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Soziales

Bildung löst nicht alle Probleme

08.10.2009 | 15:39 Uhr
Bildung löst nicht alle Probleme

Essen. Politik versteht Bildung als die beste Sozialpolitik. Doch damit wird ihr zu viel zugemutet, meinen Soziologen. Viele sozialen Probleme ließen sich allein durch Bildung nicht nachhaltig lösen: Vielmehr seien Investionen im Sozialbereich nötig, um benachteiligten Kindern eine Chance zu geben.

Unser rohstoffarmes Land hat nur eine Chance: Bildung. Man hörte es so oft, dass es jeder herunterbeten kann. Wie es damit aber genau bestellt ist, lässt sich an einer beliebigen Hauptschule besichtigen. Dort wird wegen fehlender Ausbildungsplätze geübt, Hartz-Anträge auszufüllen. Dümmer wurden diese Kinder nicht geboren, denn Begabung ist über alle Bevölkerungsschichten gleichmäßig verteilt – ob arm, ob reich. Was also kann Bildung leisten?

Viel, aber nicht alles, meinen Experten. Über den „Mythos Bildung” diskutiert ab Donnerstag die Jahrestagung der Sektion Sozialpolitik der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) in Essen. In den politischen Debatten beobachten die Soziologen seit einiger Zeit eine starke soziale Bedeutungsaufladung der Bildung: Plötzlich soll sie der Königsweg sein zur Lösung sämtlicher sozialen Probleme.

Schlüssel zur sozialen Teilhabe

Bildung schadet nicht - aber sie löst auch nicht alle Probleme. Foto: imago

Prof. Ute Klammer, im Vorstand der Sektion und Prorektorin der Universität Duisburg-Essen: „Die Parteien sehen Bildung als den Schlüssel zur sozialen Teilhabe. Das wollen wir auf der Tagung kritisch beleuchten.” Denn einige Probleme seien eben nicht allein mit einem besseren Schulabschluss gegessen. Etwa das Armutsproblem alleinerziehender Mütter. „Hier fehlt es meist nicht an Bildung, sondern an Hilfen, Betreuung und Kita-Plätzen.” Die Zahl der Schulabbrecher ist zu hoch, es fehlen Lehrstellen und Arbeitsplätze. „Viele jungen Menschen landen in der beruflichen Sackgasse. Da hilft Bildung wenig”, sagt Klammer.

Der unausgesprochen mitschwingende Vorwurf der Soziologen lautet: Mit der Fokussierung auf die Bildung mache sich die Politik einen schlanken Fuß und vernachlässige das Soziale. „Der Bildung wird zu viel aufgebürdet”, meint Prof. Klammer.

Kritik an der "Bildungsrhetorik"

Überdies seien Bildung und Soziales in Deutschland kurioserweise finanziell getrennte Bereiche. Im Gegensatz etwa zu den angelsächsischen Ländern sei Bildung im Sozialbudget nicht berücksichtigt. Ein Großteil des deutschen Sozialbudgets fließe in Sektoren mit eher geringem Zukunftsprofil, etwa die Alterssicherung, schreibt Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB). „Zukunftsorientierte Leistungen, zu denen auch Bildung und Forschung gehören, weisen dagegen eine relativ geringe Finanzierung auf”, so Allmendinger weiter.

Das wiederum widerspricht der so oft gehörten Parole von der Vorfahrt für Bildung. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt investiert Deutschland rund 20 Prozent weniger in die Bildung als vergleichbare Länder, sagt Klammer. So müsse die frühkindliche Bildung gestärkt werden, zudem „leisten wir uns ein hochselektives Schulsystem”. Und wieso gibt es mit dem entsprechenden Schulabschluss ein Recht auf einen Studienplatz, aber keines auf einen Ausbildungsplatz? Am Ende steht schließlich ein unterfinanziertes Hochschulsystem. So betrachtet müsse man fragen, so Ute Klammer, „was die Bildungsrethorik eigentlich bedeutet”.

Christopher Onkelbach

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Kommentare
08.10.2009
19:56
Bildung löst nicht alle Probleme
von Sozialerdemokrat | #2

Wer behauptet denn, dass durch Bildung alle Probleme gelöst werden? Deutschland befindet sich seit vielen Jahren in einer Bildungskrise. Eine Folge wird sein, dass in Zukunft qualifizierte Arbeitskräfte fehlen werden. Eine Verbesserung des Bildungssystems ist daher hilfreich, aber nicht ausreichend. Zwar würde eine Verbesserung der Bildung dazu fuhren, dass es etwas weniger Arbeitslose geben würde. Aber die Massenarbeitslosigkeit wird damit nicht beseitigt. Insgesamt wird es nicht genügend Arbeitsplätze für alle geben. Dadurch entsteht auch soziale Ungleichheit.

08.10.2009
16:11
Bildung löst nicht alle Probleme
von Prinz von Savoyen.Carignan | #1

Richtisch.

Ein Schlüsselwort heißt B I L D U NG.

Das nächste E L T E R N!

Das übernachste L E I S T U N G.

Das 4. I N T E G R A T I N O N S L E I S T U N G.

Das 5. V E R A N T W O R T U N G.

Das 6. K O N S E Q U E N Z E N.

Erst dann machen weitere Angebote Sinn.

Ständig irgendwelchen dummdreisten Leuten ständig Puderzucker ohne Gegenleistung in den ***** schieben mit dem Argument, das wären die Deutschen, die Schule oder sonstwer in Schuld, bringt überhaupt nix.
Auch Kinder aus sozialschwachen Familien schaffen den Sprung in die Eigenver-antwortlichkeit, wenn o.g. 6 Punkte konsequent durchgehalten werden.

Wenn jetzt die Rechten wieder anfangen, das wären nur die Antiautoritären 68ziger......
Nee so einfach ist datt nich.
In summerhill, den Hort FREIER Schule gaben sich die Schüler selbst über 150 !!! REGELN.

Deutlich mehr als meine Mama und meine Oma je von mir verlangt haben.

Und aus diesen Leuten, so loddderhaft wie sie nach außen auch ausgesehen haben mögen, sind
Künstler, Schriftsteller, Schauspieler... hervor gegangen.

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