Das aktuelle Wetter NRW 11°C
Sozialpolitik

Bund soll laut Jäger Hälfte der Soziallasten tragen

05.08.2012 | 17:24 Uhr
Bund soll laut Jäger Hälfte der Soziallasten tragen
NRW-Innenminister Ralf Jäger

Düsseldorf.  Die angespannte Haushaltslage vieler Städte wird durch explodierende Sozialkosten weiter verschlechtert, sagt NRW-Innenminister Jäger. Er fordert deshalb, dass künftig der Bund die Hälfte dieser Ausgaben abdeckt. Allein in Nordrhein-Westfalen überstiegen sie die Rekordmarke von 13 Milliarden Euro.

Die angespannte Haushaltslage vieler Städte an Rhein und Ruhr wird durch explodierende ­Soziallasten erneut verschlechtert. „Sie bleiben ein Hauptproblem für die finanzielle Schieflage in den Kommunen“, sagte NRW-Innen­minister Ralf Jäger (SPD) der WAZ.

Bundesweit hätten sich die kommunalen Sozialkosten von 2010 bis 2011 um eine Milliarde auf 43 Milliarden Euro erhöht. Allein in NRW hätten sie die Rekordmarke von über 13 ­Milliarden Euro erreicht.

Jäger verband seine Bilanz mit deutlicher Kritik an der Bundes­regierung. Sie verschärfe die Finanzmisere der Städte und Gemeinden. „Ein Ende dieser bedrohlichen ­Entwicklung ist nicht absehbar“, sagte er. Die Anfang August vom Bundeskabinett beschlossene Übernahme der Kosten für die Grund­sicherung im Alter und bei Erwerbsminderung in Höhe von vier Milliarden Euro reiche bei weitem nicht aus. Vielmehr müsse sich der Bund zur Hälfte an den gesamten Soziallasten beteiligen.

Große Einigkeit aller Fraktionen im Landtag

Mit dieser Forderung stützt sich der Innenminister auf einen einstimmigen Beschluss des Landtags. Auch die kommunalen Spitzenverbände kritisieren, dass wachsende Sozialbudgets ihre ohnehin knappen ­Finanzspielräume einengen. Bei der Eingliederungshilfe für behinderte Menschen wuchsen die Ausgaben der NRW-Kommunen innerhalb eines Jahres um 130 Millionen auf 3,3 Milliarden Euro.

„Diese Kosten belasten immer noch die kommu­nalen Etats und treiben die Schulden in die Höhe“, so Jäger. Die für die nächste Legislaturperiode vom Bund zugesagte Neuregelung komme für die Städte zu spät.

Berlin fühlt sich „genervt“ durch die „Nörgelei“ an der Basis

Union und FDP in Berlin „nervt“ offenbar die anhaltende „Nörgelei“ aus den Kommunen, berichtet der „Spiegel“. Bundesinnenminister Schäuble (CDU) sei deshalb in der jüngsten Kabinettssitzung beauftragt worden, möglichst rasch eine Übersicht aller finanziellen Leistungen zu erstellen, die den Städten über die Länder zugeleitet wurden.

„Das zeigt, dass die Bundesregierung den Ernst der Lage offenbar nicht erkannt hat“, so Jäger. Schäuble sollte besser auflisten, welche Kosten der Bund den Kommunen im Laufe der Jahre aufgebürdet habe.

Theo Schumacher



Kommentare
06.08.2012
13:05
Bund soll laut Jäger Hälfte der Soziallasten tragen
von JanundPitt | #14

Die Versorgung Bedürftiger ist eine Gemeinschaftsaufgabe und sollte daher auch vom Bund zentral geleistet werden.
Richtig ist, was kikimurks | #8 anmerkt: "Zunächst müssen also die Aufgaben zugeordnet werden, dann kann man auch die Mittelverteilung definieren."
Da die Innenpolitik allerdings noch nie zu Merkels Interessengebieten gehört hat, können wir darauf wohl bis zum Jüngsten Tag warten.

