Böhrnsen gewinnt – und verliert

Gewonnen und doch verloren: Bremens Bürgermeister Jens Böhrnsen tritt nach der Wahl ab.
Gewonnen und doch verloren: Bremens Bürgermeister Jens Böhrnsen tritt nach der Wahl ab.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Der SPD-Mann tritt als Bürgermeister in Bremen ab. Seine Partei bleibt zwar stärkste Partei, muss aber deutliche Einbußen hinnehmen. Kommt jetzt die Große Koalition?

Bremen/Berlin.. Die heftigen Verluste seiner SPD bei der Landtagswahl in Bremen haben Regierungschef Jens Böhrnsen tief getroffen. Am Montag zog der 65-jährige die Konsequenzen und dankte ab: Böhrnsen will im Landesparlament nicht mehr als Regierungschef kandidieren – nun ist sogar unklar, ob die rot-grüne Koalition in der Hansestadt weitermacht.

Böhrnsen-Rücktritt Die SPD hatte in ihrem Stammland Bremen das schlechteste Ergebnis seit 1946 geholt. Zusammen mit den Grünen, die die größten Verluste verbuchten, hätte die rot-grüne Koalition nur noch 44 der 83 Sitze in der Bremer Bürgerschaft. Für Böhrnsen, der zehn Jahre unangefochten die Rolle des Landesvaters ausfüllte, ist das wohl zu knapp – zuletzt hatte er mit einer komfortablen Zwei-Drittel-Mehrheit regiert.

Kommt jetzt Rot-Schwarz?

Er übernehme die Verantwortung für das enttäuschende Wahlergebnis, wolle den Weg für eine Neuaufstellung frei machen, erklärte der Regierungschef. Überraschend ließen es die Landesvorsitzenden von SPD und Grünen danach offen, ob ihre Parteien wieder zusammen regieren wollen. Als realistische Alternative gilt vor allem eine Große Koalition: Die Union bekräftigte ihr Angebot, mit der SPD zu koalieren.

In Berlin wurde Böhrnsens Schritt mit Respekt kommentiert. SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi bestritt jede Mitverantwortung der Bundes-SPD für das Debakel: Es habe sich um eine reine Landtagswahl gehandelt.

Niedrige Wahlbeteiligung

In den Analysen der Parteispitzen spielte die historisch niedrige Wahlbeteiligung von rund 50 Prozent eine zentrale Rolle. Fahimi kündigte Gespräche mit den anderen Parteien an, wie durch neue Angebote mehr Wähler an die Urnen gebracht werden könnten.

CDU-Chefin Angela Merkel gab dagegen SPD und Grünen die Hauptschuld an der niedrigen Wahlbeteiligung: Aus Enttäuschung über die Koalition seien viele Wähler zu Hause geblieben.

Wahlen Die Linkspartei genoss ihren Erfolg und wartet nun ab, ob SPD und Grüne doch noch auf sie zugehen werden. Für den Westen gilt: „Wir haben das beste Ergebnis nach dem Saarland“, jubelte Parteichef Bernd Riexinger, der sich über Stimmengewinne bei den jüngeren Wählern freute.

Freude bei der FDP

Noch euphorischer klangen die Freien Demokraten. „Alles wieder offen. Wir dürfen gespannt sein“, kommentierte Spitzenkandidatin Lencke Steiner in Berlin den Abgang Böhrnsens. Geht noch was für die FDP? Mit Machtoptionen geht die politische Seiteneinsteigerin unbeschwert um. Sie erklärt sich ihren Wahlerfolg selbst damit, „dass wir nicht rund geschliffen sind“, nicht „auf der Jagd nach irgendwelchen Ämtern“.

Merkel schloss die FDP ausdrücklich ein, als sie davon sprach, dass das „bürgerliche Lager“ gestärkt aus dieser Wahl hervorgegangen sei: Sie hat die FDP wieder auf der Rechnung. Die Christdemokraten schöpfen aus dem „historischen Einbruch“ (Merkel über die SPD) Hoffnung für die nächsten Wahlen 2016: In Sachsen-Anhalt, in Rheinland-Pfalz sowie in Baden-Württemberg. Der Ausgang der Bremen-Wahl hat nach Merkels Worten aber keine Auswirkungen auf die Arbeit der Großen Koalition.