Bundeskartellamt verbietet Handels-Ehe von Edeka und Kaiser’s Tengelmann

Mülheim an der Ruhr.. Rund 16 000 Beschäftigte der Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann müssen mehr denn je um ihre Arbeitsplätze bangen. Das Bundeskartellamt hat gestern die geplante Übernahme der bundesweit 451 Filialen durch den Branchenführer Edeka untersagt. Wie es nun weitergeht für die Märkte und ihre Mitarbeiter, ist völlig offen.

Das Kartellamt begründete sein Veto mit der Gefahr steigender Preise und und sinkender Auswahl für die Verbraucher sowie Nachteilen für die Lebensmittel-Hersteller durch die wachsende Marktmacht von Edeka – mit 330 000 Beschäftigten bei weitem die größte deutsche Supermarktkette.

Kartellamtspräsident Andreas Mundt machte deutlich, wie aussichtlos die angemeldete Übernahme aus Sicht der Wettbewerbshüter gewesen sei: „Ich habe selten einen Fusionsfall gesehen, in dem wir so weit auseinandergelegen haben und die Chancen so gering waren, zusammenzukommen.“

Mit „Unverständnis und Enttäuschung“ habe man die Entscheidung zur Kenntis genommen, erklärte die Mülheimer Tengelmann-Gruppe. Sie führe „leider zu größter und vor allem vermeidbarer Unsicherheit“ bei den Mitarbeitern. Das 345 Seiten dicke Veto der Kartellwächter werde nun gründlich geprüft und das weitere Vorgehen „zeitnah“ festgelegt.

Den beim Kartellamt unterlegenen Unternehmen bleibt nun zum einen der juristische Weg – sie könnten vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf Beschwerde gegen das Nein der Bonner Behörde einlegen. Ein solcher Rechtsstreit dürfte Jahre dauern und damit die Ungewissheit für die Betroffenen verlängern. Vorsorglich forderte deshalb die Gewerkschaft Verdi gestern, Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub müsse „mit einer tragfähigen Strategie dafür sorgen, dass Kaiser’s Tengelmann in der Zwischenzeit erfolgreich weitergeführt werden kann“.

Möglich wäre auch ein Gesuch um eine so genannte Ministererlaubnis: Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel könnte das Veto des Kartellamts qua Amt außer Kraft setzen. Die Aussichten gelten als gering, laut Manager Magazin wollen die Unternehmen es aber versuchen.