Interview
Bsirske: "Wir brauchen einen Systemwechsel"
18.08.2009 | 07:20 Uhr 2009-08-18T07:20:00+0200
Dortmund. Bundeswirtschaftsminister zu Guttenberg gerät wegen des Industriekonzepts jetzt auch in den Fokus der Gewerkschaften. Der Vorsitzende der Gewerkschaft Verdi, Frank Bsirske, bezeichnete das Papier im Gespräch mit der WR als „dilettantisches Konzept der sozialen Kälte und Unbelehrbarkeit”.
Nach einer Studie des Berliner DIW haben die Gewerkschaften bei den Trifrunden der Jhre 2004 bis 2008 - in Zeiten des Wirtschaftswachstums also - den "Verteilungsspielraum" nicht ausgenutzt, sondern niedrigere Lohnerhöhungen als nötig hingenommen. Ziehen Sie sich diesen Schuh für Verdi an?
Frank Bsirske: An dem Faktum gibt es nichts zu deuteln. Die Tatsache, dass in einer Phase des Aufschwungs die Reallöhne sinken, ist eine Sonderentwicklung in Europa, die sehr ernst genommen werden muss. Hinzu kommt, dass sich die Kräfteverhältnisse in dieser Gesellschaft für die Arbeitnehmer ungünstig entwickelt haben.
Das DIW macht für die konstatierten Reallohnverluste eine ausgesprochene Schwäche der Gewerkschaften verantwortlich.
Bsirske: Ja natürlich bringt der Verlust bei den Reallöhnen eine Schwäche der Gewerkschaften zum Ausdruck. Man sollte schließlich erwarten, dass in einer Aufschwungphase auch die Reallöhne wachsen Dies ist die Regelentwicklung um uns herum ist. Tatsache ist, dass bei uns der Niedriglohnsektor mittlerweile größer ist als der in Großbritannien. Dazu kommt die Besonderheit, dass wir bei uns einen Armutslohnsektor haben, wie wir ihn praktisch sonst nirgendwo in Westeuropa antreffen. Mit rund 2 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, die für Stundenlöhne unter 5 Euro brutto arbeiten. Das ist arbeitende Armut. Nirgendwo ist dieser Armutslohnsektor dermaßen rasant gewachsen, nirgendwo gibt es einen so ausgeprägten Armutslohnsektor. Sonst gelten in Westeuropa durchgängig gesetzliche Mindestlöhne zwischen 8 und 9 Euro. Das sind Lohnuntergrenzen, von denen Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bei uns nur träumen können.
Wirtschaftsminister zu Guttenberg fordert in seinem Industrie-Konzept eine weitere Flexibilisierung des Arbeitsmarktes, macht Front gegen Mindeslöhne und will die Befristungsregeln im Arbeitsrecht "entschärfen"? Was antworten Sie ihm?
Bsirske:Er durchkreuzt damit die generelle Wahlkampfstrategie der CDU, die darauf angelegt ist zu verbergen, dass wir soziale Kälte zu erwarten haben, wenn das umgesetzt wird, was die CDU an Konzepten längst in der Schublade hat. Zu Guttenbergs Einlassungen sind daher verräterisch und gleichzeitig vielsagend. Das ist die Politik, die dazu geführt hat, dass Deutschland Schlusslicht bei den Reallöhnen ist. Es ist doch offensichtlich, dass mit einer weiteren Flexibilisierung der Arbeitsverhältnisse und dem Kampf gegen Mindestlöhne noch mehr Menschen in die Armut gestoßen werden sollen. Das ist ein Konzept der sozialen Kälte und der Unbelehrbarkeit - und noch dazu so dilettantisch, das selbst die Kanzlerin merken wird, dass es gegen ihre eigenen Interessen gerichtet ist. Das Gefährlichste ist allerdings, dass uns die Löhne auf breiter Front einbrechen. Sie waren immer der Damm für Deutschland vor einer deflationären Entwicklung, wie wir sie beispielsweise in Japan seit mehr als einem Jahrzehnt erleben.
Werden Sie mit Blick auf den 27. September für Verdi noch eine Wahlempfehlung aussprechen?
Bsirske:Wir werden empfehlen, eine klare Position zu beziehen: Stimmen Sie für den Mindestlohn! Unsere Wahl-Kampagne verleiht den Menschen mit Armuts- und Mindestlohn eine Stimme. Wir wollen die Menschen dazu bewegen, dass sie zur Wahl gehen und ihre Wahlentscheidung davon abhängig machen, wie sich die einzelnen Parteien zum Mindestlohn stellen, ob sie ihn befürworten oder ablehnen. Wir werden empfehlen, die, die den Mindestlohn ablehnen, nicht zu wählen. Arbeit darf nicht arm machen und Arbeit darf nicht entwürdigen.
Also keine Wahlempfehlung?
