Das aktuelle Wetter NRW 11°C
Luftsicherheit

Bundesluftwaffe fängt jeden Monat suspekte Flugzeuge ab

03.04.2012 | 10:54 Uhr
Bundesluftwaffe fängt jeden Monat suspekte Flugzeuge ab
Müssen häufig aufsteigen, um Flugzeuge abzufangen: die Jets der Luftwaffe.Foto: ddp

Essen.  Am Wochenende haben zwei EuroFighter der Bundesluftwaffe einen nigerianischen Privatjet abgefangen und auf dem Köln-Bonner Flughafen zur Landung gezwungen. Ursache: angeblich unklare Eigentumsverhältnisse des Flugzeugs. Doch solche Einsätze sind kein Einzelfall.

Sie müssen ran, wenn Gefahr aus der Luft droht: Der Start der Maschinen der Alarmrotte kommt „ein bis zwei Mal pro Monat vor“, sagt Luftwaffensprecher Markus Werther. Die Phantom und EuroFighter der Luftwaffenbasen im friesischen Wittmund und Neuburg an der Donau bekommen immer dann die Einsatzorder, „wenn es eine unklare Sicherheitslage gibt“, erklärt Werther.

Was das ist, wird meist in den Kontrolltürmen der deutschen Flughäfen entschieden. Haben die Lotsen eine in den Luftraum der Bundesrepublik einfliegende Maschine auf dem Radarschirm und können diese aber nicht identifizieren oder haben keinen Funkkontakt, ist der Anruf bei der Bundeswehr fällig.

Viel Wert legen sie bei den Alarmrotten auf Schnelligkeit

"Meist sind es kleine Cessna oder Piper“, sagt der Luftwaffensprecher - und meist gehen die Einsätze auch völlig undramatisch zu Ende, weil der Zivilpilot vergessen hat, die richtige Funkfrequenz einzustellen. Immerhin nähern sich die Kampfjets dem Cockpit des auffälligen Flugzeugs auf 100 bis 50 Meter, setzen sich daneben. Die Offiziere machen mit Handzeichen klar, dass sich der Pilot am Boden endlich melden muss.

Viel Wert legen sie bei den Alarmrotten auf Schnelligkeit. Jeweils zwei Maschinen stehen in Wittmund beim Jagdgeschwader 71 oder Neuburg beim Geschwader 74 in den Hangars. Die Piloten warten in speziellen Wachräumen. Die Vorschrift: Nach dem Eingang des Alarms müssen die Kampfjets binnen 15 Minuten in der Luft sein. Werther: „Meist schaffen wir das aber auch in zehn bis zwölf Minuten“.

Jet steht jetzt im Köln-Bonner Hangar

Einen richtig dramatischen Zwischenfall hat es in den letzten Jahren nicht gegeben. Allenfalls im Nachbarland Belgien ist mal eine „sehr schnelle“ und nicht identifizierte Regierungsmaschine aufgefallen. F-16 der Nato haben sie mit Überschallgeschwindigkeit abgefangen. Auch die Sache erwies sich am Ende als harmlos.

Wie der nigerianische Privatjet über dem Flughafen Köln/Bonn. Er steht dort mittlerweile im Hangar zur geplanten Inspektion. Die Eigentumsverhältnisse konnten schnell geklärt werden.

Dietmar Seher



Kommentare
03.04.2012
14:15
Bundesluftwaffe fängt jeden Monat suspekte Flugzeuge ab
von ultron | #4

zur Bildunterschrift: Die Phantom und EuroFighter der Luftwaffenbasen

Auf dem Foto ist zwar korrekterweise ein Eurofighter zu sehen, wer sich allerdings mit Flugzeugen nicht auskennt, könnte bei dem Bildtext glauben, "Die Phantom" wäre der Eurofighter. Die Phantom F4 war der Vorgänger des Eurofighters und wurde seit ca. 10 Jahren schrittweise durch diesen abgelöst.

zu #1 | von holmark: ich verstehe ihre Belustigung, für die Kampfpiloten ist eine Cessna oder Piper sicher ein Witz, aber auch im Cockpit eines Kleinflugzeugs könnten Typen sitzen wie die vom 11. September 2001, insofern sind solche
Einsätze schon angebracht.

4 Antworten
Bundesluftwaffe fängt jeden Monat suspekte Flugzeuge ab
von GregHouse | #4-1

Nur schade, daß die US-Flugsicherung am 11.9.2001 versagt hat. Welch ein Timing.

