Bundesregierung streitet über Freigabe der Bankdaten
27.07.2009 | 17:32 Uhr 2009-07-27T17:32:00+0200
Berlin/München. Der Plan der Europäischen Union, US-Terrorfahndern den Zugang zu Bankdaten zu gewähren, wird in der Bundesregierung heftig diskutiert. Vor allem aus Gründen des Datenschutzes. Die aktuelle Debatte lässt den Streit zwischen CDU und CSU über die Europapolitik erneut aufkeimen.
Im Streit um die Weitergabe von Bankdaten aus der Europäischen Union (EU) an die USA besteht Deutschland auf Einhaltung des Datenschutzes. Mit Blick auf Beratungen der EU-Außenminister zu dem Thema versicherte Außenamtssprecher Jens Plötner am Montag in Berlin, Deutschland werde kein Verhandlungsergebnis akzeptieren, das den datenschutzrechtlichen Bestimmungen nicht genüge.
CSU fordert "klares Stoppschild"
Die EU-Kommission will US-Terrorfahndern den Zugang zu den Bankdaten europäischer Kunden gewähren. Das Vorhaben wird in Deutschland auch aus Datenschutzgründen heftig kritisiert. Die Kritik richtet sich insbesondere gegen EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso. Seit 2001 greifen US-Terrorfahnder auf Bankdaten des Finanzdienstleisters SWIFT zu. Ein Vorschlag der EU-Kommission sieht vor, dass die USA auch dann noch Zugriff auf die Daten haben sollen, wenn dessen Hauptserver aus den USA nach Europa verlagert wird.
Die CSU-Spitze wirft dem Außenministerium Fehler vor. CSU-Chef Horst Seehofer sagte, hier müsse es ein «klares Stoppschild» geben. Er kritisierte mit Blick auf die Europäische Kommission, es wäre ein «absolutes Unding» und ein «Skandal», wenn solch ein tiefer Eingriff wie die Weitergabe von Bankdaten europäischer Kunden an die USA ohne eine Parlamentsbefassung stattfinden sollte.
Stellungnahme des Bundestags gefordert
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann sagte, es sei ein Fehler von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), dass die EU-Kommission am Montag ein Verhandlungsmandat für den Abschluss eines Zwischenabkommens erhalten habe, mit dem US-Geheimdienste ermächtigt würden, auf Bankdaten von SWIFT zuzugreifen. Solche Befugnisse seien datenschutzrechtlich bedenklich und aus Gründen der Terrorbekämpfung nicht notwendig.
Der Innenminister Bayerns betonte, er halte es für unzumutbar, dass so eine gravierende Entscheidung über Eingriffe in die Privatsphäre ohne Parlamentsbeteiligung über die Bühne gehen solle. Er fügte hinzu: »Dies ist der typische Fall, wo ich eine Stellungnahme des Bundestags und des Bundesrats zu einer EU-Entscheidung für zwingend notwendig erachte."
Datenschutz müsse sichergestellt sein
Der CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach mahnte: «Es muss sichergestellt sein, dass der Datenschutz berücksichtigt ist und die Daten unbescholtener Personen umgehend gelöscht werden.» Außerdem solle die EU Rechenschaft einfordern, welche Erkenntnisse durch diese Überwachungsmöglichkeit bisher schon gewonnen worden seien.
CSU-Chef Horst Seehofer schloss am Montag eine Sondersitzung des Vorstands oder des Präsidiums seiner Partei in der Sommerpause nicht aus, falls es keine Einigung zwischen den Schwesterparteien über die künftigen Mitwirkungsrechte von Bundestag und Bundesrat an EU-Entscheidungen gibt. Dann wolle er für sein weiteres Vorgehen «Rückendeckung der zuständigen Gremien».
Gespräche zwischen CDU und CSU
Seehofer betonte zugleich, im Moment gebe es kein «Indiz» für eine solche Entwicklung. Der Berliner CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer habe ihm vielmehr berichtet, dass die Gespräche mit der CDU «vernünftig laufen». Er hoffe, dass dies «bis zum Ende so bleibt».
Nach Angaben des Bundesbeauftragten für den Datenschutz, Peter Schaar, wird die US-Regierung neben Auslandsüberweisungen auch Zugriff auf Transaktionen innerhalb Deutschlands erlangen. Er forderte die Einbeziehung des Europäischen Parlaments sowie des Bundestags. Niemand wisse, um welche Datenmengen es sich bei dem Thema handele. Zudem sei es bereits jetzt in Einzelfällen möglich, auf Bankdaten zuzugreifen und diese an die USA zu übermitteln.