Bsirske:Keine! Wir werben für eine Wahlentscheidung in der Sache, für einen zentralen Inhalt. Wir werben nicht für eine Partei. Es ist allerdings offenkundig, dass Schwarz-Gelb strikt gegen die Einführung eines Mindestlohns und damit nicht wählbar ist.
Was ist Ihre Politik-Vision für die kommenden Jahre?
Bsirske:Wir müssen hart arbeiten an der Überwindung der Wirtschafts- und Finanzmarktkrise, die auf keinen Fall ausgestanden ist. Zu befürchten ist, das uns auf dem Arbeitsmarkt das gröbste noch bevor steht. Wir sollten den Neuanfang verbinden mit einem sozial-ökologischen Umbau der Strukturen in der Gesellschaft. Mit massiven Investitionen in Bildung, Umwelt und öffentlicher Infrastruktur. Wir müssen uns klar machen, das Deutschland bei den Bildungsausgaben auf Platz 25 der EU steht und nur die Slowakei und Griechenland noch weniger ausgeben, gemessen am Bruttoinlandsprodukt. Es muss viel mehr gemacht werden als bisher. Es geht nicht nur um Investitionen in Beton, sondern auch in Köpfe.
Braucht es eine Systemveränderung?
Bsirske:Wir brauchen einen Systemwechsel, weil wir mit der Finanzmarktkrise und der Weltwirtschaftskrise gewissermaßen den Bankrott der gesellschaflichen und wirtschlichen Leitbilder der letzten 20 - 30 Jahre erleben müssen. Es wurden Deregulierung und Privatisierung beschworen und dabei das hohe Lied des Profits gesungen. Und die Verluste werden jetzt sozialisiert. Die Frage ist, wie die Überwindung der Krise und wie die Investitionen in einen sozialökologischen Umbau mit mehr sozialer Gerechtigkeit in der Gesellschaft finanziert werden sollen. Wir müssen viel stärker die Profiteure der Krise zu den gesellschaftlichen Aufgaben heranziehen. Das gilt zum Beispiel für die Besteuerung großer Vermögen und Erbschaften.
Welche politische Konstellation wünschen Sie sich?
Bsirske: Wenn das Guttenberg Papier als Referenz gilt, dann keine schwarz-gelbe Koalition, denn die steht für eine politisches Weiter-So.
Sie haben Kritik am Deutschland-Plan von Frank-Walter Steinmeier geübt...
Bsirske: Ich begrüße das Ziel der SPD, die Bekämpfung der Massenarbeitslosigkeit zur zentralen Politik zu machen. Außerdem begrüße ich die Schaffung neuer Arbeitsplätze im Zusammenhang mit der Klimakrise. Das ist geeignet zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise und Finanzmarktkrise aber auch der Hungrkrise in Ländern des Südens. Was wir brauchen ist eine Effizienzrevolution, ist eine Politik der Entkopplung von Ressourcenverbrauch und Wirtschaftswachstum. Anders können wir die Klimaverschärfung nicht beseitigen. Es ist das erste Mal, dass die Menschheit in ihrer Geschichte eine Entscheidung als Gattung treffen muss, weil diese Klimaentwicklung eine Menschheitsbedrohung ist.
Zu Guttenberg soll sich schämen, dass er sich solche Ziele erst gar nicht setzt. Das es auch für Steinmeier ein Glaubwürdigkeitsproblem gibt, wenn er jetzt acht Wochen vor der Wahl mit einem solchen Konzept an die Öffentlichkeit tritt, nachdem elf Jahre an der Regierung war, ist klar. Aber besser jetzt als gar nicht.

11:14
Das Bsirske ein Dummschwätzer ist, ist allgemein bekannt. Das er sich aber im Wahlkampf den Linken anschließt ist neu. Endlich ist der Sack auf und die hässliche Fratze des Kommunismus lässt grüssen.
21:20
Hmm, mal eine Frage; immerNett haben sie schon mal gearbeitet? Von Politik verstehen sie jedenfalls nichts und das jeden Tag aufs neue!
17:14
denkende
17:13
Ich lach mich weg, bist du immer noch im Klassenkampf? Die Gewerkschaftsfuzzis wahrscheinlich immer. Lieber eine denke Stirn als ein Mann der Faust.
17:02
Für wie dumm halten Sie eigentlich die Menschen ?
Wie man hier unschwer nachlesen kann, für sehr dumm.
Da wird jemand beschimpft von Leuten, die wahrscheinlich nie einen Cent in die Gewerkschaft gezahlt haben.
Von Typen die nur die Errungenschaften in Jahrzehnten Streik und Kampf der Gewerkschaften nutzen.
Da wird dumm herumgesabbert, ohne Hirn und Verstand.
blinker5902
16:10
Apparatschiks, Gewerkschaftler, Schwätzer, Linke, alles besser wissen wollen sind nicht wählbar würden sie sich zur Wahl stellen. Daher linke Genossen NEIN DANKE.
