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Kredit-Affäre

"Bild" bestätigt Droh-Anruf von Bundespräsident Wulff

02.01.2012 | 06:50 Uhr

Berlin.  Bundespräsident Christian Wulff soll Journalisten wegen der Berichterstattung in der Affäre um die Finanzierung seines Hauses gedroht haben. Die "Bild"-Zeitung hat dies jetzt offiziell bestätigt. Das Bundespräsidialamt schweigt zu den Vorwürfen. Laut einem Medienbericht soll Wulff sogar beim Chef des Springer-Konzerns angerufen haben.

Die Chefredaktion der "Bild"-Zeitung hat auf Ihrer Homepage bestätigt, dass Christian Wulff versucht hat, auf die Berichterstattung über die Kredit-Affäre Einfluss zu nehmen. Damit bestätigt das Blatt entsprechende Berichte der "Süddeutschen Zeitung" und der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".  Der Bundespräsident habe zunächst eine Stellungnahme abgegeben, diese jedoch kurz vor Redaktionsschluss zurückgezogen. Im Anschluss habe Wulff versucht, Bild-Chefredakteur Kai Diekmann direkt zu erreichen, der sich zu der Zeit auf einer Dienstreise befand. Als das nicht gelang, habe der Bundespräsident eine längere Nachricht auf der Handy-Mailbox des Chefredakteurs gesprochen.

"Der Bundespräsident zeigte sich darin empört über die Recherchen zu dem Hauskredit und drohte u.a. mit strafrechtlichen Konsequenzen für den verantwortlichen Bild-Redakteur", erklärt Bild.

Wulff hat sich bei Bild für Anruf entschuldigt

Zwei Tage nach der ersten Bild-Veröffentlichung zu dem Hauskredit am 13. Dezember 2011 habe der Bundespräsident erneut den Kontakt zu Diekmann gesucht. In diesem Telefonat habe er persönlich um Entschuldigung für Ton und Inhalt seiner Äußerungen auf der Handy-Mailbox gebeten. Deshalb habe die Bild-Zeitung nach breiter redaktioneller Debatte davon abgesehen, eigens über den Vorfall zu berichten.

Zuvor hatten "Süddeutsche Zeitung" und die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" übereinstimmend berichtet, Wulff habe am Tag, bevor die "Bild"-Zeitung die Informationen über den umstrittenen Kredit veröffentlichte, dem Springer-Verlag mit einem "endgültigen Bruch" gedroht, sollte diese "unglaubliche" Geschichte tatsächlich erscheinen.

Wulff soll auch mit Springer-Chef Döpfner telefoniert haben

Nach Informationen von "Spiegel Online" telefonierte Wulff auch mit dem Vorstandsvorsitzenden der Springer AG, Mathias Döpfner. Demnach soll er diesen gebeten haben, bei Diekmann Einfluss zu nehmen. Doch der Konzernchef, in dessen Haus die "Bild" erscheint, soll ihm in knapper Form beschieden haben, sich nicht in die Belange der Redaktion einmischen zu wollen.

Video
In der Debatte um seine Kredit-Affäre hat sich Bundespräsident Wulff zu Wort gemeldet. In einer kurzen Ansprache bedauerte er sein damaliges Vorgehen als "irritierend" und "nicht geradlinig".

Bei dem ersten Telefonat mit Diekmann sollen laut "SZ" und "FAZ" auch die Worte Krieg und Rubikon gefallen sein. Der römische Feldherr und Politiker Gajus Julius Cäsar überquerte im Jahr 49 vor Christus mit seinen Soldaten den Fluss Rubikon, was rechtlich einer Kriegserklärung an den römischen Senat gleichkam. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" soll Wulff zudem mit einem Strafantrag gegen die in der Affäre recherchierenden Journalisten gedroht haben.

Bisher keine Stellungnahme

Einen Tag nach dem Anruf des Präsidenten erschien der erste Bericht der zum Springer-Verlag gehörenden "Bild"-Zeitung , demzufolge Wulff als niedersächsischer Ministerpräsident einen 500.000-Euro-Privatkredit von dem Unternehmerehepaar Geerkens erhalten hat.