Nachtrag zu meinem Kommentar:
von ultron | #4-2

Wie ich sehe, hat die Redaktion auf meine Kritik an der Bildunterschfrift reagiert, Bravo! Fußnote: sowas kann man aber auch ganz leicht vorher recherchieren...;-)

@GregHouse | #4-1:
Schade ist gelinde ausgedrückt, doch wenn man den Ereignissen vom 9.11.01etwas Positives abgewinnen will, ist es sicherlich die seit dem - manchmal vielleicht übertrieben wirkende - Vorsicht der westlichen Welt, wenn sich etwas Verdächtiges im Luftraum tut. Ehrlich gesagt, ich möchte nicht in der Haut eines Piloten stecken, der den Befehl zum Abschuss einer nicht zu identifizierenden Zivilmaschine bekommt - auch wenn die Verantwortung dafür ein Oberbefehlshaber trägt.

Korrektur zu #4-2
von ultron | #4-3

Drehwurm: 9.11.01 sollte natürlich 11.09.01 heißen!

Bundesluftwaffe fängt jeden Monat suspekte Flugzeuge ab
von GregHouse | #4-4

"Schade" heißt absichtlich. Meinen Sie, die militärische Überwachung gibt es erst seit 2001? Die gibts seit "Pearl Harbour", aber nicht am 11.09.2001. Seltsam...

03.04.2012
13:32
Bundesluftwaffe fängt jeden Monat suspekte Flugzeuge ab
von wohlzufrieden | #3

Richtig gefährlich wird es im Herbst, wenn die Drachen aufsteigen...

03.04.2012
12:06
Bundesluftwaffe fängt jeden Monat suspekte Flugzeuge ab
von Sozi_aus_Hagen | #2

Was ist denn die Bundesluftwaffe? Noch nie was von gehört...

2 Antworten
Was ist denn die Bundesluftwaffe? Noch nie was von gehört...
von holmark | #2-1

Na, die Nachfolgeorganisation von Görings Reichsluftwaffe.

Bundesluftwaffe fängt jeden Monat suspekte Flugzeuge ab
von Dr.Seltsam | #2-2

Müssen aus der gleichen Ecke kommen, wie die Matrosen der Bundesmarine ;-)

Aber schon interessant der Artikel.
hätte nicht gedacht, dass es so viele Einsätze gibt..

03.04.2012
11:57
Meist sind es kleine Cessna oder Piper
von holmark | #1

Tapfere Jungs, die es mit diesen gefährlichen Flugzeugen aufnehmen. ;o)

Aus dem Ressort
Politik will Elite-Unis weiter fördern
Exzellenzinitiative
Hochschulen in NRW fürchten um die Spitzenforschung. Die vom Bund gestartete Exzellenzinitiative soll 2017 auslaufen. Sie hat Milliarden in die Forschung gespült. Künftig soll gespart werden - auf Kosten auch der Lehre, heißt es in den Hochschulen. Politiker plädieren für den Erhalt der Förderung.
Saarländische Ministerpräsidentin will weniger Bundesländer
Föderalismus
Sechs bis acht Bundesländer sind genug, findet die saarländische Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer. Aus 16 Ländern könnten dann sechs bis acht werden. Gerade die kleineren Länder ächzen unter Schulden. Eine Fusion könnte diese besser verteilen - und jährliche eine halbe Million Euro einsparen.
Briten und Polen bremsen beim Klima-Kompromissder EU
Klima-Gipfel
Nach zähem Ringen haben sich Europas Staats- und Regierungschefs am Freitagmorgen auf gemeinsame Ziele zur Drosselung der Treibhausgase geeinigt. Gipfelchef van Rompuy mahnte, der Klimawandel sei „eine Frage des Überlebens“. Trotzdem sind die Ziele bis zum Jahr 2030 nur unverbindliche Vorgaben.
Maut laut Dobrindt vor allem für große Transitstrecken
Verkehr
Die geplante Pkw-Maut soll den Grenzverkehr nach Worten von Verkehrsminister Dobrindt (CSU) nicht stören. Es gehe ihm vor allem um die großen Transitstrecken, sagte Dobrindt kurz vor der Vorlage seines Gesetzentwurfs. Dieser soll im Oktober vorgestellt werden - also spätestens bis kommenden Freitag.
NRW-Justiz veranlasst Finanz-Razzia bei Schweizer Banken
Finanz-Razzia
Polizeibeamte haben Dutzende Banken und Kanzleien durchsucht. Es geht um Geschäfte, durch die der deutsche Fiskus mutmaßlich Milliarden verloren hat. Die Konten etlicher Prominenter, wie Finanz-Unternehmer Carsten Maschmeyer, Veronica Ferres, Mirko Slomka und Clemens Tönnies könnten betroffen sein.
Umfrage
Vielen Deutschen könnte die Zeitumstellung gestohlen bleiben. Wir wüssten gerne von Ihnen: Was halten Sie von der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit?

Vielen Deutschen könnte die Zeitumstellung gestohlen bleiben. Wir wüssten gerne von Ihnen: Was halten Sie von der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit?