Bombe in Bonn - Fahndungspannen verärgern Terror-Ermittler

Einsatzkräfte der Polizei an einem Bahnsteig des Hauptbahnhofs in Bonn.
Einsatzkräfte der Polizei an einem Bahnsteig des Hauptbahnhofs in Bonn.
Foto: dapd
Die NRW-Behörden sind den Bonner Terrorfall los. Bundesanwaltschaft und BKA haben übernommen. Jetzt werden die Fahndungspannen der vergangenen Woche offensichtlich. Und ein Lob von NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) erscheint einigen Ermittlern wie ein schlechter Witz.

Bonn.. NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) verteilte Komplimente: „Das schnelle Ergebnis der mit Hochdruck vorangetriebenen Ermittlungen zeigte das entschlossene Vorgehen der Sicherheitsbehörden gegen gefährliche Extremisten.“ Jäger sagte dies, als NRW den Bonner Terrorfall gerade los war. Es war ein Loblied auf seine Behörden. Bei denen fand die Hymne auch ein Echo, aber kein durchweg positives. Im Gegenteil: Ein hochrangiger Beamter wähnte sich angesichts dieser Auslegung „im falschen Film“.

Das Grummeln im Ermittlerkreis hatte Mitte der Woche begonnen. Und es wurde lauter, mit jeder Fahndungspanne. Am Donnerstag platzte einigen der Kragen. Der Auslöser: Nach stundenlanger Sitzung legte der Führungsstab ein Fahndungsplakat hin, „das den Namen nicht verdient“, wie Beamte befanden.

Ermittler wollen neue Sachstände aus den Medien erfahren haben

So sei die Beschreibung des Hauptverdächtigen als „Europäer“ wenig zielführend – bei 700 Millionen Europäern unterschiedlichsten Aussehens. Dass ein Tatverdächtiger, der die Sprengstofftasche am Montagmittag am Bonner DB-Service-Point meldete, erst Donnerstagabend gesucht wird, sei „ein Armutszeugnis“. Und dass Ermittler neue Sachstände über die Medien erfuhren statt aus dem Stab, sorgte für weiteren Unmut.

Das Bundeskriminalamt (BKA) fahndet nun mit einer Sondereinheit nach dem Mann, der mutmaßlich mit dem Sprengsatz in der Tasche durch die McDonald’s-Filiale am Bonner Hauptbahnhof spazierte. Für die Bundesanwaltschaft „besteht der Anfangsverdacht, dass er als Mitglied einer terroristischen Vereinigung einen Sprengstoffanschlag verüben wollte“.

Die Identität des Gesuchten ist offenbar bekannt, wird aber aus ermittlungstaktischen Gründen offiziell verschwiegen. Auch die Anzahl möglicher Hintermänner. Eine terroristische Vereinigung muss rechtlich mindestens drei Köpfe zählen.

Die Fehlzündung von Bonn erinnert an die Kölner Kofferbomber von 2006. Auch sie waren an handwerklichen Fehlern gescheitert. Damals lösten Wecker zwar die Zündung aus, doch das Benzin-Gas-Gemisch explodierte nicht.

2005 versagten die Zünder selbst gebauter Bomben in vier Londoner U-Bahn-Zügen. Zwei Wochen zuvor gab es dort bei koordinierten Anschlagsserien 52 Tote.