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Missbrauch

Bischof beteuert, die Kirche wolle weiter aufklären

11.01.2013 | 17:54 Uhr
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Bischof beteuert, die Kirche wolle weiter aufklären
Der Bischof von Trier, Stephan Ackermann, sagt, die katholische Kirche blockiere keineswegs die Aufklärungsarbeit.Foto: dapd

Essen.   Bischof Stephan Ackermann, Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für Fragen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger, erhebt schwere Vorwürfe gegen den Kriminologen Christian Pfeiffer. Die Schuld am Zerwürfnis zwischen dem Forscher und der Kirche trage allein Pfeiffer.

Nach dem Scheitern der ­Zusammenarbeit mit dem Kriminologen Christian Pfeiffer und dessen Institut liegt die Aufarbeitung des Missbrauchskandals erst einmal auf Eis. Bischof Stephan Ackermann, Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für Fragen ­sexuellen Missbrauchs Minder­jähriger, erhebt im Interview schwere Vorwürfe gegen Pfeiffer.

Nach dem Abbruch der Kooperation mit Herrn Pfeiffer ist in der ­Öffentlichkeit der Eindruck entstanden, die Bischöfe hätten wenig Interesse an der vollständigen Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche.

Ackermann: Das Gegenteil ist der Fall. Nicht das Forschungsprojekt ist gescheitert, der Partner des Projekts ist gescheitert. Wir bedauern das, aber ich sage auch in aller Klarheit: Das ­Forschungsprojekt ist von den Bischöfen gewollt und wir führen das durch.

Seit 2010 haben wir einen umfangreichen Maß­nahmen­kata­log nicht nur erstellt, sondern auch abgearbeitet: Das beginnt bei neuen Leitlinien zum Thema, differenzierten Präventionsmaßnahmen und geht bis zur Frage der materiellen Anerkennung erlittenen Leids. Ich kenne keine andere gesellschaftliche Institution unseres Landes, die sich derart engagiert hat. Das sage ich auch denen, die jetzt vorschnell mit dem Finger auf uns zeigen.

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Bischof wirft Pfeiffer vor, das Vertrauen zerstört zu haben

Woran lag es aus Ihrer Sicht, dass es zum Scheitern kam?

Ackermann: Bei einem solchen komplexen Projekt brauchen Sie das uneingeschränkte Vertrauen beider Seiten. Darüber waren sich auch beide Partner von Anfang an einig. Dieses Vertrauen ist zerstört worden, weil Professor Pfeiffer in seiner sprunghaften Kommunikation und in seiner dominanten Art immer wieder für neue Irritationen ­gesorgt hat und sich selbst mit kritischen Anfragen sehr schwer tat. Dadurch kam es zu einer wachsenden Entfremdung. Irgendwann war auch ihm klar, dass wir das Projekt nicht werden durchführen können. Am Ende haben wir versucht, zu einer einvernehmlichen Trennung zu kommen. Sie ist ­gescheitert, weil Herr Pfeiffer mit keiner der vorgeschlagenen Formulierungen einverstanden war. Ich glaube, er wollte die große Öffentlichkeit, die er ja auch jetzt hat.

Herr Pfeiffer wirft der Bischofs­konferenz den Versuch der Zensur sowie Aktenvernichtung vor.

Ackermann: Ich bedauere, dass Professor Pfeiffer nur fragmentarisch die Wirklichkeit darstellt: Es ging nicht um Zensur, wie er aus einem Vertragsentwurf herauslesen will, sondern es geht uns um wissenschaftliche Aufarbeitung, die den Datenschutz und die Persönlichkeitsrechte in dem notwendigen Maß wahrt. ­Dazu hat es die entsprechenden Formulierungsvorschläge gegeben – nur: Diese Vorschläge nennt Professor Pfeiffer nicht. Das ist unredlich.

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Auch der Vorwurf der Aktenvernichtung ist nicht korrekt: Das Kirchenrecht sieht vor, dass bei Sittlichkeitsverfahren – in den ­Fällen, die strafrechtlich anhängig waren – ein Tatbestandsbericht und der Wortlaut des Endurteils auf Dauer aufbewahrt werden. Insofern lassen sich keine Straftaten vertuschen und Fallzahlen manipulieren. Es ist also falsch und irreführend, den Eindruck zu erwecken, es gebe eine vom kirchlichen Recht her geforderte Akten­vernichtung, die das Forschungsprojekt behindern würde.

