Berufskollegs in NRW laufen Sturm gegen Stellenabbau

Die NRW-Landesregierung will etwa 500 Stellen an Berufskollegs abbauen.
Die NRW-Landesregierung will etwa 500 Stellen an Berufskollegs abbauen.
Foto: Volker Hartmann
Was wir bereits wissen
Die Berufskollegs in NRW fühlen sich von der Landesregierung im Stich gelassen. Der Streit entzündet sich am laufenden Abbau von 500 Lehrerstellen.

Essen.. Die NRW-Landesregierung begründet den Abbau von 500 Lehrerstellen bei Berufskollegs mit der Erwartung, dass künftig viel weniger Schüler als bisher in Ausbildungs-„Warteschleifen“ festhängen oder ihre Lehre abbrechen werden. Durch die zu erwartende Rendite aus der „präventiven Sozialpolitik“ von Rot-Grün werde sich die Schülerzahl an den Berufskollegs verringern, erklärte das NRW-Schulministerium gegenüber unserer Redaktion.

Der Verband der Berufskolleg-Lehrer in NRW wertet das als Frontalangriff. „Unsere Schulen werden schon lange systematisch benachteiligt“, sagte Verbands-Vorsitzender Wilhelm Schröder unserer Redaktion. „Man nimmt uns heute schon Lehrer weg, obwohl es diese „Rendite“ noch gar nicht gibt und niemand weiß, ob sie funktioniert. Man macht also den zweiten Schritt vor dem ersten.“ Heute schon, so Schröder, hätten die Kollegs rund 1400 Lehrer-Stellen zu wenig, um ihren wichtigen Auftrag zu erfüllen.

Lehrerstellen Mehr Schüler an öffentlichen Berufsschulen als an Gymnasien

Zu den Aufgaben der Berufskollegs gehört auch die Ausbildung von Lehrlingen in der Berufsschule. „Deutschland wirbt in ganz Europa für das erfolgreiche Duale System in der Berufsausbildung. Aber eine der beiden Säulen, die Schule, genießt keine Wertschätzung“, heißt es in Lehrerkreisen.

Die Bildungswissenschaftlerin Sybille Stöbe-Blossey von der Uni Duisburg-Essen teilt diese Einschätzung: „Ich glaube auch, dass die Berufskollegs schulpolitisch nicht hinreichend beachtet werden. Oft weiß nicht mal die Kommunalpolitik genug darüber, wie dort gearbeitet wird und welche Chancen die Bildungsgänge bieten.“

Sparpläne Die Benachteiligung beginnt nach Meinung vieler Rektorate schon bei der Ausbildung: In NRW gibt es rund 5300 Lehramtsstudenten für Berufskollegs, aber rund 27.000 Studenten, die an Gymnasien unterrichten wollen. Dabei zählen die öffentlichen Berufsschulen in NRW sogar mehr Schüler als die Gymnasien, nämlich rund 530.000.

Das Schulministerium beteuert, es löse gerade das Problem der wenigen Lehramtsstudenten fürs Berufskolleg: Fünf Hochschulverbünde erhalten dafür bis 2018 elf Millionen Euro vom Land für neue Angebote zur Ausbildung von Lehrern an Berufskollegs. Fachhochschulen und Universitäten sollen dabei kooperieren.