Bedauern über Lammerts Abschied

Düsseldorf/Essen..  In der CDU haben ihn einige bereits als geeigneten Kandidaten für den neuen Bundespräsidenten gehandelt, doch der Bochumer Norbert Lammert hat offenbar andere Pläne.

Der Präsident des Deutschen Bundestages zieht sich aus der aktiven Politik zurück. Dreieinhalb Jahrzehnte hat Norbert Lammert als Abgeordneter im Deutschen Bundestag gewirkt, seit 2005 ist er Präsident dieses Parlaments. Am Montagabend teilte der 68-Jährige nun überraschend mit, 2017 sei Schluss. Er werde im kommenden Jahr nicht erneut für den Bundestag kandidieren. „Es ist nun Zeit für einen Wechsel“, schreibt Lammert. Er werde auch nicht immer jünger.

In Nordrhein-Westfalen und im Ruhrgebiet reagierten Parteikollegen mit Bedauern auf Lammerts Rückzug aus der aktiven Politik. CDU-Landeschef Armin Laschet nennt ihn eine der „herausragenden Persönlichkeiten der deutschen Politik“. Er sei „weit über Parteigrenzen hinweg als Kämpfer für den Parlamentarismus und die Demokratie anerkannt“. Für Oliver Wittke, Chef der Ruhr-CDU und früherer NRW-Verkehrsminister, ist Lammerts Abschied ein „schwerer Verlust für die Region. Wenn es ein politisches Gesicht des Ruhrgebiets und einen Vordenker in dieser Region gibt, dann Norbert Lammert.“ Ähnlich betrübt zeigten sich CDU-Vertreter aus Lammerts Heimatstadt und Wahlkreis Bochum. Dort beginnt nun die fieberhafte Suche nach einem neuen CDU-Kandidaten für die Bundestagswahl 2017.

Norbert Lammert wurde 1948 in Bochum geboren, wo er als Mitglied der Jungen Union und ab 1975 als Ratsherr erste kommunalpolitische Erfahrungen sammelte. Mitte der 80er-Jahre schob er die Gründung der Ruhr CDU an, gehörte auch zum Vorstand der NRW-CDU. 1980 zog Lammert erstmals in den Bundestag ein, wo er sich schnell den Ruf eines kundigen Politikers erarbeitete. Als Parlamentarischer Staatssekretär war er ab 1989 im Bildungs-, Wirtschafts- und später im Verkehrsministerium des Bundes tätig.

Lammert gilt als souverän, unbequem, unter Parteifreunden bisweilen auch als widerborstig. Seit 2005 hat sich der CDU-Politiker als Inhaber des protokollarisch zweithöchsten Amtes im Staate Anerkennung über Parteigrenzen hinweg verschafft. Der Westfale wurde nicht müde, vom Parlament mehr Selbstbewusstsein gegenüber der Bundesregierung einzufordern. „Nicht die Regierung hält sich ein Parlament, sondern das Parlament bestimmt und kontrolliert die Regierung“, lautet eine seiner Mahnungen.

Meist freundlich im Umgang, mit feiner Ironie und Witz, dann auch wieder knallhart in der Sache, übt er sein Amt aus. Mehr als einmal fuhr der CDU-Politiker aus dem einflussreichen Landesverband Nordrhein-Westfalen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Unions-Fraktionsspitzen in die Parade.