Gespräche mit möglichen neuen Projektpartnern

Wie schätzen Sie den Imageverlust für die Kirche durch die gestoppte Aufklärung ein?

Ackermann: Es ist nicht wahr, dass die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals ganz gestoppt wäre. Richtig ist: Ein Element der Aufarbeitung mit einem bestimmten Partner kommt nicht zustande. Deshalb schmerzt es mich, dass überall zu lesen ist, die Kirche wolle nicht aufklären und das Forschungsprojekt sei gescheitert. In meiner Erklärung am Tag der Kündigung von Professor Pfeiffer ist genau das Gegenteil zu lesen. Ich bitte hier um eine klarere Differenzierung in der öffentlichen Wahrnehmung.

Die Bischofskonferenz steht nun unter Druck, schnell einen neuen Kooperationspartner zu finden, um die Aufarbeitung voranzutreiben.

Ackermann: Wir werden jetzt das Gespräch mit anderen möglichen Projekt­partnern suchen. Ich bin sehr froh, dass sich die ersten bereits ge­meldet haben.

Walter Bau

Kommentare
13.01.2013
15:27
Bischof beteuert, die Kirche wolle weiter aufklären
von Alter-Mann | #15

R.Kaufmann | #7-1

Seit 1990 wurden ca. 7500 Deutsche von Migranten umgebracht. Darüber müßten sie sich viel mehr aufregen, nicht weil es Deutsche waren, sondern weil Mord schlimmer wiegt als Mißbrauch. Das ließt ...Rest s.u..

Dann sollten Sie einmal mit Vergewaltigungsopfern reden, die an Körper und Seele
geschändet worden sind. Einige hätten den Tod vorgezogen.

Die Sekten wollen nur ablenken.

Beziehen sich auf Gewohnheitsrechte.
Zölibat – so ein Schwachsinn, um die „Kirchendiener“ besser im Griff zu haben.
Beschneidungen u. Verstümmelungen von männlichen Säuglingen.

Da wollen alte Religionen – richtiger Sekten, nur ihre Macht erhalten.

Wie viele körperliche u. seelische Vergewaltigungen hätte es nicht gegeben
u. würde es nicht geben, wenn die kath. Priester, Nonnen u. Mönche heiraten dürfen/ten?

Wie soll ein Priester jemanden beraten, der Null Kenntnisse von Problemen
in einer Ehe u. Kindererziehung hat?

Und die Gesponserten/Willigen/Korrupten dienen den Sekten.

13.01.2013
10:55
Bischof beteuert, die Kirche wolle weiter aufklären
von GregoryHouse | #14

Wasch mich, aber mach mich nicht nass. Und Pfeiffer, der Schlingel, wollte nicht hören. So geht das natürlich nicht. Aber die werden schon einen "brutalstmöglichen Aufklärer" finden, der nur so ein bißchen an der Fassade kratzt. Amen!

12.01.2013
20:20
Wertvolle Informationen wurden vernichtet
von pantelitz | #13

"Es ist also falsch und irreführend, den Eindruck zu erwecken, es gebe eine vom kirchlichen Recht her geforderte Akten­vernichtung, die das Forschungsprojekt behindern würde."

Es ist irreführend, den Eindruck zu erwecken, das Forschungsprojekt sei nicht durch die Vernichtung von Akten behindert worden. Es reicht schon, wenn Teile von Akten nicht mehr auffindbar sind. Die Namen der vom Missbrauch Betroffenen, Informationen über das Tatgeschehen im Einzelnen, die Aussagen der Täter und die Reaktionen der Kirchenvertreter werden vernichtet. Die Opfer können nicht befragt und die Vorgänge psychologisch kaum beurteilt werden. Letzteres wäre für Präventionsmaßnahmen wichtig.

12.01.2013
18:30
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Name von Moderation entfernt | #12

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2 Antworten
Bischof beteuert, die Kirche wolle weiter aufklären
von TorstenB | #12-1

Die Kirche ist aber auch die einzige Institution, die sich vorbehält vor dem Einschalten der Staatsanwaltschaft, selber zu ermitteln: Man könnte ja durch falsche Beschuldigung ein Leben zerstören, und nimmt damit das potentielle Zerstören von weiteren Leben in kauf. Kommt es zu einer Beschuldigung in einer anderen Institution, ist die Staatsanwaltschaft zur stelle.

