Banken geht das Geld aus

Athen..  Griechenland schlittert nach dem Scheitern der Verhandlungen mit seinen Gläubigern in eine der größten Krisen seiner Geschichte. Im Fokus stehen dabei zunächst die Banken. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Nothilfen an Griechenland zwar vorerst nicht gestoppt, dennoch setzte die Notenbank mit der Entscheidung vom Sonntag, den Geldhahn nicht noch weiter aufzudrehen, Athen unter Zugzwang.

Im Raum stehen vorübergehende Bankenschließungen oder sogenannte Kapitalverkehrskontrollen. Damit würden zum Beispiel die Beträge für Abhebungen an Geldautomaten auf relativ kleine Summen gekappt. Zuletzt hatten immer mehr verunsicherte Bürger Bargeld von den Banken abgehoben, was diese in Schwierigkeiten bringt. Griechenlandurlauber sollten ausreichend Bargeld mitnehmen, riet die Bundesregierung.

In dieser Woche läuft zudem das Hilfsprogramm von Euro-Partnern, Währungsfonds (IWF) und EZB für Athen aus. Damit fehlen dem hoch verschuldeten Land Milliarden, die dringend zur Tilgung von Schulden beim IWF benötigt werden. Denkbar sind damit auf mittlere Sicht auch der Staatsbankrott und das Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone.

Die griechische Regierung hatte vor dem Wochenende völlig überraschend eine Volksabstimmung über die von den Geldgebern geforderten Reformen am kommenden Sonntag angekündigt und gleichzeitig deren Ablehnung empfohlen. Parallel wurden die Gespräche der Euro-Finanzminister mit Griechenland ohne Ergebnis abgebrochen – und es hagelte heftige Kritik.

„Die Enttäuschung ist schon sehr groß. Das ist kein guter Tag“, meinte Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Er bekräftigte jedoch wie seine Kollegen, dass Griechenland Mitglied der Euro-Zone und Teil der EU bleibe. Theoretisch wären neue Verhandlungen jederzeit möglich. IWF-Chefin Christine Lagarde sagte der BBC, die Griechen könnten in dem Referendum auch für das Angebot der Geldgeber stimmen. Deren Antwort hieße dann: „Lasst es uns versuchen.“

Finanzminister Varoufakis sagte „Bild“ mit Blick auf Kanzlerin Angela Merkel (CDU): „Die Regierungschefs der EU müssen handeln. Und von ihnen hält sie als die Vertreterin des wichtigsten Landes den Schlüssel in der Hand.“