Blitzmarathon - warum in NRW nur 18 Stunden geblitzt wird

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Was wir bereits wissen
Der Blitzmarathon geht Donnerstag, 16. April, in NRW in die nächste Runde. Allerdings dauert er nur 18 Stunden. Wir beantworten die wichtigen Fragen.

NRW. Blitzmarathon – die achte Auflage. Was vor drei Jahren noch als rein nordrhein-westfälisches Ausrufezeichen im Kampf gegen Raserei auf den Straßen begann und 2013 in ganz Deutschland Premiere hatte, ist mittlerweile in Europa angekommen. 22 Staaten – von Finnland bis Zypern – machen diesmal mit. Ein Überblick.

Wann und wo geht der Blitzmarathon über die Bühne?

Die Polizei beginnt an Rhein und Ruhr am Donnerstag, 16. April, ab 6 Uhr, mit den Tempokontrollen. Die Geräte werden diesmal in NRW allerdings schon am gleichen Tag um 24 Uhr wieder abgebaut; die ursprünglich für zwei Tage angelegte Aktion wird abgekürzt wegen der für Freitag angesetzten zentralen Trauerfeier für die Opfer des Germanwings-Absturzes. Andernorts wird freilich weitaus länger geblitzt – wer also ab Donnerstag eine größere Strecke vor der Brust hat, sollte aufpassen. In Bayern dauert die Tempomessaktion sogar bis zum 23. April. Gelegenheiten, in eine Falle zu tappen, gibt es reichlich: Die Polizei richtet bundesweit mehr als 7000 Messstellen ein.

Wie viele Polizisten sind im Einsatz?

Allein in Nordrhein-Westfalen liegen 2900 Beamte und städtische Mitarbeiter auf der Lauer, deutschlandweit sind es 13 000. Lediglich Schleswig-Holstein macht nicht mit – wegen des G7-Treffens in Lübeck sind zu viele Polizeikräfte dort mit anderen Aufgaben gebunden.

Wo stehen die Radarfallen?

Dort, wo es besonders oft kracht, zudem an sensiblen Stellen wie Kindergärten und Krankenhäusern sowie in Wohngebieten – und natürlich dort, wo sich die Bürger in der Vergangenheit über riskantes Fahren bei gleichzeitig mangelhaften Kontrollen ärgern. Der Blitzmarathon ist längst zu einer landesweiten Mitmachaktion geworden: Das NRW-Innenministerium erreichten diesmal mehr als 10 000 Anregungen der Bürger, wo die Polizei ihre Laserpistolen auspacken sollte. Die Messstellen in der Region finden sich unter www.nrz.de/blitzmarathon.

Was sind die Argumente für eine Blitzeraktion?

„Der Blitz-Marathon ist Präventionsarbeit im besten Sinne“, meint der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD). Sein NRW-Kollege Ralf Jäger beteuert Jahr für Jahr, es gehe darum, die Köpfe der Menschen zu erreichen und nicht deren Portemonnaies. Der SPD-Politiker nennt zu hohe Geschwindigkeit den „Killer Nummer 1“. Im vergangenen Jahr starben 3368 Menschen auf deutschen Straßen, die meisten wegen überhöhter Geschwindigkeit. Nach Jahren, in denen die Zahlen peu à peu sanken, war das wieder ein leichter Anstieg. Die aufkeimende Hoffnung, dass sich die erzieherische Wirkung des Blitzmarathons auch dauerhaft in der Unfall-Statistik wiederfindet, ist damit geschwunden.

Wie viele Autofahrer wurden beim vergangenen Blitzmarathon mit zu hoher Geschwindigkeit erwischt?

Rund 93 000 Raser gingen der Polizei im vergangenen Jahr ins Netz, 10 000 mehr als bei der Aktion im Jahr 2013.

Was sagen die Bundesbürger zu der Aktion?

Die meisten glauben nicht an eine dauerhafte Wirkung. „Am nächsten Tag wird wieder gerast“, antworteten fast drei Viertel der Befragten (74 Prozent) in einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov. Lediglich 19 Prozent glauben, dass der Blitz-Marathon auf das Thema aufmerksam macht und bewirkt, dass auf Dauer weniger gerast wird.

Was sagen die „Ausführenden“ über den Blitzmarathon?

Die Polizei-Meinung ist gespalten, die Gewerkschaft GdP spricht von einem „verkehrspolitischen Feigenblatt“. Es sei zwar richtig, auf die Gefahren des Rasens plakativ hinzuweisen, aber auch in Reihen der Polizei gibt es erhebliche Zweifel an der Nachhaltigkeit der Aktion. Zudem verweist sie auf den schon jetzt bestehenden Berg von Überstunden, der durch die Bewältigung der Blitzeraktion nicht kleiner wird.