12:54
Mit seinen Analysen hat Bsirske ja recht,nur die Gewerkschaft sorgt sich in keiner Weise um ihre Mitglieder.
12:07
Noch vor einigen Wochen wurde von Herrn Hundt den Gewerkschaften “tarifpolitische Vernunft“ in der Vergangenheit bescheinigte. Dieses klang geradezu zynisch vor dem Hintergrund der Reallohnentwicklung in Deutschland!
Denn genau diese „Vernunft“ hat dazu geführt, dass seit Anfang 2000 Deutschland das Schlusslicht bei der Reallohnentwicklung in Europa ist!
Nicht zuletzt auch wegen dieser „Vernunft“ stürzte die bereinigte Lohnquote (d.h. die Arbeitnehmerentgelte am Volkseinkommen) allein im Zeitraum 2000 bis 2008 - wohlgemerkt, bei steigendem Volkseinkommen(!) - von 72,2 % auf 65,2 % ab.
In Deutschland lebten nach dem 3. Armutsbericht der Bundesregierung in 2005 13 % der Menschen unter der Armutsgrenze. Weitere 13 % wurden nur durch staatliche Transferleistungen vor dem Sturz unter die Armutsgrenze bewahrt. (Ergänzender Hinweis, der 3. Armutsbericht der Bundesregierung trifft diese Aussage in 2008 für das Jahr 2005!)
Nach einer aktuellen Studie liegen 6,5 Millionen ArbeitnehmerInnen mit Ihrem Lohn unterhalb der Niedriglohnschwelle! D.h. ArbeitnehmerInnen verdienen zum Teil noch nicht einmal die von den Gewerkschaften zu recht geforderten 7,50 Euro brutto/Std..
Einer Mindestlohnhöhe, der sich im Übrigen die CDU/CSU aus nicht nachvollziehbaren Gründen immer noch beharrlich verschließt!
Jahrelang wurde von Gewerkschaften (wie auch den Sozialdemokraten) gefordert ArbeitnehmerInnen am Erfolg des Unternehmens angemessen zu beteiligen.
In Zeiten der sprudelnden Unternehmensgewinne, stellte diese Form der Ergebnisbeteiligung, jedoch keine Grundlage für eine Diskussion seitens der Arbeitgeberverbände dar!
Nun, da absehbar die Gewinne nicht mehr sprudeln, da kommt die Arbeitgeberseite auf die Idee die ArbeitnehmerInnen adäquat am Misserfolg zu beteiligen!
Wobei dieses Konzept so einfach wie nur möglich gehalten ist: LOHNSENKUNG (Kostet den Arbeitgebern nichts und stabilisiert wieder deren Gewinne!).
An diesem Beispiel sieht man dann mal wieder prägnant, wie ausgeprägt das soziale Gewissen und das Verständnis für soziale Gerechtigkeit bei einem Teil der selbsternannten Leistungsträgern der Gesellschaft tatsächlich ist!
Vielleicht, hat Bsirkse doch recht....
11:45
Mister B. der Gewerkschaften. Vorne von der Tatsache Wir müssen hart arbeiten rden und hinten in der 1. Klasse in den Luxusurlaub fliegen und mal eben was weiss ich 20000 Euro verprassen.
Haut mir mit den Gewerkschaftsonkels und Tanten ab. Die machen sich auf den Pöstchen in den Aufsichtsräten nur selber die Taschen voll, oder liegen die Tantiemen nicht u.U. bei 10.-15.15 oder 20.000 Euro und mehr pro Jahr???
Was der zu Guttenberg macht ist wenigstens ein Versuch etwas zu verändern. Herr B. und seine Genossen können immer nur kritisieren, eigenen Vorschläge die was bringen, außer die ständigen Forderungen nach mehr und mehr.
Gewerkschaften haben sich überholt. Weg damit und vorallem wegn mit den hohen Vergütungen für diese Leute damit die mal wieder merken wie es ist zu arbeiten dies freigestellten Personalrats und Betriebsratstypen.
11:30
Super - nie oder schon lange nicht mehr in einer Gewerkschaft gewesen.
Aber wissen wollen, was los ist.
www.gutes-leben.de
Nicht nur Verdi sondern auch die IG Metall fordert den Systemwechsel, gibt keine Wahlempfehlungen und macht selber Politik.
UND WENN MÜNTE NOCH SO SCHÄUMT.
Mindestlohn - gleicher Lohn für gleiche Arbeit - Weg mit Hartz IV - weg mit der Rente ab 67.
Dann klappt es auch wieder zwischen uns.
Den anderen wünsche ich nochmal 16 Jahre Schwarz-Gelb. Mit SOLI - die Rente ist sicher - zur Pflegeversicherung gibt es keine Alternative......etc. pp.