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Browns Menschwerdung

15.02.2010 | 13:34 Uhr

London.Dass unter dem Politpanzer ihres Premiers doch noch ein Mensch steckt, hätten viele Briten nicht für möglich gehalten. Doch nun präsentierte Gordon Brown sich als Vater und Liebhaber – und schockte das Land mit Tränen vor laufenden Kameras.

Angesprochen auf den Tod seiner Tochter Jennifer, die nur wenige Tage alt wurde, schüttete Brown in einem TV-Interview am Sonntagabend sein Herz aus: „Es dämmerte uns irgendwann, dass etwas nicht stimmte“, sagte er. „Wir waren bei ihr, als sie starb. Sie wäre heute neun Jahre alt und man denkt: Jetzt könnte sie schon laufen, ihre ersten Sätze sagen, zur Schule gehen.“ Mühsam rang Brown um Fassung, seine Stimme versagte, Tränen stiegen ihm in die Augen.

Auf der Insel stehen im Mai Wahlen an und Brown muss sein Amt verteidigen gegen den konservativen Kontrahenten David Cameron, der die Klaviatur der Gefühle meisterhaft beherrscht. Doch bislang war der sture Schotte Brown immun gegen die Versuche seiner PR-Berater, ihn menschlicher wirken zu lassen. Insider vermuten hinter der Gefühlsbeichte nun den Einfluss seiner Frau Sarah. Auch über sie sprach Brown.

„Wir trafen uns und es war Liebe auf den ersten Blick“, sagte er, „sie war sehr nett, schön und elegant.“ An einem einsamen Strand in Schottland habe er ihr einen Hochzeitsantrag gemacht. „Uns verbindet eine moderne Liebesgeschichte.“ Das Paar hat noch ein weiteres Kind, das an einer unheilbaren Krankheit leidet. „Wir fragen uns schon manchmal, warum es uns so hart trifft“, gestand er.

Die Menschwerdung des hölzernen Regierungschefs zeigt bereits Erfolg: Jeder zweite Brite glaubt nach einer Umfrage, dass Brown entgegen seiner düsteren Ausstrahlung doch warmherzig sein kann. Während der TV-Show waren dem Premier noch ganz andere Einschätzungen um die Ohren geflogen. Studiogäste beschrieben ihn auf Nachfrage als „übellaunig“ oder als „Knallkopf“.

Gordon Browns Gegenkandidat Cameron hat nach dem Auftritt des Premierministers gleich nachgelegt und im Fernsehen ebenfalls über den Tod seines behinderten Sohnes Ivan gesprochen.

Jasmin Fischer

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