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Bruder von Gudrun Ensslin fordert neue Todesuntersuchung

18.10.2012 | 18:00 Uhr
Bruder von Gudrun Ensslin fordert neue Todesuntersuchung
Am 18. Oktober 1977 starben die RAF-Terroristen Jan-Carl Raspe (v.l.), Gudrun Ensslin und Andreas Baader (Bilder vom Mai 1977) in Stuttgart-Stammheim.

Berlin.   RAF-Terroristin Gudrun Ensslin hat sich vor 35 Jahren in ihrer Zelle in Stammheim erhängt. Ihr Bruder Gottfried bezweifelt die offizielle Version. Er beantragte bei der Staatsanwalt Stuttgart, den Todesfall erneut zu untersuchen.

35 Jahre nach dem Tod der RAF-Terroristin Gudrun Ensslin in der Haftanstalt von Stammheim hat ihr Bruder am Donnerstag bei der Staatsanwaltschaft in Stuttgart beantragt, die Umstände neu zu untersuchen, unter denen Ensslin und zwei weitere Gefangene damals in Stammheim ums Leben kamen.

„Die Schlussfolgerung, dass hier Selbstmord vorliegt, kann so nicht stimmen“, sagte Gottfried Ensslin in Berlin und verwies auf „Ungereimtheiten“ in den Ermittlungsakten, die der Autor und Computerexperte Helge Lehmann in einem kürzlich erschienenen Buch über „Die Todesnacht in Stammheim“ zusammengetragen hat.

Autor zweifelt Selbstmord an

Am Morgen des 18. Oktober 1977 waren Gudrun Ensslin sowie ihre Komplizen Andreas Baader und Jan Carl Raspe tot, sowie die Mitgefangene Irmgard Möller schwer verletzt in ihren Zellen aufgefunden worden. Baader und Raspe hatten sich den Ermittlungen zufolge erschossen, Ensslin hatte sich am Gitter des Fensters ihrer Zelle erhängt.

In einer Liste von 31 Punkten, die Autor Lehmann zusammengestellt hat, findet sich unter anderen der Hinweis, dass an den Händen Baaders und Raspes keine Schmauchspuren entdeckt worden seien und auf den Waffen ihre Fingerabdrücke fehlten.

Zudem gebe es laut Gottfried Ensslin Obduktionsbefunde bei Gudrun Ensslin, die die Vermutung nahelegten, sie könnte schon tot gewesen sein, bevor ihr die Schlinge um den Hals gelegt worden sei.

Winfried Dolderer



Kommentare
19.10.2012
16:06
Bruder von Gudrun Ensslin fordert neue Todesuntersuchung
von 1980yann | #17

@14 Ani-Metaber
Und ein Mord mit politischem Motiv soll keine Mord sein!?

@16
Was spricht denn konkret dafür? Ihre Phantasien vom Täter Staat!?

Gerade im Bereich NSU haben sich Verfassungsschutz und Co. sich auf Bundes- wie auf Landesebene bis auf die Knochen blamiert.

1 Antwort
Bruder von Gudrun Ensslin fordert neue Todesuntersuchung
von Dr.Seltsam | #17-1

"Und ein Mord mit politischem Motiv soll keine Mord sein!?"

Das kommt darauf an, wer wo "mordet".
Schickt ein Staat seine Agenten oder militärischen Spezialisten in ein fremdes Land um dort gezielt einzelne Personen zu töten, ist es kein Mord.
Zumindest nicht für diejenigen, die aus der gleichen Interessenssphäre stammen.

19.10.2012
15:18
Bruder von Gudrun Ensslin fordert neue Todesuntersuchung
von Humankapital | #16

Es spricht vieles dafür, dass die Spitzen der Baader-Meinhof-Gruppe lediglich V-Leute waren, mit der Aufgabe die Protestbewegung zu forcieren und zu kriminalisieren damit der Staat Gründe hat dagegen gewaltsam vorzugehen.
Um dieses nicht auszuplaudern stirbt man im Hochsicherheitstrakt eines seltsamen Todes.
Parallelen zu Vorfällen um das "NSU-Terrortrio" sind nicht zu übersehen. Auch hier bringen sich plötzlich zwei Verdächtige um und die Dritte in Bunde schweigt sich aus...

19.10.2012
14:25
Bruder von Gudrun Ensslin fordert neue Todesuntersuchung
von Dr.Seltsam | #15

Anders als in der Bibel oder im Märchen gibt es im wirklichen Leben selten nur die Wahl zwischen schwarz oder weiß, gut oder böse.

Leider wird eine differenzierte Betrachtungsweise oft mit Sympathie verwechselt.

Zu bestimmten Themen, besonders zu Themen der Deutschen Geschichte, haben sich Dogmen etabliert, die schwierig zu durchbrechen sind.

Ich hege weder Sympathien für die RAF, für NS-Deutschland, Zionisten, die PLO/Fatah noch andere extremistischen Gruppen.
Aber es einfach nur darauf zu reduzieren, dass es blutrünstige, verrückte/verblendete Mörder sind, ist doch unbefriedigend und erklärt nichts.
Die Motive sind wichtig, die muss man kennen und hinterfragen. Das muss nicht bedeuten, dass man sie auch teilt.

