Bottrop dient Städten als Blaupause fürs Energiesparen

Das Projekt „Innovation City Essen“ im Eltingviertel wurde vor Ort vorgestellt von NRW-Bauminister Michael Groschek (Mitte vorn).
Das Projekt „Innovation City Essen“ im Eltingviertel wurde vor Ort vorgestellt von NRW-Bauminister Michael Groschek (Mitte vorn).
Foto: Volker Hartmann/Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Das Bottroper Projekt „Innovation City“ soll nach den Plänen von Landesminister Michael Groschek bald auch anderen Städten als Vorbild dienen.

Essen.. Zweimal in seiner Geschichte tanzte das Essener Eltingviertel schon aus der Reihe. Aufwändige Gründerzeitbauten für Arbeiter, das war das erste Mal. Fast originaler Wiederaufbau nach dem Weltkrieg, das war das zweite Mal. Jetzt wird es das erste Viertel außerhalb Bottrops, das saniert werden soll mit den Methoden von „Innovation City“ – sprich: Die Energiewende wird in den Mietshäusern gewonnen oder gar nicht.

Fünf Jahre arbeiten sie in Bottrop schon an dem Ziel, weniger Energie zu verbrauchen und den CO2-Ausstoß bis 2020 um die Hälfte zu verringern. Das geht nicht mit ein paar unterkühlten Neubauten, das geht nur im Bestand. Mit Klinkenputzen und Kleinstarbeit: hier fünf neue Fenster, da ein Dach gedämmt, dort Energiesparberatung, Strom-Check und „aufsuchende Sanierungsberatung“ – was für ein Wort, aber wenn es der guten Sache dient . . .

Alpincenter Kommt bald "Innovation City Ruhr"?

Jetzt seien die Erkenntnisse soweit, dass „man sie in anderen Städten ausrollen kann“, sagt Geschäftsführer Burkhard Drescher. Neben Essen sind Gladbeck, Gelsenkirchen, Herne, Dinslaken und mehrere Städte im Kreis Recklinghausen sehr interessiert, eigene Viertel aufzuwerten nach der Blaupause Bottrop. Damit scheint der Plan langsam aufzugehen, das „Innovation City Bottrop“ groß wird und dann „Innovation City Ruhr“ heißen darf.

Zunächst aber: das Eltingviertel. Schön im Bau, aber schlecht in Schuss. Leerstände, häufige Wohnungswechsel. Von 3500 Wohnungen gehören 1400 der „Deutschen Annington“, die auch als Auftraggeber auftritt. 550 bis 600 Wohnungen sollen in den nächsten Jahren saniert werden: Speicher und Kellerdecken müssen sie dämmen, neue Fenster einbauen, Nachtspeicheröfen rausreißen.

Sanierung soll sich auch lohnen

Die Firma hofft, dass mit so viel sanierten Wohnungen die kritische Masse erreicht wird, dass auch andere Hausbesitzer nachziehen. Rechnen soll sich die Sanierung so: Die Mieten können ungefähr in dem Maß steigen, in dem die Bewohner Energiekosten sparen.

Straßenbeleuchtung An der Sanierung, die auch die Plätze und Höfe betrifft, beteiligen sich auch Innovation-City-Bottrop-Partner wie RWE, Steag und die Emschergenossenschaft. Die will die Berne sanieren und teilweise freilegen, ein unter der Innenstadt zu Tode verrohrtes Flüsschen, das den Essener Dreck zur Emscher spült.

Ruhrgebiet soll klimagerechter werden

Bauminister Michael Groschek (SPD) kündigte am Mittwoch an, die Landesregierung wolle in den nächsten Jahren sechs Viertel in Ruhrgebietsstädten „erneuern mit dem Anspruch, klimagerecht zu werden“. Damit reagiere man auch auf die Stürme des letzten Jahres.

Details zu den sechs Siedlungen wollte das Ministerium am Mittwoch noch nicht nennen. Dazu gibt es im Sommer eine eigene Ankündigungsveranstaltung – im Eltingviertel.