BND: Russische Hacker wollen deutsche Wahl manipulieren

Angriff auf die Daten: Der deutsche Geheimdienst hat russische Hacker in Verdacht, einen Angriff gegen die Telekom gefahren zu haben.
Angriff auf die Daten: Der deutsche Geheimdienst hat russische Hacker in Verdacht, einen Angriff gegen die Telekom gefahren zu haben.
Foto: imago stock&people
Nach dem massiven Hacker-Angriff auf Router der Telekom mit fast einer Million Betroffenen fordern Fachleute und Politiker Konsequenzen.

Essen.. Nach der jüngsten Attacke auf 900 000 Router der Deutschen Telekom warnt der Bundesnachrichtendienst (BND) vor Hacker-Angriffen und Desinformationskampagnen aus Russland, die die Bundestagswahl im nächsten Jahr beeinflussen sollen. Es gebe „Erkenntnisse, dass Cyber-Attacken stattfinden, die keinen anderen Sinn haben, als politische Verunsicherung hervorzurufen“, sagte BND-Präsident Bruno Kahl der „Süddeutschen Zeitung“.

Kahl wertet russische Internet-Aktivitäten als gezielte Störkampagnen. „Hier wird eine Art von Druck auf den öffentlichen Diskurs und auf die Demokratie ausgeübt, die nicht hinnehmbar ist“, warnt der neue BND-Chef. Hacker hatten zuletzt während des US-Wahlkampfs Daten aus der Zentrale der Demokratischen Partei gestohlen und als sogenannte Internet-„Trolle“ falsche Schlagzeilen zugunsten des Republikaners Donald Trump verbreitet.

„Dieses Mal haben wir Glück gehabt – der Angriff hat nicht richtig funktioniert“,

Nach Einschätzung von Experten ist die Deutsche Telekom nach dem Angriff auf fast eine Million „Speedport“-Router mit einem blauen Auge davon gekommen. „Dieses Mal haben wir noch Glück gehabt – der Angriff hat nicht richtig funktioniert“, sagte Arne Schönbohm, Präsident des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik.

Wer hinter der Attacke stand und welchen Zweck die Angreifer verfolgten, war weiterhin unklar. Bundesinnenminister Thomas de Maizière wollte Spekulationen vermeiden. „Im Moment steht der genaue Urheber noch nicht fest“, sagte der CDU-Politiker. Ein Telekom-Sprecher zeigte sich zuversichtlich, dass die seit Sonntag bestehenden Probleme im Laufe des gestrigen Dienstags behoben sein würden.

Um künftige Hacker-Aktionen zu erschweren, fordert Jörg Schwenk vom Horst-Görtz-Institut für IT-Sicherheit der Ruhr-Universität Bochum eine Herstellerhaftung und intensive Testverfahren für neu auf den Markt kommende Router, die auch unbekannte Schwachstellen mit einbeziehen. „Das ist aber ein Kostenfaktor, den Hersteller bei der Produktentwicklung scheuen“, sagte der Professor der WAZ.

Auch der führende Anbieter von IT Sicherheitslösungen Gdata in Bochum tritt dafür ein, dass Hersteller von Webcams, Routern & Co. in die Pflicht genommen werden: „Viele Milliarden technische Geräte werden internetfähig. Auch sie werden das Ziel von Hackern sein“, warnt Experte Thorsten Urbanski.