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Beschneidung

Bündnis gegen Beschneidung fordert breite Debatte

12.09.2012 | 17:31 Uhr
Bündnis gegen Beschneidung fordert breite Debatte
Am Wochenende forderten Demonstranten in Berlin bei einer Kundgebung das Recht auf Beschneidung. Kinderärzte und Menchenrechtsverbände sehen dies aber kritisch. Sie sehen darin eine strafbare Körperverletzung.Foto: dapd

Berlin.   Die Deutsche Kinderhilfe warnt vor einer überstürzten Legalisierung religiöser Beschneidungen bei kleinen Jungen. Der Verband appelliert an die Politik, sich zwei Jahre Zeit für eine breite gesellschaftliche Debatte über das ethisch umstrittene Thema zu nehmen. Ein Runder Tisch mit Religionsvertretern und Sachverständigen sei das richtige Gremium dafür.

In der Diskussion um rituelle Beschneidungen von Jungen verlangt ein Bündnis aus Kinderärzten, Menschenrechtsverbänden und der Deutschen Kinderhilfe die Einrichtung eines „Runden Tisches“: „Wir wollen verhindern, dass ein schnelles Gesetz die gesamte Debatte abwürgt“, so die Initiatoren.

Im Auftrag des Bundestags soll Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) so schnell wie möglich Rechtssicherheit schaffen und religiöse Beschneidungen in Deutschland grundsätzlich straffrei stellen. Das Bündnis dagegen fordert zwei Jahre Zeit für die gesetzliche Neuregelung.

Rituelle Beschneidung von Jungen ist Körperverletzung

Nach dem Vorbild des Runden Tisches zum Sexuellen Missbrauch soll, so die Forderung, eine Expertenkommission mit juristischen, religiösen und ärztlichen Vertretern Vorschläge erarbeiten. „Es muss am Ende ein Gesetz geben“, so Georg Ehrmann von der Deutschen Kinderhilfe, „aber wir wollen, dass es dazu vorher eine breite gesellschaftliche Debatte gibt.“ Dass die rituelle Beschneidung von Jungen Körperverletzung sei und damit eine Straftat – darin sind sich die Unterzeichner einig.

Beschneidung
NRW-Justizminister fordert Einigung

NRW-Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) hat die passive Haltung der Landesregierung im Rechtsstreit um religiös motivierte Beschneidungen verteidigt. Gleichzeitig fordert er eine schnelle Einigung für einen Gesetzesentwurf von Bundesjustizministerin Leutheusser-Scharrenberger (FDP).

Religionsfreiheit kontra kindliche Unversehrtheit: Es ist eine hochbrisante Debatte. Der Antisemitismus-Vorwurf steht im Raum. Das Bündnis hat sich deshalb abgesichert: „Juden sollten nicht wegen der Vergangenheit alle Kritik abblocken“, so Mitunterzeichner Eran Sadeh, der sich als Jude in Israel gegen Beschneidung einsetzt. „Wir sollten den Fakten Raum geben.“ Ein Drittel der jüdischen Eltern würde der Beschneidung nur wegen des gesellschaftlichen Drucks zustimmen.

Gegen den Heilauftrag

Menschenrechtler warnen dagegen vor allem davor, Mädchen und Jungen ungleich zu behandeln: „Ich frage mich, wie die Justizministerin ein Gesetz machen will, dass die rituelle Beschneidung von Jungen erlaubt, während sie das bei Mädchen verbietet“, so Irmingard Schewe-Gerigk von der Menschenrechtsorganisation Terre des Femmes.

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Regierung will ein Beschneidungs-Gesetz

Religiös motivierte Beschneidung ist Körperverletzung, urteilte das Kölner Landgericht im Juni - und trat damit eine Debatte los, die weltweit für Aufsehen sorgte. Jetzt gibt es in Berlin eine Übergangsregelung. Sie stößt auf Kritik. Die Bundesregierung reagiert und verspricht Klarheit.

Für den Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte stehen rituelle Beschneidungen „im krassen Widerspruch zu unserem Heilauftrag“. Matthias Franz, Psychologe an der Düsseldorfer Uniklinik, sorgt sich darüber hinaus um die Langzeitfolgen: Die Beschneidung von Jungen sei „ein steinzeitliches, patriarchalisches Ritual“, die für die betroffenen Jungen „traumatisch“ sein könne.

Julia Emmrich

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