Das Bundespräsidialamt schweigt zu all dem. "Die Presse- und Rundfunkfreiheit ist für den Bundespräsidenten ein hohes Gut", hieß es lediglich in einer Mitteilung. Wulff habe deshalb zu den Krediten für sein Eigenheim und zu Urlaubsaufenthalten "Transparenz hergestellt, Erklärungen abgegeben" und mehrere Hundert Medienanfragen beantwortet. "Über Vieraugengespräche und Telefonate gibt der Bundespräsident aber grundsätzlich keine Auskunft."

Der Deutsche Journalistenverband (DJV) hat die versuchte Einflussnahme Wulffs auf die Berichterstattung der "Bild"-Zeitung kritisiert. "Wenn sich die Vorwürfe als richtig erweisen, ist das nicht akzeptabel", sagte DJV-Sprecher Hendrik Zörner am Montag der Nachrichtenagentur dapd in Berlin. Der Bundespräsident müsse sich "als Staatsoberhaupt wie kein anderer Politiker um die Freiheit der Presse bemühen". Die versuchte Einflussnahme habe deshalb eine "besondere Dimension".

SPD-Parteivize: Wulffs Verhalten schadet der politischen Klasse

Die stellvertretende SPD-Vorsitzende Aydan Özoguz kritisiert die Aufklärungsbemühungen von Bundespräsident Wulff in der Affäre um die Finanzierung seines Hauses. "Dass Herr Wulff nicht sofort reinen Tisch gemacht hat, schadet der ganzen politischen Klasse", sagte Özoguz dem "Hamburger Abendblatt". "Ich wünsche mir noch weitere Aufklärung." Es sei misslich, dass alle Details nur stückchenweise aufgeklärt würden.

"Ich möchte, dass er als glaubwürdiger Bundespräsident im Amt bleiben kann", sagte Özoguz. "Ich finde es traurig, dass es durch Wulff wieder zu Pauschalurteilen über die Politiker gekommen ist."

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Erwin Lotter hält Wulff nun endgültig für untragbar. "Der Präsident muss Schloss Bellevue räumen und als Privatmann ohne lebenslange Staatsapanage in sein Einfamilienhaus zurückkehren", sagte Lotter am Montag in Berlin. "Ich schäme mich, ihm meine Stimme gegeben zu haben." Mit seinem "kruden Verfassungsverständnis von Pressefreiheit" habe sich Wulff endgültig für das Amt diskreditiert. (we/afp/dapd/rtr)

Chronik der Kredit-Affäre

 



Kommentare
03.01.2012
10:24
Glasklar!
von Eigenart | #132

ich verstehe nicht, was es hier noch nachzudenken oder abzuwägen gibt. Herr Wulff hat sich der Vorteilsnahme im Amt (sprich Korruption) schuldig gemacht. Weiterhin hat er versucht, die im Grundgesetz garantierte Pressefreiheit aus Privatinteresse auszuhebeln. Damit gehört er SOFORT aus dem Amt geworfen - ohne Bezüge. Blödheit ist ja nicht strafbar, sonst müsste man ihn deswegen auch noch verurteilen, weil er seine "Kriegs-"Drohung sogar auf Band gesprochen hat.

03.01.2012
09:13
Unser Bundespräsident Wulff
von banane666 | #131

ich bin kein Freund der Axel-Springer-Zeitungen, aber wenn das stimmt hat er schon anfangs sein wahres Gesicht gezeigt und was wir uns da für einen Präsidenten eingefangen haben, wehret den Anfängen, wie war das bei den NAZIS und dann in der DDR?......die freie Presse ist unser oberstes Gut, egal welcher Couleur, freundlichst klaus h

02.01.2012
22:13
Der neue
von freier_buerger | #130

Berlusconi? Obwohl der arbeitet ja schon an seinem Comeback und an dessen "Leistungen" wird Wulff nicht herankommen

02.01.2012
19:23
Wulff
von a_ha | #129

Im Hinterkopf die Frage: Warum gerade jetzt? finde ich dennoch das Verhalten des BP unglaublich. Dieser Mann hat einfach nicht die Kinderstube für ein solches Amt.
Aber was waren seine letzten Statements? Der Islam gehört zu Deutschland. Keine Eurobonds.
War da noch was, was ihm jemand schwer übel nehmen könnte?