06.08.2012
12:56
Bund soll laut Jäger Hälfte der Soziallasten tragen
von LilaLatzhose | #13

Wann immer ich mich mal in ländlichen Gegenden aufhalte, kommt es mir vor als wäre ich in einem anderen Staat. Und ich kann auch dann nachvollziehen, warum einem dort die Großstadtprobleme -Ruhrgebietsprobleme- so unwirklich vorkommen. Hier in den Ruhrgebietsstädten entsteht eine immer größere Parallelgesellschaft, immer mehr Personen, die in Sozialsysteme einwandern, sind in den Großstädten. Wenn in ländlichen Bereichen keine Arbeit ist, zieht es auch diese Personen in die Städte.
Und die Wirklichkeit ist dann so, dass die Kommunen unter der Pflichtleistung sozialer Leistungen: Engliederungshilfe (die Umlage an den LWL zahlen ja auch die Städte), Grundisicherung, Heimpflegekosten. Asylblg, zusammenbrechen. Da gibts dann nichtszu sparen bzw sparen man nur bei den freiwilligen Leistungen und die kriegt immer der Bürger zu spüren und das Geschrei istt -zu Recht- groß. Die Stelle sollte die Hauptlast der Lesitungen tragen, die auch die Gesetze erlässt.

06.08.2012
11:53
Bund soll laut Jäger Hälfte der Soziallasten tragen
von guentherschmalza | #12

Hat Schäuble jetzt ein neues Ministerium ?

06.08.2012
10:52
Bund soll laut Jäger Hälfte der Soziallasten tragen
von wolfgang123 | #11

Immer das Gleiche: NRW ist unfähig zu sparen, also schreit man nach Geld aus Berlin. Dumm nur, dass andere Länder durchaus mit dem auskommen, was aus Berlin überwiesen wird.

Vielleicht liegt es doch an der unfähigen SPD-Politik in Düsseldorf?

2 Antworten
Bund soll laut Jäger Hälfte der Soziallasten tragen
von randori20 | #11-1

Nee, es liegt daran, das die Regierung Kohl in den 1980-ern, die Kosten der Arbeitslosigkeit vom Bund auf die Kommunen abgewälzt hat. Seitdem mussten die Kommunen also den Bundeshaushalt mit vielen Millirden Euro subventionieren.

Bund soll laut Jäger Hälfte der Soziallasten tragen
von kikimurks | #11-2

Im Prinzip gebe ich Ihnen Recht, dass NRW, oder besser die Rot-Grüne NRW Regierung, unfähig ist einen ordentlichen Haushalt zu erstellen, allerdings ist es im Falle der Sozialkosten tatsächlich so, dass immer mehr Verantwortung auf die Kommunen abgewälzt wurde ohne einen angemessenen finanziellen Ausgleich zu schaffen. Da ist, ausnahmsweise, nicht das Land der Schuldige. Insoweit hat Jäger nicht ganz unrecht.

06.08.2012
09:13
Ein Budget, ein Budget
von somjotien | #10

geistert durch das Hirn. Es ist auf der Suche nach Abnehmern, aber die Synapsen sagen: Nö.

Was ist ein Budget? Was ist ein Budget?, fragt der Quizmaster prompt. - Habe ich nicht aufgepasst, juxt der Reporter, und bietet ihm die Stirn.

05.08.2012
22:57
Bund soll laut Jäger Hälfte der Soziallasten tragen
von Dalle | #9

Wie sind die Soziallasten denn aufgeschlüsselt ?

05.08.2012
21:06
Bund soll laut Jäger Hälfte der Soziallasten tragen
von kikimurks | #8

Was wir nicht brauchen ist ein Herumgebastele wie es Jäger fordert. Was wir brauchen ist eine finanzielle Neuaufteilung der Finanzen. Die Steuern müssen nach Aufgaben verteilt werden. Wenn es sich um eine Bundesaufgabe handelt, so hat der Bund die Lasten zu 100% zu tragen, das Land die Kosten aus Länderaufgaben und die Kommunen die Lasten, die aus deren Aufgaben entstehen. Zunächst müssen also die Aufgaben zugeordnet werden, dann kann man auch die Mittelverteilung definieren. Aber zu einer solch großen Aufgabe ist unsere Politik schon (zu) lange nicht mehr fähig.

