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Fracking

Bundesregierung will Weg für Fracking in Deutschland rasch ebnen

10.02.2013 | 11:59 Uhr
Das Bohrfeld von ExxonMobil in Bötersen bei Rotenburg-Wümme. Auf der Suche nach Erdgas setzt das Unternehmen hier die umstrittene Frackingmethode ein.Foto: dpa

Berlin.  Die schwarz-gelbe Koalition will möglichst bald bundesweit gültige Regeln für die umstrittene Gasförderung in tiefen Gesteinsschichten festlegen. Mit dem Schiefergasvorkommen könnte Deutschland seinen Bedarf für 13 Jahre decken. Allerdings befinden sich viele Vorkommen in Wasserschutzgebieten.

Ob sich Peter Altmaier und Philipp Rösler hier mal einigen können? Die Fraktionen von Union und FDP fordern von den beiden Bundesministern für Umwelt und Wirtschaft noch möglichst im Februar einen Gesetzesvorschlag für eine bundesweite Regelung der Gasförderung aus tiefen Gesteinsschichten. Die "Schiefergaswende" in den USA mit stark gesunkenen Energiepreisen entfaltet Druck, auch in Deutschland neue Fördertechniken grundsätzlich zuzulassen - bisher fehlt den Ländern eine klare Handhabe hierzu. Ein Sprecher Altmaiers verspricht am Wochenende "zügige Regelungsvorschläge" zu dem Thema.

Eine Arbeitsgruppe, bestehend aus den CDU-Politikern Joachim Pfeiffer und Marie-Luise Dött sowie den FDP-Politikern Hermann Otto Solms und Michael Kauch, hatte den beiden Ministern am 1. Februar deutliche Forderungen übermittelt. Ihr Credo: Ja zum sogenannten Fracking, aber unter Auflagen. Es soll bei jeder neuen Bohrung eine verpflichtende Umweltverträglichkeitsprüfung geben, zudem müsse klar geregelt werden, was mit möglichen giftigen Rückflüssen passiert. Bohrungen in Wasserschutzgebieten sollen per se verboten werden.

Widerstand aus Nordrhein-Westfalen

Das Umweltbundesamt (UBA) hatte sich 2012 in einer umfassenden Studie sehr skeptisch gezeigt und auf Risiken im dicht besiedelten Deutschland verwiesen. Doch die Vorkommen im Gestein werden als so groß eingeschätzt, dass Deutschland damit 13 Jahre lang seinen Gasbedarf decken könnte. Allerdings sind 14 Prozent der Fläche in Deutschland laut UBA als Trinkwasserschutzgebiete ausgewiesen, so dass die Förderung am Ende nur auf Sparflamme stattfinden könnte.

Wegen großer Bedenken haben sich besonders in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen Bürgerinitiativen gegen Fracking gebildet. Sie fürchten eine Verseuchung des Trinkwassers mit giftigen Chemikalien. Auch Hessen, Thüringen, Sachsen-Anhalt oder Baden-Württemberg könnten als Fördergebiete infrage kommen. Die Bundesländer forderten die Bundesregierung gerade erst im Bundesrat auf, bis zur Klärung aller Risiken den Einsatz umweltgefährdender Stoffe zu verbieten.

Bei der neuen Fördertechnik wird mit hohem Druck unter Einsatz von Wasser, Sand und Chemikalien das Gestein so aufgebrochen, dass das Gas nach oben entweichen kann. In Deutschland wittert unter anderem ExxonMobil ein lukratives Geschäft. Längst werden Claims abgesteckt. Auch der Chemiekonzern BASF zeigt sich interessiert. Fracking an sich gibt es schon seit vielen Jahren, neu ist aber die Erschließung unkonventioneller Schiefergasvorkommen mit Horizontalbohrungen - und es gibt Sorgen um die Gefährlichkeit der neu eingesetzten Stoffe, um das Gestein großflächig aufzubrechen.

