Betrüger erschwindelten Kredite für abbruchreife Häuser

Moers..  Sieben Verhaftungen und Festnahmen, Razzien in NRW, Berlin und Niedersachsen, Schaden in zweistelliger Millionenhöhe – gestern früh schlug die Ermittlungskommission „EK Immo“ der Kreispolizeibehörde Wesel nach fast einem Jahr kriminalistischer Kleinarbeit zu. Die Sparkasse Neukirchen-Vluyn hatte die Ermittlungen gegen die mutmaßlichen Betrüger mit zwei Strafanzeigen angestoßen.

Dem mutmaßlichen Haupttäter, Geschäftsführer (37) einer Consultingfirma in Moers, überreichten Kripo und Steuerfahndung morgens den Haftbefehl, zeitgleich wurden Verdächtige in Mülheim und Köln verhaftet. Drei weitere Männer nahm ein Spezialeinsatzkommando in Köln fest. Der Vorwurf: Die Männer sollen „Schrottimmobilien“ aufgehübscht haben, um einen weit höheren Wert vorzutäuschen. Dann sollen Strohmänner – teils unter falschem Namen – Kredite für den Wohnungskauf beantragt haben. Zur Steigerung der Kreditwürdigkeit gab es Scheinfirmen, die den „seriösen Käufern“ Gehaltsabrechnungen etwa als Geschäftsführer ausstellten und entsprechende regelmäßige Einkünfte per Geldkreislauf aufs Konto überwiesen.

Ein exemplarischer Fall war nach Angaben von Polizeisprecherin ­Sabine Vetter ein Haus in Duisburg-Neuenkamp: Für 70 000 Euro wurde die „abbruchreife Schrottimmobilie“ gekauft und in vier Eigentumswohnungen aufgeteilt. Über die Finanzierung der Wohnungen hätten die Verdächtigen rund 555 000 Euro an Krediten ergaunert. „Es wurde festgestellt, dass durch mehrere Personen in unterschied­licher Tatbeteiligung eine Vielzahl von Immobilien zu überhöhten ­Preisen an Darlehensnehmer mit schlechter Bonität verkauft wurden“, erklärte die Kreispolizeibehörde Wesel offiziell.

Den großen Reibach haben aus Sicht der Ermittler die Haupttäter gemacht; die „Kreditnehmer“ erhielten nur einen kleinen Anteil. Bei den Razzien wurden zwei Autos, Computer und eine eher geringe Summe an Bargeld sichergestellt.