Bei großen Firmen sind zwei Drittel der neuen Jobs befristet

Nach der Lehre in den befristeten Job: Vor allem in Großunternehmen ist das durchaus üblich.
Nach der Lehre in den befristeten Job: Vor allem in Großunternehmen ist das durchaus üblich.
Foto: dpa-tmn
Was wir bereits wissen
Die meiste Arbeitnehmer werden in Großbetrieben nur noch befristet eingestellt. Das geht aus neuen Daten der Bundesregierung hervor.

Berlin.. Die meiste Arbeitnehmer werden in Großbetrieben nur noch befristet eingestellt. Während im vergangenen Jahr durchschnittlich 45 Prozent aller neu geschlossenen Arbeitsverträge in Deutschland befristet waren, lag die Quote bei großen Unternehmen mit mehr als tausend Beschäftigten mit 70 Prozent deutlich darüber.

Das geht aus neuen Daten der Bundesregierung hervor, die der WAZ vorliegen. Laut Regierungsangaben hat sich die Zahl der befristeten Arbeitsverträge in den vergangenen zwei Jahrzehnten massiv erhöht: Während 1997 erst etwa 630 000 Arbeitnehmer mit einem Zeitvertrag neu in ein Unternehmen eintraten, waren es im vergangenen Jahr 1,07 Millionen Beschäftigte – der Anteil an allen Neueinstellungen stieg im selben Zeitraum von 34 Prozent auf 45 Prozent. Insgesamt hatten 2014 in Deutschland 3,1 Millionen Arbeitnehmer (ohne Auszubildende) einen zeitlich befristeten Job – etwa jeder elfte Beschäftigte.

Kleine Unternehmen befristen weniger

Vor allem große Firmen weiteten die Befristungen in den vergangenen Jahren deutlich aus. In Unternehmen mit 251 bis 1000 Beschäftigten waren im vergangen Jahren zwei Drittel der Neueinstellungen befristet. Die Gruppe der kleinen und mittleren Betriebe mit 51 bis 250 Beschäftigten vereinbarte 2014 dagegen nur mit rund der Hälfte der neu eingestellten Arbeitnehmer einen Zeitvertrag, kleine Firmen mit bis zu 10 Mitarbeitern befristeten sogar nur jede fünfte Neueinstellung.

Die Linken-Arbeitsexpertin Jutta Krellmann, die die entsprechende Anfrage an die Bundesregierung gestellt hatte, sprach von einer „Zweiklassen-Gesellschaft“ am Arbeitsmarkt: „Wenn große Betriebe mehr befristen als kleine, dann liegt das sicher nicht daran, dass diese mehr Probleme haben.“ Arbeitgeber befristeten solche Verträge nicht aus Not, sondern weil sie es könnten. Auch die regionale Verteilung deute darauf hin, dass es keinen Zusammenhang zwischen Zeitverträgen und Wirtschaftslage gebe.

Nach einer aktuellen Sonderauswertung des Statistischen Bundesamtes ist Hamburg unter den Ländern Spitzenreiter: Dort haben 12,1 Prozent aller Beschäftigten (ohne Azubis) einen Zeitvertrag. Im Bundesdurchschnitt liegt die Quote bei 9,2 Prozent, in NRW bei 9,0 Prozent.

Unternehmen können Mitarbeiter ohne Angabe von Gründen für bis zu zwei Jahre befristet anstellen; Befristungen mit Sachgrund sind länger möglich.