Britische Regierung muss Spar-Forum sperren
28.07.2010 | 14:43 Uhr 2010-07-28T14:43:00+0200
London.Tolle Idee, charmanter Flop: Britische Spaßvögel haben einen Versuch der Regierung torpediert, Bürger in die Sanierung des Staatshaushaltes einzubinden. Doch die Vorschläge waren so satirisch oder fies, dass die Seite zum Teil gesperrt ist.
Mehr Bürgerbeteiligung – davon schwärmt die konservativ-liberale Koalition, seitdem sie an der Macht ist. Doch wie wenig Witz direkte Demokratie wirklich aushält, zeigt jetzt ihr Projekt, Wähler ins Regierungsgeschäft einzubinden. Unter dem Banner „Mehr Leistung für weniger Kosten“ hatte sie das Volk aufgerufen, dem Finanzministerium Sparvorschläge zu unterbreiten. Die Resonanz war riesig, doch leider nicht nach dem Gusto konsternierter Politiker.
„Wir sollten aufhören, Geld für illegale Kriege rauszuwerfen und aus falschen Vorgaben in Länder einzumarschieren, nur um Rohstoffe zu rauben“, schreibt ein Bürger. Ein anderer: „Teetassen mit einem Volumen von mehr als 150 Millilitern sollten in Amtsstuben verboten werden, damit die Beamten seltener zum Klo müssen und mehr arbeiten.“
Spardiskussion verlagert sich
Eine Dame stellte ein viel beachtetes Rezept zum Reste-Essen auf die Seite („Rindfleisch-Auflauf“). Ein anderer kluger Kopf empfahl, Politikern die Mietkostenzuschüsse zu streichen und stattdessen Zelte zu verteilen. Zu den Favoriten zählte auch die Idee, Menschen mit verbreiteten Vornamen wie Steve eine Zufallssteuer aufzubrummen.
Manches war freilich richtig fies: Die Ideen, Sozialhilfeempfänger sterilisieren zu lassen oder in Arbeitslager zu zwingen, waren so zahlreich, dass einer gleich den nächsten Sparvorschlag entwickelte: „Wenn wir jedem, der hier vorschlägt, dass Sozialhilfeempfänger arbeiten gehen sollen, 10 Pfund berechnen, sind alle Geldprobleme gelöst.“
In einer parlamentarischen Fragestunde attackierte Labour-Politikerin Angela Eagle das unmoderierte Forum als rassistisch und vielseitig feindlich. Derzeit darf man seine Ideen zwar noch loswerden, doch der gesammelte Schatz an Spar-Vorschlägen aus dem Volk ist „wegen einer kleinen Zahl bösartiger Angriffe“ nicht mehr öffentlich zugänglich.
Überflüssig zu sagen, dass das Mutterland des Humors nicht auf derartige Erziehungsversuche hereinfällt. Die Spar-Diskussion der Wähler, längst eine Goldgrube für Profi-Komiker, hat sich in die Online-Foren britischer Medien verlagert. Das ist vielleicht nicht direkte, aber digitale Demokratie.

01:21
Wie wäre es, wenn wir der WestLB und der EU den Hahn zudrehen würden und den anderen Bankstar?
07:53
Wie wäre es, endlich den Kirchen den Geldhahn zuzudrehen?
Das bringt mindestens 50 Milliarden Euro pro Jahr.
21:40
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15:53
Naja, die Sterilisierung von Sozialhilfeempfänger ist natürlich sehr überzeichnet, wahrscheinlich auch ein Teil des britischen Humors.
Dennoch finde ich es ganz bezeichnend, dass das Volk selbst genau weiß wo die Probleme liegen.
Dass Armut und prekäre Verhältnisse bei manchen Menschen einfach weitervererbt werden, ist in der Tat ein großes Problem.
Letztendlich geht es wohl nicht anders, als es über das Geld zu machen.
Kinder, die die Schule schwänzen - man sollte den Eltern das Kindergeld schrittweise kürzen.
Es würde wahre Wunder bewirken.
12:21
Liegt es eigentlich nur an mir, dass ich die ganzen bösen oder populistischen oder sonstwie unerwünschten Vorschläge immer genau richtig finde:
Sozialhilfeempfänger zum Arbeiten schicken: Auf jeden Fall. Die haben ausreichend Zeit und genug Müll liegt hier auch rum.
Afghanistan-Krieg beenden: Auf jeden Fall. Ist sowieso jedem klar, was für ein gigantischer Mist das ist.
Alles richtige Vorschläge in dem Forum. Deswegen musste das wohl geschlossen werden.
11:42
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11:26
@3: Dann rennen die aber häufiger zum Teekocher und müssen noch genau so oft auf den Lokus... also geht noch mehr Zeit drauf.
Ich wäre für intravenöse Coffeinzufuhr (bei hartnäckigen Fällen auch ein wenig Speed) sowie Urinenten und Steckbecken am Schreibtisch......
10:45
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00:44
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23:35
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