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Polen

Belehrungen von Deutschen sind unerwünscht

25.03.2013 | 17:17 Uhr
Belehrungen von Deutschen sind unerwünscht
Ludwig Trepte als Viktor Goldstein und Katharina Schüttler als Greta in dem Dreiteiler "Unsere Muetter, unsere Vaeter". Der Jude Viktor schließt sich polnischen Partisanen an und muss auch dort Anfeindungen erleben.Foto: David Slama/dapd

Essen.   Der Dreiteiler „Unsere Väter, unsere Mütter“, der in der vergangenen Woche im ZDF gezeigt wurde, empört die Polen. In der Kritik steht vor allem die Darstellung der polnische Heimatarmee, die als antisemitisch dargestellt wurde. Das Werk sei antipolnisch, heißt es in Kommentaren. Wir sprachen mit dem Berliner Antisemitismusforscher Wolfgang Benz über die polnischen Reaktionen.

Immer wieder lösen Filme oder Bücher, die polnischen Bürgern eine Beteiligung an der Judenverfolgung unterstellen, im Nachbarland Empörung aus. Zuletzt sorgte Anfang des Jahres der Film „Poklosie“ („Nachlese“) für Aufregung, der Polen als Komplizen beim Judenmord zeigt. Wir waren nicht die Täter, sondern die Opfer, lautete der Tenor der Reaktionen.

Auch die Bücher des polnischen Soziologen Jan Thomasz Gross („Nachbarn“, „Angst“ und „Goldene Ernte“), worin Verfolgungen, Pogrome und die Bereicherung an jüdischem Besitz geschildert werden, sorgten für erregte Debatten im Nachbarland. So nun auch die ZDF-Serie „Unsere Mütter, unsere Väter“, die polnische Partisanen als Judenfeinde darstellt.

Unter den Nazis gelitten

„Antisemitismus gibt es in Polen bis zum heutigen Tag“, stellt Professor Wolfgang Benz vom Zentrum für Antisemitismusforschung in Berlin fest. Dem Schicksal der Juden habe nicht die Hauptsorge der Polen gegolten, die unter den Nazis ja selbst ungeheuer leiden mussten, so Benz. Auch später, während des Kommunismus, waren die polnischen Juden politischen Repressalien ausgesetzt, die Mehrzahl wanderte ab 1956 aus, erklärt Benz. So verschwand das düstere Thema aus dem öffentlichen Blick.

„Dass immer wieder von den Juden als Opfer des Nazi-Regimes die Rede ist, nicht aber vom Martyrium der Polen, verstört viele Bürger immer wieder“, sagt Benz. Mit Zurückhaltung würden die Polen beobachten, wie in Ausschwitz regelmäßig der jüdischen Opfer gedacht wird, nicht aber der polnischen. „Das kränkt die Polen sehr“, sagt Benz. Kritische Darstellungen, wie etwa in dem ZDF-Dreiteiler, würden daher das Selbstbild vieler Polen als Opfer infrage stellen, was entsprechende Reaktionen hervorrufe.

„Da liegen die Nerven schnell blank“

Und dass der Film ausgerechnet eine deutsche Produktion sei, mache es noch schlimmer: „Die Polen mögen es am allerwenigsten, sich von Deutschen belehren zu lassen. Da liegen die Nerven schnell blank.“ Hätten ihnen früher die „Herrenmenschen“ Befehle erteilt, beschreibt Benz die Gemütslage, wollten es nun deren Enkel schon wieder besser wissen.

Christopher Onkelbach



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