Berlin spricht nun doch von Völkermord

Berlin..  Der Bundestag wird die Vertreibung und Ermordung von bis zu 1,5 Millionen Armeniern vor hundert Jahren nun doch offiziell als „Völkermord“ bezeichnen.

Die Fraktionsspitzen von SPD und Union verständigten sich in Abstimmung mit der Bundesregierung auf den Antrag, den das Parlament am Freitag beschließen will. Vorangegangen waren hochrangige Gespräche zwischen Koalition, Kanzleramt, Außenministerium und Mitarbeitern von Bundespräsident Joachim Gauck.

Dabei wurde eine Kompromiss-Formulierung entwickelt, die den Begriff Völkermord zwar verwendet, aber nur indirekt in einer Aufzählung: Die damalige Regierung des Osmanischen Reiches habe am 24. April 1915 „die planmäßige Vertreibung und Vernichtung von über einer Million Armeniern“ begonnen, heißt es. Und: „Ihr Schicksal steht beispielhaft für die Geschichte der Massenvernichtungen, der ethnischen Säuberungen, der Vertreibungen und der Völkermorde, von denen das 20. Jahrhundert auf so schreckliche Weise gezeichnet ist.“ Ursprünglich hatte die Regierung mit Rücksicht auf die Türkei verhindern wollen, dass das Parlament den Begriff Völkermord verwendet. Das war auf Kritik gestoßen.