Vorwürfe an die Bundesregierung
Der EU-Experte der Linken, Alexander Ulrich, betonte: «Die Bundesregierung hätte sich laut Bundesverfassungsgericht dem Zugriff der USA auf europäische Bankdaten widersetzen müssen.» Auch Ulrich rügte, nicht einmal das EU-Parlament sei mit der Angelegenheit befasst gewesen und wertete dies als «Lehrstück für die verfassungswidrige EU-Architektur».
Der FDP-Innenexperte Max Stadler rügte, die Bundesregierung habe es «versäumt, mit dem Bundestag ein Einvernehmen über die Verhandlungsziele herzustellen». Dass die Bundesregierung diesem Thema nicht genügend Bedeutung beimesse, sei auch daran zu erkennen, dass Steinmeier nicht persönlich an den Verhandlungen teilnehme. (ddp)

22:39
Die haben nur angst davor, daß noch mehr Zumwinkels auffallen!
22:06
Die Berliner Morgenpost schrieb unter anderem zu diesem Thema, Zitat:
„Mal muss der Verweis auf den Kampf gegen den internationalen Terror herhalten, mal der Kampf gegen Steuerflucht. Unter dem Strich bleibt die Feststellung, dass das Bankgeheimnis immer weiter ausgehöhlt wird. Nie waren die Bürger in Finanzangelegenheiten gläserner als heute“.
Dem ist aus meiner Sicht nichts hinzuzufügen.
21:22
Was für eine Regierung haben wir denn derzeit?
wIRD zEIT DAS DIE wAHLEN IM sEPTEMBER KOMMEN:
cDU-FDP-sPD kannste vergessen!
20:45
Willkommen in der EUDSSR
20:21
Dem Begehren amerikanischer Behörden kann man nur ein konsequentes und unverhandelbares NEIN durch unsere Bundesregierung entgegensetzen.
Mit welcher Legitimation kann H. Barroso sich über bundesdeutsches Recht, auch über das Grundgesetz hinwegsetzen? Hat Karlsruhe hier nicht eindeutig gesprochen?
Herr Steinmeier, tun Sie Ihre Pflicht! Sie haben einen Eid darauf geschworen!
19:50
Was hat die USA mit unseren Bankdaten zu tun? Wir leben nicht in einer Diktatur. Aber so einige hätten wohl gerne diese Diktatur. Für uns wäre es besser, nicht als gläserner Bürger herumzulaufen, angenehmer wäre es, für alle Bürger die gläsernen Politiker zu haben.
19:35
Wenn ich gerade lese das 2 der 3 an der Bundesregierung beteiligten Parteien (CDU + CSU) sich für den Datenschutz der Bürger stark machen, dann muß ich schmunzeln!
Zitat:
Zudem sei es bereits jetzt in Einzelfällen möglich, auf Bankdaten zuzugreifen und diese an die USA zu übermitteln.
Das Bankgeheimnis ist schon längst de facto abgeschafft, spätestens seit den Hartz - Gesetzen!
Vielleicht sollte man mal auflisten (Hallo WAZ !) welche deutschen Behörden sich jederzeit Zugriff auf die Kontendaten der Bürger bei den deutschen Banken und alle möglichen weiteren Daten verschaffen dürfen.
Die Naivität der Berichterstattung ist bestimmt nur ein versehen, oder ?
Diese ironische Anmerkung kann ich mir leider nicht verkneifen!
19:27
Hier entsteht der Eindruck die EU habe da irgendeine Sauerei ausgekaspert. Mir scheint eher, dass es sich um einen souveränen Alleingang des Präsidenten handelt. Erschwerend kommt hinzu, dass die Amtszeit des Herrn Barroso gerade abläuft. Also gibt es zwei Varianten: Entweder die (zumindest für ihn) absolut grauenhafte Vorstellung, dass der Mann demnächst irgend einer geregelten Beschäftigung nachgehen muss - oder eben die Wiederwahl. Um die abzusichern, muss man halt dem einen oder anderen guten Kumpel ein wenig entgegenkommen. Wer fragt in solch einer existenziellen Krise nach Pipifax wie Datenschutz oder Bürgerrechten?
19:17
Was gehen die Amis meine Bankdaten an ? Gar nichts!!
19:01
Wenn dieses Gesetz, mit Umgehung des komischen EU-Parlamentes WIRKLICHKEIT werden sollte, dann ist die EU für mich eine DIKTATUR und die kriegen das, was sie bei der letzten Wahl schon vom mir nicht bekommen haben: MEINE STIMME...
Zu gut Deutsch: EU-DIKTATUR NACH USA-WILLEN...