19.10.2012
13:46
Bruder von Gudrun Ensslin fordert neue Todesuntersuchung
von Ani-Metaber | #14

Zum Hintergrund der RAF gehörten nun mal ihre politischen Motive auch wenn man die schon damals oft nicht gelten lassen wollte und man auch all jene angriff, die diese Motive zu verstehen versuchten.
Man wollte mit Zwang durchsetzen, nicht von einer Baader-Meinhof Gruppe zu sprechen, sondern von einer „Bande“.

Auch Heinrich Böll blieb deshalb von Anfeindungen nicht verschont. Dabei waren bis dato Staat und Wirtschaft durchsetzt von Altnazis, die wie selbstverständlich am gesellschaftlichen Leben teilgenommen hatten, ein Hintergrund, der dazu beigetragen hatte, dass die Leute um der RAF sich selbst in ihrem Weltbild ins Abseits manövrierten, aber auch manövrieren ließen.

19.10.2012
12:17
Bruder von Gudrun Ensslin fordert neue Todesuntersuchung
von Kikifax | #13

Plem 7-1 sckickte fplgenden Link:

Schilderung der Folgen der Isolationshaft aus der Sicht einer Betroffenen
http://www.nadir.org/nadir/archiv/PolitischeStroemungen/Stadtguerilla+RAF/RAF/brd+raf/013.html

Wenn diese Brief authentisch ist, war die Isolationshaft ein voller Erfolg.

1 Antwort
Bruder von Gudrun Ensslin fordert neue Todesuntersuchung
von Plem | #13-1

Kikifax | #13

Ja, freuen Sie sich doch darüber, ein geschätztes Mitglied der Matrix zu sein...


19.10.2012
10:40
Rechts Staat
von wohlzufrieden | #12

Selbst die RAF hätte sich vor vierzig Jahren in ihren kühnsten Albträumen nicht vorstellen können, welche Zustände heute in Deutschland herrschen... Darüber hinaus bleibt Mord Mord, ob an Buback oder einer Mutmaßlichen Terroristin spielt für die Rechtsfindung überhaupt keine Rolle. Wer das leugnet, stellt sich mit Rechtsbrechern auf eine Stufe.

19.10.2012
10:27
Es ist doch erstaunlich
von jokel | #11

das die Auseinandersetzung mit dem deutschen Herbst immer noch nicht wertfrei möglich ist. Schade eigentlich, den er ist juristisch ein Lehrstück über die Frage, ob und wie der Staat sich wehren darf. Sicher sehr schwierig zu fassen, aber ganz sicher nicht mit Stammtischgeheul das sich aller Orten erhebt....

19.10.2012
09:34
Bruder von Gudrun Ensslin fordert neue Todesuntersuchung
von birne111 | #10

Wenn ich diesen Mist hier lese ,koennte ich mich uebergeben .

19.10.2012
08:13
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #9

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1 Antwort
Bruder von Gudrun Ensslin fordert neue Todesuntersuchung
von Dr.Seltsam | #9-1

Ich betrachte auch die Verbrechen der Nationalsozialisten im dritten Reich im geschichtlichen Kontext.
Antisemitismus, Nationalismus, Rassismus, Euthanasie waren Anfang des 20. Jahrhunderts ja keine extremen Meinungen, die außerhalb der Gesellschaft standen.

Ich habe an keiner Stelle die Taten der RAF verharmlost. Um Geschichte verstehen zu können, muss man aber auch versuchen, Beweggründe nachzuvollziehen.
Die Verbrechen der NSU sind für uns zu frisch, um sie objektiver zu betrachten.

18.10.2012
23:27
Bruder von Gudrun Ensslin fordert neue Todesuntersuchung
von Plem | #8

Also, ich finde das großartig, daß es doch viele zu geben scheint, die sich ähnlich unvoreingenommen mit der Thematik beschäftigen wie ich es tue. Es gilt doch nicht nur in der Physik oder den Naturwissenschaften allgemein, sondern auch in der Gesellschaft das Prinzip von Ursache und Wirkung. Wenn der Staat Bewegungen zur Veränderung der Gesellschaft unterdrückt, wird das eine Reaktion hervorrufen. Geht der Staat dabei mit Gewalt vor, wird auch gewaltsam zurückgeschlagen. Gewalt erzeugt Gegengewalt, Ursache und Wirkung. Folgerung daraus: wenn der Staat in seiner Gesetzgebung nicht nur einseitig eine bestimmte Bevölkerungsgruppe bevorzugen, sondern sozialpolitisch allen Bevölkerungsteilen gerecht werden würde, könnten die handelnden Personen wesentlich stressfreier arbeiten, ohne Gegengewalt befürchten zu müssen.

Aber das ist wahrscheinlich Utopie; und wer Utopien hat, sollte ja bekanntlicherweise zu Arzt gehen - einer der dümmsten Sprüche, die ich jemals gehört habe.

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