Bergung wird lange dauern

Paris..  Noch nie ist das beschauliche Leben in Seyne-les-Alpes dermaßen durcheinandergewirbelt worden. Für wenige Stunden reisen auch die Regierungschefs der hauptbeteiligten Länder Spanien, Deutschland und Frankreich an.

Auf 1500 Metern Höhe liegt der Bergort Seyne-les-Alpes und etwa zehn Kilometer entfernt von der Stelle, wo der Airbus an einer Bergflanke im Alpenmassif „Trois-Évêchés“ zerschellte.

Der die Rettungs- und Bergungsarbeiten leitende Gendarmerie-General David Galtier ließ in Seyne die Operationsbasis des Großeinsatzes einrichten. Seither lebt die kleine Gemeinde im Rhythmus der in Minutenabständen startenden und landenden Hubschrauber, die Bergungsmaterial, Sicherheitskräfte und Spezialisten zum Absturzort transportieren.

Mehr als 400 Feuerwehrleute und Gendarmen wurden in Seyne zusammengezogen. Doch den Weg in das abgelegene Bergdorf fanden auch zahlreiche Journalisten aus ganz Europa sowie eine ganze Reihe deutscher, französischer und spanischer Regierungsmitglieder. In aller Eile musste der Bürgermeister einen Raum für ein improvisiertes Pressezentrum bereitstellen und die Mehrzweck-Sporthalle in eine Trauerkapelle und Aufbahrungshalle umfunktionieren.

Die Präfektin des Departments Alpes-de-Haute-Provence und Regierungschef Manuel Valls haben dem Gemeindevorstand Helfer zur Seite gestellt. Sie organisieren den Empfang hochkarätiger Besucher ebenso wie den der trauernden Familienangehörigen, die seit gestern Morgen in Seyne eintreffen und umgehend von Dolmetschern und Psychologen umsorgt werden.

Der Absturzort selber ist allein per Hubschrauber zu erreichen. Oder, für ausgewiesene Alpinisten, zu Fuß. 18 Stunden benötigte ein erster, von örtlichen Bergführern begleiteter Trupp von 60 Gendarmen für den schwierigen Aufstieg. Seit dem Mittwochmorgen unterstützen sie die Bergungsspezialisten sowie die Unfallermittler, die von Hubschraubern abgesetzt wurden.

Der Absturzort sei mittlerweile gesichert, erklärt General Galtier, doch die Bergung der Opfer, die jetzt Vorrang habe, gestalte sich sehr kompliziert, gefährlich und langwierig. Sie werde Tage, vielleicht sogar Wochen dauern.

Augenzeugen, die die Absturzstelle überflogen haben, beschreiben ein „Bild des Horrors“. Über mehrere Hektar verteilen sich die Trümmer des Flugzeuges und die Überreste der Insassen über einen zerklüfteten und bis zu 40 Grad steilen Berghang. Allein das Fahrwerk des Airbus ist nach dem Aufprall an einem Stück geblieben. „Ich habe nichts sonst gesehen, was größer als ein Aktenkoffer gewesen wäre“, berichtet ein Gendarmerie-Offizier: „Die Identifizierung wird ausgesprochen schwierig.“

Rettungskräfte stehen Spalier, als die Kanzlerin in der Nähe der Absturzstelle in den französischen Alpen eintrifft. Angela Merkel steigt aus einem grauen Hubschrauber der französischen Luftwaffe. Mit ihr treffen auch NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, der französische Staatspräsident François Hollande und der spanische Regierungschef Mariano Rajoy auf dem Feld südlich der Kleinstadt Seyne-les-Alpes ein.

Sie werden von den Verwaltungschefs der Region begrüßt. Merkel nimmt sich viel Zeit für die Rettungskräfte. Lange unterhält sie sich mit einzelnen Helfern. „Wie viele Familienväter sind denn schon da?“ fragt Hollande einen Einsatzleiter. Die ersten treffen gerade ein, antwortet dieser, das Gespräch wird live im Fernsehen übertragen. „Die Gemeinden tun alles, was sie können.“ Hotels und Privatleute haben kostenlose Unterkünfte angeboten.

Dann ziehen sich die Politiker zum Gespräch in ein erst am Morgen aufgebautes Zelt zurück, reisen nach einigen Stunden wieder ab. Zurück in Seyne-les-Alpes bleibt die Trauer der Angehörigen und die Betroffenheit in der Region.