Bundespolizist unter Verdacht

Hannover..  Wegen Misshandlung von Flüchtlingen im Polizeigewahrsam ermittelt die Staatsanwaltschaft Hannover gegen einen Bundespolizisten. Der 39-Jährige soll in mindestens zwei Fällen inhaftierte Männer aus Afghanistan und Marokko gequält und gedemütigt haben, wie Oberstaatsanwalt Thomas Klinge gestern mitteilte. Ob es noch weitere Fälle oder weitere Täter gebe, sei offen. „Wir prüfen natürlich, ob auch andere Beamte was davon gewusst oder gar mitgewirkt haben“, betonte Klinge.

Einem NDR-Bericht zufolge sollen sich die Misshandlungen 2014 in den Gewahrsamszellen der Bundespolizei-Inspektion im Hauptbahnhof Hannover abgespielt haben. Am 9. März 2014 hätten Beamte einen 19-jährigen Flüchtling aus Afghanistan mit auf die Wache genommen. Der Mann sei wegen kleinerer Verstöße aufgefallen – unter anderem hatte er bei einer Überprüfung keinen Pass dabei. In der Zelle soll der Afghane dann von dem Beamten gewürgt und an seinen Fußfesseln durch die Wache geschleift worden sein. Später soll der Polizist in Handy-Kurzmitteilungen und auf Fotos mit seinen Taten angegeben haben.

Ein halbes Jahr später soll der Mann auch einen 19-jährigen Marokkaner misshandelt haben, der nach NDR-Recherchen in einem Zug ohne Fahrkarte aufgegriffen wurde. Auch in diesem Fall habe der Bundespolizist seine Taten mit seinem Handy dokumentiert. Dem Bild nach halten weitere Polizisten den Marokkaner fest. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.