Bund hilft Eltern, wenn Kinder radikale Islamisten werden

Radikale Islam-Gruppen bekommen immer mehr Zulauf. Eine Beratungsstelle schafft Abhilfe.
Radikale Islam-Gruppen bekommen immer mehr Zulauf. Eine Beratungsstelle schafft Abhilfe.
Foto: Getty Images
Was wir bereits wissen
Wenn Jugendliche nicht nur rebellieren, sondern plötzlich radikale Meinungen vertreten, wissen Eltern oft nicht, was sie tun sollen. Die "Beratungsstelle Radikalisierung" will ihnen helfen. Jetzt startet eine große Werbekampagne, die vor allem muslimische Familien ansprechen soll.

Berlin.. Mit emotionalen Plakaten will das Bundesinnenministerium bei Muslimen für seine Anlaufstelle gegen die islamistische Radikalisierung Jugendlicher werben. Die auf Deutsch und Türkisch verfassten Plakate sind im Stil von Vermissten-Meldungen gestaltet. Sie sollen ab Montag in Sozialen Netzwerken wie Google und Facebook verbreitet werden.

Ab dem 21. September werden sie dann in vor allem von Migranten bewohnten Stadtvierteln für die Beratungsstelle werben - zunächst in Berlin, Bonn und Hamburg. Das sagte Ministeriumsreferentin Barbara Slowik am Freitag in Berlin.

Mitarbeiter sprechen Arabisch und Türkisch

Die "Beratungsstelle Radikalisierung" wurde im Rahmen der gemeinsam mit muslimischen Verbänden vom Innenministerium gestarteten Initiative Sicherheitspartnerschaft im Januar gegründet. Bei der Anlaufstelle können sich Eltern, Angehörige, Freunde oder Lehrer melden, wenn sie bei jungen Menschen Veränderungen bemerken, die auf eine islamistische Radikalisierung hindeuten.

Mitarbeiter der beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) angesiedelten Stelle sprechen auch Arabisch oder Türkisch. Die Beratungsstelle ist telefonisch oder per E-Mail erreichbar.

Bislang melden sich vor allem deutsche Eltern

Nach den Worten Slowiks haben sich bislang vor allem deutsche Eltern an die Anlaufstelle gewandt, etwa wenn ihre Kinder heimlich zum Islam konvertiert seien. Etwa 20 Fälle seien derzeit in Bearbeitung.

Bei Migranten indes sei die Hürde oft hoch, sich an eine deutsche Behörde zu wenden. "Es ist uns ein großes Anliegen, mehr auch bei muslimischen Eltern Akzeptanz zu finden", sagt die Terrorismus-Expertin. Der emotionale Charakter der Plakate mit der Überschrift "Vermisst" solle deutlich machen, "dass es uns alle betrifft, wenn wir junge Menschen an Radikale verlieren".

Ausgebaut wird nach den Worten Slowiks derzeit noch das bundesweite Netzwerk aus Hilfsangeboten, in dem sich Ratsuchende weitere Unterstützung holen können. Wenn ein Fall eine "konkrete Gefährdungslage" vermuten lasse, würde den Betreffenden in der Beratungsstelle aber auch empfohlen, sich an die Ermittlungsbehörden zu wenden, sagte Slowik.

Behörden befürchten vermehrte Radikalisierung durch Salafisten

Mit der etwa 300.000 Euro teuren Kampagne will das Innenministerium unter anderem auch Anzeigen in türkischen Zeitungen und Jugendmagazinen schalten. Auch muslimische Verbände - darunter der Zentralverband der Muslime - hätten zugesagt, für die Beratungsstelle zu werben. Am 25. September plant die Initiative Sicherheitspartnerschaft in Berlin ein Symposium mit 150 Teilnehmern zum radikalen Salafismus, an dem auch muslimische Verbände teilnehmen.

Radikale Salafisten hatten in den vergangenen Monaten für Aufregung gesorgt, weil sie in deutschen Städten Korane verteilten. Sie wollen damit vor allem bei jungen Menschen für ihre Auslegung des Islam werben. Die deutschen Behörden fürchten, dass die Aktivitäten zur Radikalisierung Jugendlicher beitragen könnten. (afp)