Beamte fordern Schutz in Amtsstuben

Köln..  Gegen zunehmende Übergriffe auf Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst sollen Jobcenter, Verwaltungsgebäude und Rathäuser künftig mit Sicherheitsschleusen wie an Flughäfen und Botschaften geschützt werden. Zudem sollen sie mit Alarmknöpfen ausgerüstet werden, wie sie bisher nur in Banken und in Juwelierländen eingesetzt werden. Das fordert der Chef des Beamtenbundes, Klaus Dauderstädt.

Er schlägt auch den Ersatz von Einzelbüros durch Großräume vor. Glaswände, die eine bessere Aufsicht möglich machten, könnten die Vertraulichkeit der Gespräche sichern. Die Beamten sollen auch Konflikt-Schulung erhalten.

Hintergrund der Forderung ist die Zunahme schwerer Gewalttaten gegen Staatsdiener. Auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) kündigte auf der Jahrestagung der Organisation in Köln „Gegenmaßnahmen“ an. Bund und Länder würden darüber sprechen. „Niemand erwartet von Bürgerinnen und Bürgern einen Untertanengeist gegen Mitarbeiter im öffentlichen Dienst. Aber die hohe Zahl von Gewalttaten ist nicht hinnehmbar“, so de Maizière.

2014 hat diese Gewalt mehrere Mitarbeiter von Dienststellen das Leben gekostet: So starben die Sachbearbeiterin einer Führerscheinstelle in Schleswig, weil sie einem Lkw-Fahrer die Fahrerlaubnis verweigerte und ein Gerichtsvollzieher, der bei einem Mann pfänden wollte. Eine Mitarbeiterin eines Jobcenters in Neuss wurde von einem Kunden erstochen. In Bayern starb ein Jobcenter-Mann nach einer Messerattacke.

Wer sind die Täter? Kölns Oberbürgermeister Roters: „Das Spektrum reicht von denjenigen, die den gewünschten Kita-Platz nicht bekommen, über die, deren Baugenehmigung nicht schnell genug erteilt wird, bis zu denen, die mit Entscheidungen der Arbeitsverwaltung oder des Sozialamtes nicht zufrieden sind.“ Beamtenbundchef Dauderstädt sagte, auch in Gerichten würden „hunderte von Messern, Schlageisen und Schusswaffen“ konfisziert. 2014 wurden zudem bundesweit 700 Mitarbeiter von Rettungsdiensten angegriffen und nach de Maizières Auskunft auch 60 000 Polizisten und Vollzugsbeamte.