Bundeswehr lockt Minderjährige mit kostenlosen Abenteuercamps

Die Bundeswehr wirbt schon bei ganz jungen Menschen für den Beruf als Soldat.
Die Bundeswehr wirbt schon bei ganz jungen Menschen für den Beruf als Soldat.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Mit kostenlosen Abenteuerreisen für Jugendliche ab 16 Jahren wirbt die Bundeswehr um Soldaten-Nachwuchs. Die Opposition im Bundestag will die umstrittene Nachwuchswerbung nun zum Thema im Bundestag machen. Das Kinderhilfswerk „terre des hommes“ fordert den Stopp der Kampagne.

Berlin.. Die Nachwuchswerbung der Bundeswehr ruft zunehmend Empörung hervor. Mit den kostenlosen Abenteuerreisen für Jugendliche ab 16 Jahren will die Opposition nun den Bundestag befassen. Das Kinderhilfswerk „terre des hommes“ fordert den Stopp der Kampagne.

„Der Soldatenberuf muss realistisch und ehrlich dargestellt werden“, sagt der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Arnold, auf Anfrage der Westfälischen Rundschau. Er werde das in der nächsten Sitzung des Verteidigungsausschusses zum Thema machen. Er verurteilt die „falschen Auswüchse“ in der Nachwuchsgewinnung, „unsägliche Videoclips“ und das „krampfhafte Bemühen“, die jungen Leute in ihrer Sprache anzusprechen und für die Bundeswehr zu gewinnen.

"Völlig unangebracht"

Als „nicht akzeptabel“ kritisieren auch die Grünen die Kampagne. „Eine Tätigkeit bei der Bundeswehr ist im Extremfall lebensgefährlich und kein Abenteuer“, empört sich die Abgeordnete Agnieszka Brugger, die dem Verteidigungsausschuss angehört. „Völlig unangebracht“ sei zudem, dass Minderjährige eine Zielgruppe seien. „Dies steht im großen Widerspruch zu internationalen Bestrebungen, Kinder vor Rekrutierung von Militär zu schützen“, sagt Brugger auf Anfrage der WAZ Mediengruppe.

Die Abenteuercamps seien „beim besten Willen nicht mehr als Informationsveranstaltungen zu verkaufen“, sagt auch der Linken-Abgeordnete Paul Schäfer. „Sie zielen klar und unverhohlen auf Personalwerbung unter Minderjährigen. Das ist rechtlich problematisch und moralisch unvertretbar.“

Das Kinderhilfswerk „terre des hommes“ fordert Verteidigungsminister Thomas de Maizière auf, die „fragwürdige Kampagne“ zu stoppen. Die Werbung für „crazy Strandspiele“ suggeriere, „dass es sich bei der Bundeswehr um einen Abenteuerausflug handelt“, sagt Ralf Willinger. Der Kinderrechtsexperte sieht die Prinzipien der UN-Kinderrechtskonvention und die besonderen Schutzpflichten des Staates gegenüber Kindern verletzt. „Nach Artikel 3 des Zusatzprotokolls der Kinderrechtskonvention dürfen Minderjährige grundsätzlich nicht für den Militärdienst angeworben werden“, sagt Willinger. „Nach Artikel 29 müssen Kinder zu Frieden, Toleranz und Völkerverständigung erzogen werden.“ Die Bundeswehr solle sich bei ihrer Nachwuchswerbung auf Erwachsene beschränken.