Die Industrie macht Druck 

Doch wie realistisch ist ein Gesetz noch vor der Bundestagswahl am 22. September? SPD, Linke und Grüne sehen das Ganze kritisch und könnten einen Entwurf über den Bundesrat blockieren. SPD-Bundestagsfraktionsvize Ulrich Kelber wertet den neuen Vorstoß von CDU und FDP als "brutalsten Wahlbetrug". Und die Debatte um die unterirdische Kohlendioxid-Verpressung (CCS) hat gezeigt, wie schwer solche Vorhaben in Deutschland durchzusetzen sind. Auch aus Bayern kommt großer Widerstand. Umweltminister Marcel Huber (CSU) betont: "Dabei werden grundwassergefährdende Substanzen in tiefe Gesteinsschichten eingebracht." Das sei zu riskant. "Solange diese Risiken bestehen, lehnt Bayern diese Technik grundsätzlich ab."

Bohrtechnik "Fracking"

Der FDP-Umweltpolitiker Michael Kauch mahnt dagegen im "Spiegel": "Wir können uns kein ideologisches Verbot leisten, weil Fracking Teil der Energieversorgung sein kann". US-Botschafter Philipp Murphy betonte jüngst in Berlin: "Die Schiefergasrevolution in den Vereinigten Staaten kann das Bruttoinlandsprodukt bis 2020 um zusätzliche zwei bis drei Prozent wachsen lassen." Niedrige Energiepreise hätten zu einer Re-Industrialisierung geführt, da Hunderte Milliarden Dollar in der Chemie-, Stahl-, Aluminium-, Reifen- und Kunststoffindustrie investiert würden. Auch deutsche Konzerne sind elektrisiert von den neuen Standortvorteilen.

Lesen Sie auch:
Länder fordern harte Auflagen für Fracking

Die Gasgewinnung aus tiefen Gesteinsschichten gewinnt zusehends an Bedeutung. Der Bundesrat allerdings verweist auf die Risiken für die Umwelt. Deswegen müsse es strenge Regeln geben fürs Fracking. Folgt die Regierung, wäre der Einsatz der Technologie in Deutschland auf Jahre blockiert.

Doch wie hoch wird der Preis für die Umwelt sein? Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) - geschäftlich verbunden mit dem russischen Staatskonzern Gazprom - rät den Deutschen, Russland beim Erdgas lieber treu zu bleiben. Der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sagte er: "Deutschland braucht Gas. Das können Sie sich ja nicht backen." Aber die Vorstellung, im dicht besiedelten Mitteleuropa russisches Gas durch Fracking zu ersetzen, sei äußerst zweifelhaft. "Versuchen Sie mal, eine Bohrgenehmigung unter Osnabrück zu erhalten, um da mit Chemie zu hantieren. Das wird nicht gelingen", meinte Schröder. (dpa)


Kommentare
01.03.2013
09:32
Bundesregierung will Weg für Fracking in Deutschland rasch ebnen
von soissesnunmal | #71

Was "Fracking" nachhaltig anrichten kann ist unvorstellbar. Wie überhaupt jemand auf so eine Idee kommen kann, dazu fehlt mir jedes Verständnis. Da kann ich dem Zitat der NRZ, Tagesspruch vom 27. Februar 2013, des damaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt: "Die Dummheit von Regierungen sollte niemals unterschätzt werden," nur beipflichten.

