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Jugendheime

Berufsverbot für drei Erzieher nach Misshandlungsvorwürfen

10.07.2013 | 16:56 Uhr
Berufsverbot für drei Erzieher nach Misshandlungsvorwürfen
"Wir sollten prüfen, ob solche Heime im äußersten Fall notwendig sind", sagte Brandenburgs Bildungsministerin Martina Münch (SPD).Foto: dpa

Potsdam/Hamburg.  Erzieher sollen Kinder und Jugendliche misshandelt haben. Brandenburgs Behörden reagieren mit einem Belegungsstopp für die umstrittenen Jugendheime. Die Debatte um die Unterbringung schwieriger Fälle ist neu entbrannt.

Nach immer neuen Misshandlungsvorwürfen zieht Brandenburg die Reißleine: Die umstrittenen Haasenburg-Heime dürfen keine neuen Kinder oder Jugendlichen aufnehmen. Drei Erziehern wird die Tätigkeit untersagt.

"Aufgrund der aktuellen Vorwürfe, täglich neuer Hinweise und vor dem Hintergrund der Fülle und Schwere der Vorwürfe gegen die Haasenburg-Heime kann ich es derzeit nicht verantworten, weitere Kinder und Jugendliche dort unterzubringen", meint Bildungs- und Jugendministerin Martina Münch (SPD). Die Staatsanwaltschaft Cottbus prüft, ob Straftaten vorliegen. Die Haasenburg GmbH weist die Anschuldigungen zurück.

Alle Jugendlichen psychisch auffällig und delinquent

Die Bewohner der Heime sind von Jugendämtern aus ganz Deutschland eingewiesen worden. Alle Kinder und Jugendlichen sind psychisch auffällig und delinquent, wie es im Fachjargon heißt. Oft wurden sie aus den Familien herausgenommen, denen das Sorgerecht entzogen wurde.

Verdacht
Polizei durchsucht Kinderheime nach Misshandlungsvorwürfen

Das Entsetzen ist groß: Kinder und Jugendliche sollen in brandenburgischen Heimen misshandelt worden sein. Jahre später überprüfen Experten und Politiker die Einrichtungen, die Polizei stellt Unterlagen sicher. Experten sollen aufklären - und Erziehungsmodelle liefern.

Hamburg überlegt, ob Zöglinge aus der Hansestadt aus den Einrichtungen zurückgeholt werden sollen. In Brandenburg selbst ist eine Debatte um die Schließung der Haasenburg-Heime entbrannt. Ministeriumssprecher Stephan Breiding wiegelt ab: "Derzeit gibt es keinen Grund, sie zu schließen."

Einrichtung in Hamburg wurde 2008 geschlossen

Die Diskussion um geschlossene Heime für Kinder- und Jugendliche ist alt. Bundesweit gibt es laut Brandenburgs Jugendministerium 30 Einrichtungen, die 390 Plätze für eine besonders gesicherte Unterbringung anbieten. Die meisten von ihnen sind in Bayern und Nordrhein-Westfalen. In Hessen ist 2011 erstmals seit Jahrzehnten wieder ein geschlossenes Heim entstanden.

In Hamburg entstand unter dem Mitte-Rechts-Senat mit Ronald Schill als Innensenator eine geschlossene Einrichtung zur Unterbringung straffälliger Jugendlicher. Von Anfang an gab es erhebliche Probleme. 2008 wurde die Einrichtung geschlossen. Mehrere Jugendliche landeten in Brandenburg.

Experten halten solche Heime für unverzichtbar

Viele Experten halten solche Heime für unverzichtbar. Die Alternativen seien Psychiatrie oder Gefängnis. "Es muss eine Intervention möglich sein, bevor schwierige Jugendliche in die Fänge der Justiz kommen", sagt auch Bernd Langer, Facharzt für Psychiatrie. Der Mediziner ist Forensischer Sachverständiger und Vorsitzender des Psychiatrie-Ausschusses von Sachsen-Anhalt.

Die Betroffenen brauchen laut Experten feste Strukturen. "Es besteht aber die Gefahr, dass sich totalitäre Strukturen herausbilden. Darum ist eine permanente Kontrolle der Einrichtungen unbedingt erforderlich", betont Langer. Daran könnte es in Brandenburg gehapert haben. Das Ministerium prüft, ob Kontrollen und Auflagen des Landesjugendamtes ausreichend waren. (dpa)      



Kommentare
11.07.2013
11:01
Berufsverbot für drei Erzieher nach Misshandlungsvorwürfen
von Ismet | #1

Anstatt nach "Schuldigen" zu Suchen, sollte man lieber Lösungen erarbeiten und diese Umsetzen.
Solange die Medienwelt hier ein Auge drauf hält, solange wird die Sache in der Schwebe gehalten...

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