Blatter wird nicht zur Ruhe kommen

Ja, der Blatter Sepp! Das hat ja mal wieder hingehauen, diese unangenehme Mischung aus unglaubwürdiger Verbindlichkeit, devoter Dankbarkeit und vagen Zukunftsversprechen. Natürlich ist der Schweizer wiedergewählt worden, der Fußball-Weltverband ist eben, wie er ist: korrupt, abhängig von den Milliarden-Sponsoren und auch deshalb bislang zumindest reformunfähig. Ändert sich das jetzt? Trotz Sepp Blatter? Zumindest wird der 79-Jährige wohl nicht mehr so selbstherrlich und diktatorisch die Fußball-Welt regieren können wie gewohnt.

Ja, eine immer noch deutliche Mehrheit hat ihn trotz aller Affären im Amt bestätigt. Doch das Misstrauen seiner Gegner und damit vor allem einer fußballbegeisterten Öffentlichkeit in Europa wird den Mann aus dem Dorf Visp im Wallis nicht mehr zur Ruhe kommen lassen. Man darf gespannt sein, ob die europäische Fußball-Union, die aus ihrer Abneigung gegen das ,Weiter so’ zuletzt kein Hehl mehr gemacht hat, endlich auch gemeinsam und konsequent gegen die unfassbaren Skandale vorgeht. Schon jetzt hätte man sich da klarer positionieren können – auch mit Michel Platini als Gegenkandidaten. Schade.

Blatter hat sich das Misstrauen von Millionen Fußball-Freunden hart erarbeitet. Und verdient. Machtbesessen und beratungsresistent hat er alle Korruptionsaffären weggedrückt. Jeder Fußball-Anhänger ahnt, dass mit der Vergabe der Weltmeisterschaften an Russland und Katar nicht alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Doch Genaues weiß man nicht – Danke, Sepp Blatter.