Das aktuelle Wetter NRW 11°C
Politik

Bettina Wulff kämpft um ihr Ansehen

11.09.2012 | 17:20 Uhr
Foto: /dapd/Steffi Loos

Gleich an mehreren Fronten versucht die ehemalige First Lady Bettina Wulff derzeit ihr Image zu verbessern. Nachdem sie ihre Biografie auf den Markt gebracht und Klagen gegen Google und den TV-Moderator Günther Jauch wegen der Verbreitung von Gerüchten eingereicht hat, meldete sie sich nun in verschiedenen Zeitschriften zu Wort - und gewährte dabei tiefe Einblicke in ihr Privatleben.

Hamburg/Hannover (dapd-nrd). Gleich an mehreren Fronten versucht die ehemalige First Lady Bettina Wulff derzeit ihr Image zu verbessern. Nachdem sie ihre Biografie auf den Markt gebracht und Klagen gegen den Internetkonzern Google und den TV-Moderator Günther Jauch wegen der Verbreitung von Gerüchten eingereicht hat, meldete sie sich nun in verschiedenen Zeitschriften zu Wort - und gewährte dabei tiefe Einblicke in ihr Privatleben.

In einem Gespräch mit der "Brigitte" machte sie etwa Probleme in ihrer Ehe mit dem früheren Bundespräsidenten Christian Wulff öffentlich. Ihr Mann habe sie ein großes Stück in ihre Rolle gedrängt, sagte sie in einem am Dienstag vorab veröffentlichten Interview. "Und wenn ich es im Nachhinein betrachte, rächt sich dies auch in der Beziehung", sagte sie.

Bei Christian Wulffs Rücktrittsrede vom Präsidentenamt habe sie sich bewusst von ihm entfernt, um ihre Eigenständigkeit zu betonen. Inzwischen sei sie mit ihrem Mann in therapeutischer Behandlung.

Sie sehne sich nun nach einem normalen Leben, sagte sie in einem vorab veröffentlichten Interview der Zeitschrift "Gala". "Ich möchte wieder in die Öffentlichkeit gehen können, wenn ich es will", sagte sie. Nur Hausfrau zu sein, komme für sie nicht infrage: "Das macht mich unleidlich, auch den Kindern gegenüber."

Im Gespräch mit der "Bunten" äußerte sie sich detailliert zu Gerüchten über ihre angebliche Rotlicht-Vergangenheit. "Obwohl ich eine starke Frau bin, habe ich viel geweint. Ich bekam Magenschmerzen, hatte oft das Gefühl, mich übergeben zu müssen, schlief schlecht", sagte sie. Dem "Stern" erklärte sie, dass es für sie während der Amtszeit ihres Mannes noch unmöglich gewesen sei, auf die üble Nachrede zu reagieren, da dies noch viel mehr Aufmerksamkeit verursacht hätte.

Experten werfen Bettina Wulff eine Inszenierungs-Kampagne vor. Klaus Kocks, Professor für Kommunikationsmanagement an der Hochschule Osnabrück, bezeichnete ihre Vorstöße als "PR-Kaspereien". Die 38-Jährige sei "Opfer eines wirklich infamen Rufmordes, an dem sie sich nun auch noch zur Mittäterin macht", sagte Kocks der dapd.

Der Medienwissenschaftler Lutz Hachmeister hält das Vorgehen der ehemaligen First Lady für "orchestriert". "Solche Zufälle gibt es gar nicht", sagte er im Deutschlandradio mit Blick auf die zeitgleichen Klagen von Bettina Wulff gegen Google und Jauch.

Unterstützung erhält Wulff indes von der Frauenrechtlerin Alice Schwarzer. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung sei der frühestmögliche - ein halbes Jahr nach dem Rücktritt ihres Mannes vom Amt des Bundespräsidenten. "Ihr Buch jetzt als 'Groschenroman' abzutun, ist billig. Denn hier geht's ja nicht um Literatur, sondern um eine existenzielle Richtigstellung in eigener Sache", sagte die "Emma"-Herausgeberin der Nachrichtenagentur dapd.

Seit Dienstag ist Bettina Wulffs Biografie im Buchhandel erhältlich. Das Buch geht mit einer Auflage von 100.000 Exemplaren an den Start. Der Veröffentlichungstermin wurde kurzfristig von November auf September vorgezogen. Beim Internetversandhandel Amazon ist die Biografie auf Platz acht der Bestsellerliste geklettert. Unter den Büchern in der Politik-Rubrik ist es inzwischen schon die Nummer eins.

dapd

dapd

Facebook
Kommentare
Umfrage
Die Schotten haben sich gegen die Unabhängigkeit entschieden, Großbritannien bleibt intakt. Wie finden Sie das?

Die Schotten haben sich gegen die Unabhängigkeit entschieden, Großbritannien bleibt intakt. Wie finden Sie das?

 
Fotos und Videos
Aus dem Ressort
Der Sauerländer Paul Ziemiak führt die Junge Union
CDU-Nachwuchs
Der 29-jähriger Iserlohner Paul Ziemiak ist Nachfolger von Philipp Mißfelder als Chef der CDU-Nachwuchsorganisation Junge Union. Er gibt sich konstruktiv, aber die Kanzlerin sollte ihn nicht unterschätzen.
Hunderttausende Syrer flüchten in die Türkei
Syrien
Aus Furcht vor der Terrormiliz IS kamen innerhalb von 24 Stunden 70 000 Flüchtlinge aus Syrien in die Türkei. Bundesinnenminister Thomas De Maizière will Flüchtlinge gerecht über die Länder Europas verteilen.
Merkel lässt Nahles abblitzen - Zugeständnis an Arbeitgeber
Bundesregierung
Die Zeiten üppiger Geschenke ans Wahlvolk sind vorbei. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat dem sozialpolitischen Plänen ihres Koalitionspartners eine klar Absage erteilt. Stattdessen macht sie der Wirtschaft Zugeständnisse. Das stellt die Große Koalition vor eine Zerreißprobe.
Tausende Russen demonstrieren gegen Putins Ukraine-Kurs
Russland
Der Rubel verliert an Wert, die Lebensmittelpreise steigen wegen der Sanktionen. Doch die in Moskau zu Tausenden aufmarschierten Demonstranten sind nicht deshalb auf der Straße - sie empört vor allem Putins neo-imperialer Stil. Finden sie Gehör?
70.000 Flüchtlinge suchen Schutz vor IS in der Türkei
Syrien
Die USA bombardieren IS-Stellungen im irakischen Mossul, doch die Miliz konzentriert ihre Angriffe inzwischen auf Nordsyrien. Die Folge: Allein seit Freitag suchten etwa 70.000 Flüchtlinge Schutz im Nachbarland. In Ankara ahnt man, dass das möglicherweise erst der Anfang ist.