erklärung der Waffenschmiede Heckler & Koch. Das G 36 ist das Standardgewehr der Truppe., die „Braut des Soldaten“, wie es früher hieß. Es stellt sich heraus: Keine Braut für heiße Tage oder lange Gefechte. Das G 36 wird ungenau. Wieder eine Lachnummer der Bundeswehr. Und ein Politikum. Denn die Linkspartei droht mit einem Untersuchungsausschuss.

Seit Jahren häuften sich die Klagen aus der Truppe. Nach langen Gefechten, nach mehreren hundert Schuss wird der Lauf heiß und die Präzision sinkt. Extreme Hitze ist ein Problem. Das fällt bei Einsätzen in Afrika oder in Afghanistan besonders ins Gewicht.

Die G 36 bringt viel Hightech mit und ist sogar leichter. Das liegt daran, dass glasverstärkter Kunststoff eingesetzt wurde. Offenbar dehnt sich diese Leichtbauart bei Hitze aus, so dass der Lauf nicht mehr fest genug sitzt. So wird es vermutet. Heckler & Koch beschwert sich allerdings, es sei weder an Prüfkriterien noch an den Untersuchungen beteiligt wurden.

Ab 1996 wurde G 36 angeschafft. An Auslandseinsätze wurde damals nicht gedacht. Alle seither gekauften G 36, fast 177 467 Stück – Kostenpunkt: rund 180 Millionen Euro – wurden von der Güteprüfstelle der Bundeswehr abgenommen. Hier setzt die Linke an. Sie argwöhnt, die Hitzebeständigkeit sei aus den Anforderungen gestrichen worden, um den Hersteller aus der Haftung zu entlassen.

Wer Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen in diesen Tagen begegnet, erlebt eine Frau auf der Lauer. Nach einem Jahr im Amt schließt sie nichts mehr aus. Schon letzten Sommer war die Beschaffung gestoppt worden. Danach ordnete von der Leyen eine Untersuchung an. Als ihr das vorläufige Ergebnis am Sonntag vorgelegt wurde, trommelte sie am Abend die Ministeriumsspitze zusammen. Ihr Vorsatz: Mängel erkennen, abstellen.

Sie will alle Einsätze mit der G 36 sowie Schadenersatzansprüche prüfen und behält sich vor, die Waffe auszumustern. Zuzutrauen ist es ihr. Aus der CDU wurde sie bereits vor „Schnellschüssen“ gewarnt. Die Waffenschmiede hat Freunde in Berlin, zum Beispiel die regionalen Abgeordneten wie Unions-Fraktionschef Volker Kauder.