Bauanträge in Ämtern stapeln sich

Dortmund..  Die Personalknappheit in den Bauaufsichtsämtern vieler Stadtverwaltungen sorgt für zunehmenden Verdruss bei Architekten, Bauherren und der Wohnungswirtschaft. Wartezeiten bei Bauanträgen weit über die in der Landesbauordnung vorgeschriebene Bearbeitungszeit von maximal zwölf Wochen sind nach Einschätzung der Architektenkammer NRW inzwischen flächendeckend ein Problem. Fachleute fürchten, dass die wegen der Wohnungsknappheit in NRW dringend notwendige Schubkraft in der Bautätigkeit ins Leere laufen könnte.

Besonders groß ist der Genehmigungsstau in den Ballungszentren. Der Grund: Die Zahl der Bauanträge liegt hier auf Rekordniveau. Im Ruhrgebiet wurden in der ersten Jahreshälfte 2016 insgesamt rund 5000 Baugenehmigungen für Wohnungen erteilt – 41 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die mit 250 Prozent landesweit höchsten Zuwachsraten gab es in Mülheim, erst an zweiter Stelle folgt das von überdurchschnittlichem Einwohnerwachstum geprägte Düsseldorf (212 Prozent). Auf Rang liegt mit Herne (200 Prozent) eine weitere Revierkommune.

Gleichzeitig leiden die Baubehörden unter einer extrem ausgedünnten Personaldecke, die Folge jahrelanger Sparpolitik in vielen Kommunen. „Ja, wir haben ein Problem: steigende Fallzahlen bei schrumpfender Mitarbeiterzahl“, räumte Bochums Stadtbaurat Markus Bradtke auf WR-Nachfrage ein. Antragszeiten seien viel zu lang. Die gesetzliche Höchstdauer von drei Monaten im vereinfachten Verfahren werde in Bochum nur in 50 Prozent der Fälle erreicht. Noch vor wenigen Jahren sei die Frist zumindest in 70 Prozent aller Anträge eingehalten worden. Bradtke: „Wir sind nicht zufrieden.“ Für die erhöhte Verfahrensdauer macht Bradtke neben der Personalnot steigende Anforderungen im Bauwesen, etwa beim Wärmeschutz und der Barrierefreiheit verantwortlich. Auch in anderen Städten stieg die Bearbeitungszeit an. In Dortmund dauern Genehmigungsverfahren derzeit durchschnittlich 4,7 Monate. 2007 waren es 3,6 Monate.

Kopfzerbrechen bereitet den Verantwortlichen zudem der Fachkräftemangel. Architekten mit Berufserfahrung zur Beurteilung der komplexen Bauanträge finden die Kommunen kaum noch. Christof Rose von der NRW-Architektenkammer: „Für die Kollegen ist es oft viel attraktiver, freischaffend zu arbeiten als im schlechter dotierten öffentlichen Dienst.“