Biogas aus Wildpflanzen als umweltfreundliche Alternative?

Franz-Josef Schulze Thier in Billerbeck sät Mischkräuter auf seine brachliegenden Äcker aus, um daraus Biogas zu gewinnen - eine brauchbare Alternative zu Bio-Energie aus Weizen oder Mais?
Franz-Josef Schulze Thier in Billerbeck sät Mischkräuter auf seine brachliegenden Äcker aus, um daraus Biogas zu gewinnen - eine brauchbare Alternative zu Bio-Energie aus Weizen oder Mais?
Foto: Iris-MEDIEN
Was wir bereits wissen
Biomasse als Rohstoff zur Energieproduktion ist umstritten. Mais-Monokulturen belasten die Umwelt und „rauben“ Landwirten wertvolle Flächen. Am Donnerstag wird in Berlin über die Aussaat von Wildkräutern als Alternative beraten.

Dortmund.. Strom und Gas aus Biomasse sind wegen des deutlich zunehmenden Anbaus von Mais-Monokulturen stark in die Kritik geraten. Jagdverbände, Naturschützer, Forscher und Energieunternehmen wie RWE und Eon suchen nun nach neuen Wegen bei der Biogas-Gewinnung: Vertreter aus 14 Organisationen treffen sich am Donnerstag in Berlin, um das Projekt „Energie aus Wildpflanzen“ auf den Weg zu bringen.

Die Idee: Vielfältige Saatmischungen aus blühenden Pflanzen sollen auf zunächst 1500 Hektar eine Alternative zum kritisierten Maisanbau für die Biogasproduktion bieten. Hoher Dünge- und Pestizideinsatz jener Monokulturen – mit gravierenden Auswirkungen auf Flora und Fauna – könnte dadurch vermieden werden.

Weniger Ertrag als bei Mais

Testversuche – unter anderem im Kreis Coesfeld und im Kreis Borken – laufen derzeit an: Dort werden in diesen Tagen die ersten blühenden Felder geerntet. Nach ersten Berechnungen der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau ist jedoch klar: Selbst bei optimalen Bedingungen können lediglich 70 Prozent des Ertrages an Biomasse wie bei Mais – und entsprechend auch weniger Biogas – erzielt werden.

Energie „Wir haben gar nicht den Anspruch, den Mais zu verdrängen, das würden wir nie schaffen“, sagt Andreas Leppmann, Geschäftsführer des Deutschen Wildtierverbandes, „es geht darum, ökologisch wertvolle Kulturen zu schaffen und die Monokulturen einzugrenzen.“ Die dichten, blühenden Felder schaffen in monotonen Landschaften wertvolle Lebensräume für Wildtiere.

NRW-Umweltminister Remmel begrüßt das Projekt

Neben Bodenbrütern wie Fasanen und Rebhühnern profitierten Insekten wie Schmetterlinge und Bienen, aber auch Rehe davon. NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) begrüßte gegenüber der WR das Vorhaben: „Das Projekt kann Vorbildcharakter entwickeln. Der Anbau von Wildpflanzen für die Biogasproduktion hilft, Artenvielfalt zu erhalten.“

Dass es sich bei dem Projekt nur um einen Wunschtraum einiger Idealisten handelt, das zum Scheitern verurteilt sei, weil auf Dauer kein Landwirt freiwillig auf Ertrag verzichten würde, glaubt Andreas Leppmann nicht: „Spannend wird es dann, wenn das Thema mit politischen Instrumenten kombiniert wird“, sagte er. Denkbar sei etwa, dass jene Felder für die neuen „Greening“-Vorgaben der EU eine Rolle spielen oder Städte sie künftig als Ausgleichsflächen anmelden können. „RWE und Eon haben zugesagt, uns zu unterstützen. Da merkt man einfach: Unsere Richtung ist richtig.“ , glaubt Leppmann.