Eine solche Einstellung der Kirche ist nicht zu akzeptiere. Die Hilfe, die von der Kirche angeboten wird, ist eher zur Selbstbeweihräucherung geeignet als zu Hilfe der Opfer.

Bischof beteuert, die Kirche wolle weiter aufklären
von Querdenker64 | #12-2

Ich glaube nicht, dass es der Kirche hier um Aufklärung geht und um das Ziehen von Konsequenzen - sprich Veränderung - schon gar nicht. Von einem Bischof wie Ackermann würde ich hier angesichts der Historie Demut erwarten und kein aggressives Fingerpointing auf Menschen, die nicht aus dem katholischen Missbrauchsumfeld stammen. Natürlich gibt es auch außerhalb der Kirche Missbrauch, aber die stellen sich auch nicht am Sonntag auf die Kanzel und predigen gegen außerehelichen Geschlechtsverkehr oder verherrlichen das Zölibat wie Ruhrbischof Overbeck. Finden Sie es in der heutigen Zeit normal, dass ein Mann seinem Arbeitgeber ein Leben ohne Sexualität verspricht ?

12.01.2013
14:22
Bischof beteuert, die Kirche wolle weiter aufklären
von Querdenker64 | #11

Fehlt eigentlich nur noch, dass der Ackermann den Herrn Pfeiffer noch für die Mißbrauchsfälle verantwortlich macht. Ein durchschaubares Ablenkungsmanöver von den eigentlichen Inhalten, klassisches Managerverhalten. Immer wieder erstaunlich, dass es noch Menschen gibt, welche diesen katholisch-keuschen Kirchenmanagern ihr sauer verdientes Geld noch in Form der Kichensteuer in den Rachen schmeißen.

12.01.2013
13:25
Bischof beteuert, die Kirche wolle weiter aufklären
von kahevo | #10

Wer diesem Verein noch Glauben schenkt, ist auf dem verlorenen Weg.

12.01.2013
12:06
Bischof beteuert, die Kirche wolle weiter aufklären
von bretagnefan61 | #9

Wer es glaubt wird selig!

12.01.2013
09:09
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Name von Moderation entfernt | #8

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3 Antworten
Bischof beteuert, die Kirche wolle weiter aufklären
von EduardM | #8-1

Der Klappspaten Herr Kirchenmitarbeiter sind sie. Sie ignorieren das tatsächlich vorgefallene, denn für sie haben ihre Bischöfe immer recht.

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Bischof beteuert, die Kirche wolle weiter aufklären
von TorstenB | #8-3

@R.Kaufmann: Es ist aber auch immer wieder schön von unqualifizierten Kommentaren zu sprechen. Die, die Sie hier unqualifiziert nennen haben aber leider recht mit: "Schuld hat allein die Kirche".
Wer war es denn, der Aufklärung erst einmal verhindern wollte? Allen voran doch die Kirche (vor Herrn Pfeiffer).
Wer war es denn, der Opfer mit einer minimal Zahlung und Schweigeverpflichtung mundtot machen wollte? Das war doch wohl die Kirche.
Die Kirche muss sich hier die Frage stellen lassen, ob sie Ihre Meinung und Ansprüche nicht erst einmal ganz weit hinten unterordnen muss, und sich ggf. für sie auch unangenehme Sachen über sich ergehen lassen muss.
Oder ist der Schutz der Kirche höher zu bewerten als der Schutz der Opfer und die Aufklärung dieser Taten. Die Kirche tut leider immer noch so, als sei über jeden Zweifel erhaben und muss sich nichts von dem was geschehen ist annehmen.

Schuld ist allein die Kirche, sie haben es richtig erfasst!

11.01.2013
22:56
Es ist viel schlimmer, als was an die Öffentlichkeit gekommen ist
von Petr28 | #7

Der Deutschlandfunk nennt Hochrechnungen von bis zu 4000 Tätern und bis zu 50000 Opfer seit 1945 bis heute. Doch die Zahlen können auch sehr viel größer sein, denn die Dunkelziffer ist bei dieser Art Verbrechen immer höher.

1 Antwort
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11.01.2013
21:52
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