Blutige Anschläge in Tunesien, Kuwait und Frankreich

Terror auf drei Kontinenten: Bei mutmaßlich islamistischen Anschlägen in Tunesien, Kuwait und Frankreich sind am Freitag innerhalb kurzer Zeit mindestens 65 Menschen getötet worden - darunter vermutlich auch Deutsche.

Tunis.. Allein im Badeort Sousse an der tunesischen Mittelmeerküste gab es mindestens 37 Tote. Die meisten waren Urlauber, die vor einem beliebten Hotel am Strand gelegen hatten. "Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass deutsche Staatsangehörige Opfer des Anschlags geworden sind", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes am Freitagabend in Berlin.

In Kuwait-Stadt zündete ein Mann bei einem Selbstmord-Attentat in der Nähe einer schiitischen Moschee während des Freitagsgebets eine Bombe. Es gab mindestens 27 Tote. Frankreich wird durch einen besonders brutalen Mord erschüttert: Nach einem Überfall auf eine Industriegasefabrik bei Lyon wurde die Leiche eines enthaupteten Geschäftsmanns entdeckt. Der mutmaßliche Täter - ein 35-Jähriger mit Kontakten zur radikal-islamistischen Szene - hatte möglicherweise geplant, die Fabrik in die Luft zusprengen.

Ob die Anschläge in Zusammenhang stehen, war unklar. Überall gab es jedoch Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund. Am Dienstag nächster Woche jährt sich zum ersten Mal, dass die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) das Kalifat ausgerufen hat. Die Gruppe forderte auch dazu auf, während des laufenden Fastenmonats Ramadan Attentate auf "Feinde" des Islams zu verüben.

Angesichts der neuen Anschläge mahnte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu einem entschlossenen Kampf gegen den internationalen Terrorismus. "Die Meldungen machen uns allen noch einmal klar, vor welchen großen Herausforderungen wir stehen, wenn es um den Kampf gegen Terrorismus und islamistischen Terrorismus geht." Bundespräsident Joachim Gauck sprach den Tunesiern sein Beileid aus.

Der Angriff auf das Hotel "Imperial Marhaba" in Sousse - 120 Kilometer entfernt von der Hauptstadt Tunis - geht nach offiziellen Angaben auf das Konto eines Terroristen. Ein Sprecher des Innenministeriums sagte am späteren Abend, es gebe "keine offiziellen Verhaftungen" von weiteren Tatverdächtigen. Zuvor hatten Quellen berichtet, ein zweiter mutmaßlicher Täter sei festgenommen worden. Später war von einem Schützen die Rede, einem tunesischen Studenten, den Sicherheitskräfte töteten. Nach Angaben von Augenzeugen begann der Überfall am belebten Strand. Dort lagen auch nach Stunden noch Leichen von Urlaubern, von Handtüchern bedeckt.

Nach Angaben des tunesischen Gesundheitsministeriums sind unter den Opfern Deutsche, Briten und Belgier. Im Auswärtigen Amt hieß es dazu, der Krisenstab der Bundesregierung und die deutsche Botschaft in Tunis bemühten sich mit Hochdruck um Aufklärung. Ein sogenanntes Konsularteam sei am Anschlagsort eingetroffen und verschaffe sich einen Überblick. Zu den vermuteten deutschen Opfern sagte der Sprecher: "Wir müssen damit rechnen, dass es noch einige Zeit dauern wird, bis das geklärt ist." Der Reisekonzern Tui berichtete von aktuell etwa 260 deutschen Urlaubern in Sousse. Erst im März waren bei einem Überfall von Islamisten auf ein Museum in Tunis mehr als 20 Menschen getötet worden.

Knapp ein halbes Jahr nach den Mordanschlägen von Paris wurde Frankreich erneut von einem islamistischen Attentat erschüttert. Auf dem Körper des enthaupteten Manns wurden arabische Schriftzeichen entdeckt. Sein Kopf steckte auf einem Zaun, der die Fabrik in der Gemeinde Saint-Quentin-Fallavier umgibt. In der Nähe waren nach Angaben von Augenzeugen zwei schwarze Islamistenflaggen zu sehen. Es gab auch zwei Verletzte.

Am Tatort wurde der 35-jährige Yassin S. überwältigt, der wegen radikaler Tendenzen schon 2006 aufgefallen war, jedoch nicht mehr unter Beobachtung stand. Nach Medienberichten gab es weitere Festnahmen, darunter auch die Ehefrau des Verdächtigen. Der Mann soll als Lieferant gearbeitet haben. Das Opfer soll sein Chef gewesen sein, den er getötet und enthauptet haben soll, bevor er sich auf den Weg zu der Fabrik machte.

In Kuwait-Stadt sprengte sich nach Angaben der offiziellen Nachrichtenagentur Kuna ein Selbstmord-Attentäter während des Freitagsgebets in der Imam-Sadik-Moschee in die Luft. Neben den vielen Toten wurden auch mindestens 25 Gläubige verletzt. Im Internet kursierte eine Mitteilung, in der der IS die Verantwortung übernahm. Bei einem weiteren IS-Anschlag im Nordosten von Syrien wurden nach Angaben von Menschenrechtlern mindestens 20 Menschen getötet.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte in einer Reaktion auf die Anschläge, die Verantwortlichen für diese "entsetzlichen Taten" zur Rechenschaft zu ziehen. Auf die Sicherheitsmaßnahmen in Deutschland hatten die Anschläge zunächst keine Auswirkungen. Eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums sagte der dpa: "Im Moment ist es nicht seriös, irgendwelche Schlussfolgerungen zu ziehen."