15.02.2013
04:04
Bundesregierung will Weg für Fracking in Deutschland rasch ebnen
von Pferdefusssalami | #70

Ähm, wie bitte?
Wieviel Brett vorm Kopf braucht jemand eigentlich um diese Verfahren gutzuheißen, zu unterstützen und sogar dessen Anwendung voranzutreiben?
Was ist mit diesen Menschen bloss los, welche uns als Politiker bekannt sind und immerzu frech behaupten dürfen die Interessen der Menschen im Land ernstzunehmen oder gar zu vertreten?
Ich empfehle ALLEN sich im Internet schlau zu machen, was es mit Fracking und den tatsächlich verheerenden Nebenwirkungen auf sich hat.
Dazu haben die ernstzunehmenden seriösen Fernsehsender, - Erstes und Zweites, sowie andere Regionalsender schonungslose Berichte gesendet, welche man auf der bekannten öffentlichen Video-Plattform noch aufrufen und ansehen kann. Wer dann noch JA zu diesem Wahnsinn sagt hat es schlichtweg einfach noch nicht verstanden....
ich weiss es klingt kitschig- ABER MAN KANN GELD WIRKLICH NICHT ESSEN..
.und Durst löscht es auch nicht...

11.02.2013
18:35
Alles nur Pinguine
von wohlzufrieden | #69

Diese Regierung hat Deutschland schon genug abgefrackt, da verstehen die viel von...

11.02.2013
15:42
Bundesregierung hat den Weg für Fracking in Deutschland geebnet
von akaz | #68

Der Weg ist längst frei!!!!
Altmaier: „Ich sehe auf absehbare Zeit nicht, dass irgendwo in Deutschland Fracking zur Anwendung kommen kann“.
Natürlich will er nicht soweit gehen, dass es ganz verboten wird, doch er will strikte Auflagen.
Bei dem Typ, mit solchen Aussagen, dann ist das Thema längst vom Tisch und im Sinne der Lobbyisten verabschiedet.
Selbst Rot-Grün wird das später nicht mehr ändern wollen oder können. Es hängen ja viele Arbeitsplätze dran.
Noch Fragen?

11.02.2013
14:19
Bundesregierung will Weg für Fracking in Deutschland rasch ebnen
von berni44 | #67

Diese etablierten Machthaber haben die Interessen für Deutschland aus dem Auge verloren.
Sie sorgen nur für sich. Ich würde mich nicht wundern , wenn schon einige Damen und Herren eine Zusage gemacht haben und Ihre Familien mit hohen zusätzlichem Einkommen schwarz beglücken können.
Diese Bodenschätze müssen als nationale Reserve im Boden bleiben.
Wenn hier mit nicht vorsichtig mit umgegangen wird, kann es sich vielleicht mittelfristig
persönliche Nachteile für die Zustimmer geben.
Dieser Staat, in dem kein Machthaber persönlich haften muss und praktisch machen kann was er will, wird es sicherlich bald nicht mehr geben.

11.02.2013
12:36
http://www.right2water.eu/de
von blaube | #66

http://www.right2water.eu/de

11.02.2013
12:20
https://www.openpetition.de/petition/zeichnen/stopp-fracking
von blaube | #65

https://www.openpetition.de/petition/zeichnen/stopp-fracking

11.02.2013
11:48
Bundesregierung will Weg für Fracking in Deutschland rasch ebnen
von Ex-Leser | #64

Das ist doch mal was für den BUND oder Greenpeace.

Anstatt sich über den nächsten Bau eines Ikeas oder Bundesstraße aufzuregen, sollten die mal diese "Baustelle" angehen.

Des Weiteren sollte die Rechtslage gegen das Fracking klar sein, schließlich verstößt man mit dieser Technik gegen das Wasserhaushaltsgesetz.

Aber was solls die Volkstreter pfuschen ja auch im Grundgesetz rum.

11.02.2013
11:40
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #63

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11.02.2013
08:25
Bundesregierung will Weg für Fracking in Deutschland rasch ebnen
von herb630 | #62

Ist schon alles sehr merkwürdig. Steinbrück macht Werbung für Schwarz/Gelb und die Regierung für Rot/Grün.

1 Antwort
Bundesregierung will Weg für Fracking in Deutschland rasch ebnen
von zool | #62-1

macht dann in der Summe schwartz/rot

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