05.08.2012
20:44
Bund soll laut Jäger Hälfte der Soziallasten tragen
von wkah | #7

http://www.derwesten.de/politik/nrw-hat-rund-300-millionen-euro-mehr-sozialhilfe-gezahlt-id6938126.html

passt gut dazu

05.08.2012
20:41
Bund soll laut Jäger Hälfte der Soziallasten tragen
von wkah | #6

Ich habe immer gedacht, viele sind dafür, die Politik solle sich bei der Lohnfindung raus halten.
Was hat dann ein Herr Jäger (oder jeder andere Politiker mit dem "guten Geld zu vernünftigen Löhnen" zu tun.

Da liegt nämlich tatsächlich eines der Hauptprobleme.

1 Antwort
Bund soll laut Jäger Hälfte der Soziallasten tragen
von wkah | #6-1

hinter das Wort Politiker gehört natürlich )

05.08.2012
20:35
Bund soll laut Jäger Hälfte der Soziallasten tragen
von xxyz | #5

Ich kann den Innenminister gut verstehen. Seit 2 Jahren ist er im Amt und versucht mit seiner Regierung alles, die Ausgaben zu senken, Ministerien zu verkleinern, Arbeit zu schaffen usw.

In NRW gibt es blühende Landschaften dank der guten rot/grünen Regierung. Insbesondere im Ruhrgebiet wird gutes Geld zu vernünftigen Löhnen verdient. Die Regierung zeigt ihre Wirtschaftskompetenz, so dass Unternehmen das Land als Standort suchen.

Sorry, ich hatte etwas verwechselt. Hr. Jäger ist ja aus NRW. Hier ist die Sicherheitslage ja so, dass nur die internationale organisierte Kriminalität hervorragende Standortbedingungen findet.

Wann kümmert sich der Minister endlich um seine Kernaufgabe statt fast jeden Tag ein neues Thema zu kommentieren und Geld von anderen zu fordern?

Aus dem Ressort
Furcht vor islamistischen Einzeltätern in Deutschland
Attentat
Die Schüsse im kanadischen Parlament hallen in Deutschland nach. Die Bundesregierung geht von einer „hohen Gefährdung“ aus, die seit einiger Zeit wächst. Sie sei derzeit aber nicht konkret. Die Sicherheitsbehörden schließen islamistische Anschläge vor allem durch Einzeltäter nicht aus.
Terrormiliz IS verdient mit Öl täglich eine Million Dollar
IS-Terror
Erpressung, Plünderung und Handel auf dem Öl-Schwarzmarkt: Auf illegalen Wegen verdient der Islamische Staat Millionen und kann so seinen Krieg finanzieren. Das jedenfalls behaupten die USA. Die USA wollen den Islamisten nun die Geldhähne zudrehen.
Kanada verschärft nach Attentat Anti-Terror-Gesetze 
Terrorismus
Auch einen Tag nach dem Attentat im Regierungsviertel der kanadischen Hauptstadt Ottawa ist das Motiv des Täters offen. Die Polizei geht mittlerweile davon, dass es sich um einen Einzeltäter handelte. Kanadas Premierminister kündigte unterdessen Reaktionen an.
NRW liegt bei direkter Demokratie weit hinter Bayern
Mitbestimmung
Von den Bayern lernen – das gilt auch in Sachen direkter Demokratie von unten. Nirgendwo sonst dürfen die Bürger vor Ort so viel mitreden. Nordrhein-Westfalen hinkt dagegen weit hinterher, und zwar nicht nur bei der Zahl der einzelnen Bürgerbegehren.
Polizei streitet über Einsätze beim Fußball
Fan-Gewalt
Nach Krawallen in Gelsenkirchen spaltet die Frage, wie viele Beamte bei Fußballspielen gebraucht werden, die Polizei. Die Polizeigewerkschaft DPolG stützt die Linie von NRW-Innenminister Jäger, zu Nicht-Risikospielen weniger Polizei zu schicken. Die Gewerkschaft GdP hält das Projekt für gescheitert.
Umfrage
Vielen Deutschen könnte die Zeitumstellung gestohlen bleiben. Wir wüssten gerne von Ihnen: Was halten Sie von der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit?

Vielen Deutschen könnte die Zeitumstellung gestohlen bleiben. Wir wüssten gerne von Ihnen: Was halten Sie von der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit?