Behörden nicht sicher vor Cyber-Attacken

Hagen..  Nach der Attacke von Computer-Hackern auf den internationalen französischen Sender TV5 Monde warnen Experten davor, dass vergleichbare Anschläge auch in Deutschland jederzeit möglich seien. Rundfunksender, öffentliche Verwaltungen, Unternehmen, sogar so sensible Einrichtungen wie Energieversorger, Flughäfen und der Katastrophenschutz könnten ins Visier von Cyber-Attentätern geraten.

„Alle Bereiche der digitalen Gesellschaft sind potenziell gefährdet“, sagte Gabi Dreo, Professorin an Forschungszentrum Cyber Defence der Universität der Bundeswehr. „Wir wissen, dass drei von vier Unternehmen bereits Angriffe auf ihre IT-Infrastruktur bemerkt haben“, erklärte Marc Fliehe vom IT-Branchenverband Bitkom. Von einem „unzureichenden“ Schutz der Netze sprach auch Christoph Meinel vom Potsdamer Hasso-Plattner-Institut.

Bei den Angreifern auf den französischen Sender handelte es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um Sympathisanten der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Es war ihnen gelungen, das TV-Programm und die Webseiten des Senders stundenlang lahmzulegen und stattdessen ihre Propaganda zu verbreiten. Auf der Facebookseite von TV5 Monde waren Drohungen gegen französische Soldaten zu lesen — Frankreichs Militär ist Teil einer internationalen Koalition gegen die sunnitischen IS-Extremisten im Irak.

Für die islamistische Miliz ist der sogenannte Cyber Dschihad zu einem wichtigen Bestandteil ihres Kampfes gegen den Westen geworden. „Vor ein paar Monaten noch wäre ein solcher Anschlag wohl undenkbar gewesen. Diese Attacke ist eine Demonstration, wozu Terroristen heute in der Lage sind“, warnte Thorsten Holz, Professor für IT-Sicherheit an der Ruhr-Uni Bochum. „Wir schaffen es nicht, unsere komplizierten Systeme hundertprozentig abzusichern“, so Holz.