02.01.2012
19:15
Mutti in Personalproblemen
von LilaLatzhose | #128

Während Mutti auf Euro-Rettungstour ist und nach Außen hin sicher Wirkung zeigt, hat sie ihren Laden zu Hause überhaupt nicht im Griff...fast sämtliche Personalentscheidungen waren ein Griff ins Klo....die fatale Allianz mit der FDP und den dortigen Lichtgestalten, Guttenberg (der bei der Bundeswehr nur der Show-Ruf hatte) und nun auch noch Wulff. Bis 2013 ist das nicht vergessen und egal, was passiert, es dürfte am CDU-Wahldebakel nichts ändern. Es muss einE BP her, der/die mit der Politik nicht ganz so verbandelt ist, jemand, den alle Seiten akzeptieren. Merkel täte gut daran -wenn denn Wulff ein wenig Rückgrat hat und zurück tritt- sich mit der SPD auf einen gemeinsamen BP zu einigen.

02.01.2012
19:09
Wo bleibt von herrn Wulff der Respekt vor dem Amt des BP ?
von michalek | #127

Selbst der toleranteste Bürger oder Politiker muss jetzt einsehen das , aus Respekt vor dem Amt des Bundespräsidenten, Herr Wulff als BP nicht mehr zu halten ist.
Die detaillierte Aufzählung der Abläufe durch die WAZ sagte alles.
Auch wenn die juristische Bewertung des Vorgangs noch nicht abschließend vorgenommen werden kann, moralisch darf man sich schon jetzt ein negatives abschließendes Urteil erlauben. Das der höchste Mann in unserem Land sich ähnlich aufführt wie der frühere Ministerpräsident Italiens Berlosconi ist schon ein starkes Stück.
Selbst seine letzten Fürsprecher, die immer noch von keinem Fehlverhalten des BP ausgehen, müssen einsehen das er sich taktisch unmöglich und ohne jedes Krisenmanagement verhalten hat.
Man sollte aber auch zur Kenntnis nehmen das der Bundestagspräsident ebenfalls in dieser Sache das Verhalten der Medien kritisiert. Damit erweckt auch er den Eindruck das es sich hierbei um ein ganz normalen Vorgang handelt.

02.01.2012
19:00
Der Bundespräsident hat Recht
von Bluuutwurst | #126

man darf sich als Souverän nicht einfach die Pressefreiheit gefallen lassen. Da könnte ja jeder kommen.

02.01.2012
18:59
Wie lange noch, Herr Wulffusconi?
von PeterSarwaitz | #125

Es ist erschreckend, wie ruhig die Opposition ist. Wenn die Sozis 2013 nicht den Kanzler stellen, reicht das Schmusen immer noch für eine große Koalition. Die Grünen mit dem Bonusmeilen-Häuptling könnten dafür auch in Frage kommen,

Von der Veränderung der Bezahlung der überflüssigen Bundespräsidenten hört man auch nichts.

Das Folgende hab ich schon selber blockiert.

02.01.2012
18:41
Schmieriges Politiktheater
von wide379 | #124

Koch- Mehrin, zu Gutenberg, Sauerland, Wulf,

(an alle, bitte die Liste verlängern)

Und die wundern sich wenn kein Mensch mehr wählen geht.

02.01.2012
18:18
Es ist 18:18 Uhr
von kaesekrokette | #123

Und auf der Homepage der CDU ist aber auch gar nichts zu lesen. Dieser Stich heute hat wohl gesessen.
Die Frage scheint nur noch:
Wer wird der neue Bundespräsident??

Mit Sicherheit Niemand aus der CDU!!

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